
Unser Song für Kopenhagen - Berliner Band Elaiza fährt zum Eurovision Song Contest
"Ich glaub das alles nicht!" - die Emotionen schwappten hoch gestern Abend: Die Newcomer-Band Elaiza aus Berlin wird Deutschland beim Eurovision Song Contest (ESC) vertreten. Das Neo-Folk-Trio hat mit dem Song "Is It Right" den Vorentscheid gewonnen und fährt am 10. Mai nach Dänemark. Die drei Musikerinnen gewannen das finale Publikumsvoting auch gegen die Band Unheilig.
Die Wildcard hat ihnen Glück gebracht: Deutschland wird beim Eurovision Song Contest in diesem Jahr von der Band Elaiza aus Berlin vertreten. Erst im Februar hatte sich das Trio mit ihrem Song "Is It Right" beim Vor-Vorentscheid in Hamburg durchgesetzt, jetzt hat es auch in Köln geklappt: Das Publikum entschied sich für die drei Musikerinnen, die nun am 10. Mai in Kopenhagen antreten werden.
"Wir haben uns total gefreut, hier überhaupt zu spielen", sagte Kontrabassistin Natalie Plöger direkt nach der Entscheidung. "Wir denken so in der Gegenwart, dass wir mit gar nichts gerechnet haben." Yvonne Grünwald, die Frau am Akkordeon, erinnert sich, dass gerade der Song, mit dem die drei die Zuschauer überzeugt haben, auch schon prima funktionierte, als sie das erste Mal miteinander gespielt haben. "Dabei haben wir gemerkt, wir gehören zusammen." Umso mehr freue sie sich, dass sie jetzt damit in Kopenhagen antreten werden.
Nach einer kurzen Nacht verriet Sängerin Elbzbieta (Ela) Steinmetz im ARD-Morgenmagazin, dass sie nach dem Sieg als erstes ihre Mama angerufen hat: "Sie ist selbst Musikerin und hat mir das Handwerk ans Herz gelegt", sagt Ela. "Sie ist die Person, die das am besten nachvollziehen kann. Sie ist so stolz, auf uns alle drei."
Sie wollten von Anfang an gern ein "Mädelstrio" sein, erzählen die drei über ihre gemeinsamen Anfänge. Als Elaiza bei dem kleinen Clubkonzert mit neun anderen Nachwuchsbands in Hamburg das erste Mal ein bisschen ESC-Feeling erlebt haben, konnten sie allerdings wirklich nicht damit rechnen, dass sie einmal in der Kölner Lanxess Arena auf der ganz großen Bühne stehen sollten - und schon gar nicht, dass sie dann auch noch gewinnen würden.
Schon bei den Proben für ihren großen Auftritt in Köln war die Aufregung groß. Das Gefühl, ihre Songs jetzt vor laufenden Kameras zu spielen, sei "unbeschreiblich" - viel mehr gebe es dazu gar nicht zu sagen. "Und dann stehen wir auch noch mit solchen Größen aus der Popmusik auf der Bühne – wie krass ist das denn?!"
"Wir stehen so weit voneinander entfernt"
Tatsächlich war die Konkurrenz hart: Unter den Kandidaten, die die Newcomer für ihr Ticket nach Kopenhagen schlagen mussten, waren Bands wie Unheilig, MarieMarie und die 18-jährige Durchstarterin Madeline Juno. Aber nicht nur wegen der Mitbewerber fand Sängerin Ela Steinmetz den Vorentscheid in Köln gewöhnungsbedürftig. "Die Bühne ist natürlich viel größer", sagt sie. "Es fühlt sich ganz anders an." Auch ihre Bandkolleginnen Natalie Plöger und Yvonne Grünwald fremdelten noch ein bisschen mit der neuen Größenordnung: "Wir müssen uns erst einmal daran gewöhnen, dass man mehr Platz hat - wir stehen so weit voneinander entfernt."
Als Band gibt es Elaiza erst seit etwa einem Jahr, ihre Gründungslegende passt bestens ins Musikgeschäft – die drei haben sich bei einer Schnapsverkostung kennengelernt und hatten gleich die Idee, gemeinsam Musik zu machen. Für die Texte und Songkomposition ist Sängerin Ela zuständig, die 1992 in der Ukraine geboren wurde und mit acht Jahren mit ihrer Mutter ins Saarland zog. Mittlerweile verbringt sie die meiste Zeit in Berlin. Von den beiden anderen kommen die Arrangements und der einprägsame handgemachte Sound der Band, der von Kontrabass und Akkordeon geprägt ist.
Mit Yvonne Grünwald und ihrem Akkordeon schafft es nun im Mai auch Brandenburg auf die ESC-Bühne, denn Yvonne unterrichtet in Beeskow und Fürstenwalde an der Musikschule Oder-Spree. Sie bringt jungen Talenten nicht nur das Akkordeon-Spiel bei, sondern lehrt auch Klavier.
Abstimmungsmarathon in drei Runden
Neu war das Auswahlverfahren, nach dem diesmal der Gewinner gekürt wurde. Die Organisatoren muteten ihren Teilnehmern, aber vor allem den Zuschauern, einen wahren Abstimmungsmarathon zu. Nach drei Ausscheidungsrunden fand am Donnerstag nun das große Finale statt. Abgestimmt wurde per Telefon und SMS.
Im ersten Durchgang traten alle acht Kandidaten auf, davon kamen allerdings nur die vier in die nächste Runde und durften noch einen zweiten Song spielen. Dann wurde noch einmal abgestimmt – im Rennen blieben die zwei Bands, deren Lieder die meisten Stimmen erhielten. Erst dann entschieden die Zuschauer, wer nach Kopenhagen fährt.
Moderiert wurde die Show von Barbara Schöneberger, die in diesem Jahr so ziemlich alles moderiert, was mit dem ESC zu tun hat. Am 10. Mai 2014 wird sie dann auch Gastgeberin für die Live-Sendungen sein, die die ARD vor und nach der Übertragung des ESC zeigt.
Countdown bis Kopenhagen
Was jetzt bis zum 10. Mai noch alles auf Elaiza zukommt, davon haben die Musikerinnen noch keine rechte Vorstellung, gaben sie in den ersten Interviews nach ihrem Überraschungssieg zu. "Auf jeden Fall werden wir weiter proben", meint Sängerin Ela. "Wir wollen uns immer verbessern und sind sehr ehrgeizig."
Über ihre Chancen in Kopenhagen haben die drei sich bisher keine Gedanken gemacht: "Wir haben uns noch nie etwas ausgerechnet, wir müssen erstmal diesen Schock verarbeiten – es ist wirklich so verrückt."




