
11mm Fußballfestival - Flanke auf der Kinoleinwand
Kaum Filme, wenig Zuschauer, keine Öffentlichkeit: So startete 2004 das weltweit erste Internationale Fußballfilmfestival. Zehn britische Spiel- und Dokumentarfilme waren es damals. Bei der inzwischen 11. Ausgabe des Festivals hat die Jury nun die Qual der Wahl: Über 200 Filme laufen im Programm. Gestartet ist das Festival am Donnerstag mit einem echten Knaller. Von Jakob Rüger
Die Macher um Festivalleiter Birger Schmidt haben sich anfangs nicht vorstellen können, dass ihr Festival einmal so ein Publikumsrenner wird. "In den Anfangsjahren war das noch undenkbar, aber mittlerweile sind wir ein Festival, das das Glück hat, sein Programm nur mit eingereichten Filmen gestalten zu können." Dabei muss die Jury schon einmal schwere Entscheidungen treffen. Längst schaffen es nicht mehr alle eingereichten Streifen, überhaupt im Festival zu laufen.
Fußball- und Kinofans vereint
Fristete das Genre des "Fußballfilms" vor zehn Jahren noch ein Nischendasein, so hat es sich längst als eigene Gattung etabliert. Die mittlerweile erstaunliche Vielfalt der Filmthemen zeigt dabei, dass das gesellschaftliche Phänomen "Fußball" inzwischen weit über seine rein sportliche Dimension hinausgewachsen ist, findet Schmidt: "In der aktuellen Sportberichterstattung wird nur noch der Medienrummel dargestellt. Ich denke, dass wir die Chance haben, die Interessierten ins Kino zu bekommen. Also die, die auch was über die Hintergründe erfahren wollen. Denen bieten wir sowohl Geschichten vom Fußball als auch charmante experimentelle Sachen. Wir versuchen eben immer, Fußballbegeisterte und Kinobegeisterte zusammenzuführen."
Und so soll es auch in der 11. Ausgabe des Festivals wieder sein. Im WM-Jahr 2014 geht es natürlich um das Gastgeberland Brasilien und die Geschichte der Fußballweltmeisterschaft. Doch vor allem gibt es in diesem Jahr auch einen politischen Schwerpunkt.
Zum Auftakt des Festivals allerdings gibt es einen Film, der uns mitten in das Fußballherz der Stadt führt, genauer gesagt: nach Köpenick.
"Union fürs Leben" - ein Geschenk für das Festival
Direkt zur Eröffnung des 11mm Fußballfilmfestivals gabe es einen besonderne Knaller: Die Weltpremiere der rbb-Koproduktion "Union fürs Leben" von Frank Marten Pfeiffer und Rouven Rech. Der Dokumentarfilm folgt vier sehr unterschiedlichen Protagonisten, die eines verbindet: Ihre große Liebe zum Köpenicker Zweitligisten 1. FC Union Berlin.
"Wir haben versucht herauszufinden, was dieser 'Mythos Union' ist, wie kann man ihn greifen, und was ist wirklich wahr oder nur Legende? Wir wollten das ganze Stadion abdecken und das ist uns gelungen. Wir begleiten einen Spieler, einen Fan von der Gegengerade, einen im VIP-Bereich und einen von der Waldseite", fasst Rouven Rech das zweijährige Filmprojekt zusammen.
Für die Organisatoren des Filmfestivals ist "Union fürs Leben" geradezu ein Geschenk, denn die Karten waren in wenigen Stunden restlos ausverkauft. Unter den 500 Zuschauern waren auch Spieler, Trainer und Verantwortliche des Köpenicker Vereins sitzen. Der Film wird noch zweimal auf dem Festival gezeigt, doch wer auch dafür keine Karte ergattert, darf sich trösten: Am 03. April kommt "Union fürs Leben" deutschlandweit in die Kinos.
Weitere Programm-Highlights
Neben dem Eröffnungsfilm über den 1. FC Union Berlin kann man den ersten Teil der fünfteiligen Serie "50 Jahre Bundesliga" sehen, aufwendig produziert von der Deutschen Welle. Darin wird auf die Geschichte der höchsten deutschen Spielklasse geblickt, Legenden des deutschen Fußballs kommen zu Wort.
Ganz anders der Film "Liga Terezin" des tschechisch-israelischen Regisseur-Duos Mike Schwartz und Avi Kanner. Von 1942 bis 1944 trugen jüdische Häftlinge in NS-Gefangenschaft Fußballspiele aus, auf improvisierten Spielfeldern in unmittelbarer Nähe des Ghettos Theresienstadt. Der Film zeigt hiervon historische Aufnahmen und spannt einen Bogen zu aktuellen antisemitischen Tendenzen in holländischen Stadien.
Einen historischen Blick auf den WM-Gastgeber Brasilien wirft der Film "Futebol Total". Regisseur Carlos Niemeyer nimmt die Zuschauer mit in das Jahr 1957. Damals entstanden auf neue und hochgradig ästhetische Art und Weise bewegte Bilder der brasilianischen Fußballmeisterschaft. Dem Filmteam war es gelungen, völlig neue Maßstäbe in Sachen Fußballbilder zu setzen.
Ein weiterer Höhepunkt des Festivals ist die Shortkicks-Gala am 31. März. Hier stellen sich die besten Fußballkurzfilme des Jahres dem Urteil einer prominent besetzten Jury aus Regisseuren, Schauspielern, Journalisten und Fußballern. Gemeinsam mit dem Publikum wählen sie den Gewinner des Kurzfilmwettbewerbs "11mm shortkicks". Zur Jury gehören unter anderen die brasilianischen Fußballer Ronny (Hertha BSC) und Naldo (VFL Wolfsburg).
Darüber hinaus wird es bis zum Ende des Festivals im Kino Babylon eine Ausstellung sowie Lesungen und Gespräche mit Protagonisten und Regisseuren der gezeigten Filme geben. Karten für die Filme beim 11mm Fußballfilmfestival gibt es online und an den Kassen des Kino Babylon, Rosa-Luxemburg-Straße 30.



