
Erinnerungskultur als Teil des Stadtbildes - Berlin würdigt Stolperstein-Initiativen
An über 5.000 Stellen glänzen die Berliner Gehwege bronzefarben: Stolpersteine erinnern hier an die vielen Opfer, die in der Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten ihr Leben verloren. Die Steine zeigen ihre letzten Wohnorte an. Nun ist das Projekt vom Senat gewürdigt worden.
Mehr als 5.300 sogenannte Stolpersteine liegen vor Berliner Wohnhäusern als stumme Mahnmale: Die zehn Mal zehn Zentimeter großen Steine erinnern an die Opfer des NS-Regimes. Nun hat der Senat den Einsatz zahlreicher Stolperstein-Initiativen am Montag mit einem Empfang im Roten Rathaus gewürdigt. Anlass war die Verlegung des ersten Stolpersteins in Deutschland vor 20 Jahren.
Die Gedenksteine seien aus dem Stadtbild und aus der Erinnerungskultur nicht mehr wegzudenken, erklärte die Beauftragte für Bürgerschaftliches Engagement des Landes, Staatssekretärin Hella Dunger-Löper (SPD). Mittlerweile gebe es in jedem Berliner Bezirk auch eine Anlaufstelle für Verlegewünsche von Angehörigen von NS-Verfolgten aus dem In- und Ausland.

Steine werden immer wieder von Rechtsextremen beschmiert
Die Verlegung von Stolpersteinen vor den letzten Wohnadressen von NS-Opfern geht auf den Kölner Künstler Gunter Demnig zurück. In Köln wurde 1994 der erste dieser Erinnerungssteine in einen Gehweg eingelassen. In Berlin wurde der erste Stolperstein im Rahmen einer Kunstaktion 1996 verlegt, hieß es weiter.
Immer wieder werden die Steine von Rechtsextremen mit Farbe beschmiert. Doch mit Reinigungsaktionen wie etwa "Berlin putzt Stolpersteine" gehen engagierte Bürger dagegen vor.
Stolpersteine in 900 Städten und 17 Ländern
Inzwischen gibt es nach Senatsangaben in mehr als 900 deutschen Städten und Gemeinden sowie in 17 Staaten Stolpersteine. Demnig selbst bezeichnet das Kunstprojekt als "soziale Skulptur". Die Steine dokumentierten eindrücklich die europäische Dimension der systematischen Vernichtung von Juden und Sinti und Roma in der NS-Zeit, betonte Dunger-Löper. Die Stolpersteine verwiesen aber auch auf die Opfer der "Euthanasieprogramme", auf die Verfolgung von Homosexuellen, Widerstandskämpfern und vermeintlichen "Asozialen".




