Anlässlich des Bach-Jahres wehen am 23.01.2014 vor der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) Flaggen mit dem Konterfei des Komponisten Carl Philipp Emanuel Bach. (Quelle: dpa)
Brandenburg aktuell | 08.03.2014 | Michel Nowak

Bach-Tag am 300. Geburtstag - Auf den Spuren von Bach junior durch Frankfurt (Oder)

Der Geburtstag des Komponisten Carl Philipp Emanuel Bach jährt sich an diesem Samstag zum 300. Mal. Das ganze Jahr über wird der berühmteste Sohn Johann Sebastian Bachs in sechs deutschen Städten geehrt. In Frankfurt (Oder) verbrachte Carl Philipp Emanuel einen Teil seiner Studienzeit. Zu seinem Ehrentag spendierte ihm die Viadrina einen Bach-Tag. Von Cornelia de Reese

Es waren die Jahre seiner Emanzipation – weg von zu Hause, Abstand von der ständigen Kontrolle allen Tuns. Carl Philipp Emanuel Bach packte im Jahr 1734 seine Koffer und ging von Leipzig nach Frankfurt (Oder), an die damals recht bedeutende Universität Viadrina.

Viel weiß man nicht über diese Zeit in der Stadt.  "Es ist immer das kürzeste Kapitel in den Biographien, was man dann schnell durchgelesen hat", sagt Stefanie Schrader, eine der Organisatorinnen des Bach-Tags in Frankfurt (Oder), den die Viadrina am Samstag feierte. "Wir wissen zum Beispiel, dass er für die Universität und die öffentlichen Anlässe Musik komponiert hat, Konzerte organisiert hat, das studentische Collegium Musicum geleitet hat, Klavierunterricht gegeben hat. Also ganz im Dunkeln liegt die Zeit doch nicht."

So gibt es zum Beispiel Schriftstücke von Emanuels Hand, in denen er der Universität Kosten für ein Konzert in Rechnung stellte. Bach habe genau aufgeschrieben, welche Musiker er organisierte, wieviel Geld diese dafür bekamen, sagt Schrader. Auch wieviel Geld er selbst bekam, habe er festgehalten: "das höchste Honorar mit zwölf Talern. Und als die Universität drei Monate später immer noch nicht gezahlt hat, schreibt er auch ganz selbstbewusst eine Zahlungsaufforderung direkt an den Rektor, jetzt möge er doch mal seinen Anteil bezahlen."

Der junge Bach im Gewand des Pop Art

Wer heute das Zentrum von Frankfurt (Oder) betritt, kommt am Konterfei des Komponisten nicht vorbei. Fahnen und Plakate zeigen ihn in bunten Drucken. Bach in Orange, Türkis, Blau, Lila. Der junge Bach sei "ein bisschen der Popstar seiner Zeit" gewesen, sagt Schrader - und deshalb habe man das Design an die Pop Art angelehnt.

Auch auf Postkarten ist dieser Pop-Art-Bach zu sehen. Auf der Rückseite: das Programm, das am Vormittag mit einer Stadt- und Campus-Tour startet. Los geht es im Ehrenhof der heutigen Europa-Universität Viadrina."Wir werden versuchen, Orte abzugehen, von denen wir wissen, oder meinen, dass CPE Bach dort in der einen oder anderen Weise war", erklärt Schrader. Auch Orte, die darüber hinaus für die Musik in Frankfurt relevant gewesen seien, seien Teil der Tour: etwa die Marienkirche, das Logenhaus, das heute nicht mehr steht, das Kommandantenhaus, wo regelmäßig im 18. Jahrhunderts Konzerte stattgefunden haben, das Rathaus, das gleichzeitig auch ein Tanzsaal  für Hochzeiten gewesen sei.

Auch in der Junkerstraße 37 sollte die Führung halt machen. Hier starb der Dichter Ewald Christian Kleist – ein entfernter Verwandter von Heinrich von Kleist. "Und der ist später Bekannter von Carl Philipp Emanuel Bach in Berlin. Und Carl Philipp Emanuel vertont von diesem Kleist auch zwei Lieder."

Ausklang mit Musik und Matrikelbuch

Ebenso wurde das Gelände des ehemaligen Jura-Kollegiums angesteuert und die Konzerthalle, die seinen Namen trägt. "Es ist ein Stadtgang der Rekonstruktionen", fasst Schrader zusammen. Denn vieles von damals sei heute im Stadtbild nicht mehr zu sehen. Für diese Fälle hat Stefanie Schrader alte Kupferstich-Abbildungen dabei. Eine davon etwa zeigt die ehemalige Franziskaner-Klosterkirche, die damals als "unterstädtische Klosterkirche" genutzt worden sei. "Da weiß man zum Beispiel, dass da eine der Festkantaten von Bach aufgeführt wurde, jene die zur Wiedereinweihung der Kirche in der Adventszeit entstanden ist."

Und abends: natürlich Musik, bei einem Kammermusikabend im Logensaal. Karl Leister, der ehemalige Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker, spielte mit Freunden unter anderem ein Duo für zwei Klarinetten von Carl Philipp Emanuel Bach.

Daneben hatten die Zuschauer sogar die Gelegenheit, ein ganz besonderes Ausstellungsstück zu sehen. Es wird nur zu diesem Konzert gezeigt: das alte Matrikelbuch der Universität Viadrina.

Beitrag von Cornelia de Reese

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