Puhdys-Sänger Dieter Birr vor dem Brandenburger Tor (Quelle: dpa)

Dieter "Maschine" Birr zum 70. Geburtstag - "Ich werde so lange wie möglich Musik machen"

Er hat ein Stück deutsche Musikgeschichte geschrieben – Dieter Birr alias "Maschine", Frontmann der legendären Puhdys, feierte am 18. März seinen 70. Geburtstag. Passend dazu erscheint nicht nur ein neues Solo-Album von ihm, sondern mit der Biografie "Maschine" auch ein Rückblick auf sein Leben. Groß feiern wollte Birr zwar nicht, trotzdem war er kurz vor dem großen Tag zu Gast bei Antenne Brandenburg und hat mit René Hausmann über sein bewegtes Leben gesprochen.

Welche Pläne haben Sie denn für Ihren Geburtstag?

Ich feiere privat, ganz klein und normal. Ich bin auch nicht der große Feiertyp. Wir werden einfach essen gehen und am nächsten Tag fliege ich schon wieder nach Köln. Ich bin sonst im Moment ja ständig unterwegs. Und außerdem – 70 ist ja jetzt noch kein Alter.

Ihr neues Album "Maschine" ist eine Platte mit vielen alten Wegbegleitern und bekannten Musikern, die darauf mit Ihnen durch die vergangenen Jahrzehnte rocken. Wer hat alles mitgearbeitet?

Produziert hat Ingo Pohlitz, der auch Silbermond und Silly produziert. Als Gitarristen Max Repke, der bekannt ist als Bassist von Rockhaus, und Uwe Hassbecker, der ganz viele Ideen da mit eingebracht hat und das Album auch entscheidend mitgeprägt hat. Außerdem gab es noch ein paar Gäste, die mitgesungen haben: Wolfgang Niedecken zum Beispiel, Julia Neigel, Toni Kraal von City und meine Enkeltochter Annabell.

Wie haben Sie diese Musiker für die Zusammenarbeit gewonnen?

Toni Krahl und ich haben eines Abends zusammengesessen, nachdem wir einen gemeinsamen Auftritt hatten und er sagte, er wolle unbedingt mitmachen. Ich dachte erst, naja, so was sagt sich in so einer Situation leicht dahin - also habe ich ihn später nochmal angerufen und gefragt, 'willst du das wirklich machen?' 'Klar', sagte er. Also haben wir "Lebenszeit" aufgenommen, weil wir diese Nummer auch schon mal auf einem City-Konzert im Tempodrom gespielt haben. Wolfgang Niedecken habe ich auch einfach gefragt und er hat zum Glück zugesagt, und bei Julia Neigel war es genauso.

Die Puhdys in Gründungsbesetzung auf einem Konzert 1972 in Wanzleben bei Magdeburg (Quelle: imago)
Die Puhdys bei einem Auftritt 1972.

Sie haben mit 16 Jahren Ihren ersten Song "Susi Baby Twist" aufgenommen, mit 29 und dem Hit "Geh zu ihr" wurden Sie zum Rockstar. Jetzt feiern Sie Ihren 70. Geburtstag und "Maschine" dreht noch einmal richtig auf: mit dem ersten Solo-Album seit 28 Jahren und einer Biografie. Wie kam es zu der Idee, Ihr bewegtes Leben jetzt niederzuschreiben?

Das war eigentlich die Idee des Verlags (Neues Leben). Die haben mitgekriegt, dass ich 'volljährig' werde und haben gefragt, ob ich das machen will. Beim Schreiben hat mich Wolfgang Martin unterstützt, der Musikchef von Antenne Brandenburg. Er kennt mich ganz genau, er hat ja unsere ganze Laufbahn damals mehr oder weniger begleitet. Also haben wir ein paar Tage miteinander verbracht, er hat gefragt, ich habe geantwortet. Und daraus ist dieses Buch entstanden.

Das Buch handelt natürlich vor allem von Ihrem Leben mit der Musik. Man lernt unter anderem, dass Sie nicht nur Konzerte geben, sondern auch selbst leidenschaftlicher Konzertgänger sind. Welche Konzerte sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

In erster Linie natürlich die Stones, die habe ich acht oder neun Mal gesehen. Pink Floyd auch, das war damals die große "The Wall"-Show. Wir haben das letzte Konzert von Led Zeppelin in West-Berlin erlebt, bevor John Bonham gestorben ist. Queen natürlich auch – also ich habe wirklich alles zu sehen bekommen, was mich interessiert hat. Für mich ist es immer spannend, die Kollegen bei der Arbeit zu beobachten, weil man überall auch etwas mitnehmen kann.

Lassen Sie sich da auch ein bisschen beeinflussen?

Auf jeden Fall. Ich sehe ein Konzert oder höre Musik oft sehr analytisch, weil ich genau weiß, was die Instrumente da spielen und wie das klingt. Das ist aber ganz normal.

In dem Buch werden auch die besonders schweren Momente in Ihrem Leben angesprochen. 2003 war möglicherweise das härteste Jahr für Sie mit Blick auf die Gesundheit. Ein Zeckenbiss hat Sie damals für Monate außer Gefecht gesetzt. Was ist da passiert?

Ich fing an mich nicht wohlzufühlen, bekam Schwindelanfälle und dachte immer, Mensch, hoffentlich kippst du jetzt nicht um. Irgendwann hat sich das dann so zugespitzt, dass ich immer schwächer wurde und im Gesicht erste Lähmungserscheinungen hatte. Dann hat mich mein Sohn ins Krankenhaus gebracht, wo ich von Kopf bis Fuß untersucht wurde. Sie haben aber erst einmal nichts gefunden. Dann haben sie eine Lumbalpunktion gemacht und Borreliose festgestellt – ich wusste bis dahin gar nicht, was das bedeutet.

Es hieß, ich müsste jetzt erstmal vierzehn Tage Pause einlegen im Krankenhaus. Daraus wurden letztlich drei Wochen, aber ich war trotzdem zufrieden, weil ich wusste, es ist wenigstens nichts am Herzen. Meine Einstellung ist ja sonst immer, ich werde nicht krank.

Gab es danach die Überlegung, vielleicht ein bisschen kürzer zu treten?

Auf jeden Fall habe ich mein Leben ein bisschen umgestellt. Ich habe seit dem Zeitpunkt nie wieder geraucht. Und weil ich da so lange gelegen habe, war ich auch ganz schön geschwächt, also hat meine Frau mir erstmal einen Hometrainer gekauft, als ich wieder nach Hause kam. Gleich am ersten Tag sollte ich die ersten Kraftübungen machen – das war für mich als Anti-Sportler eine ganz schöne Belastung.

Mittlerweile, heißt es, schaffen Sie 60 Liegestütze?

Die ersten drei habe ich nur auf Knien geschafft,  dann habe ich alle zwei Tage erhöht – bis ich bei 60 war. Ich hatte aber auch Spaß dabei, viel mit dem Fahrrad zu fahren.

Ihren 70. Geburtstag krönen Sie jetzt mit dem Buch und dem Solo-Album. Kommt bei Ihnen jetzt nur noch das große Zurücklehnen und die Gemütlichkeit?

Ganz zurückziehen geht ja nicht, meine Leidenschaft ist nun mal die Musik, und ich werde so lange wie möglich Musik machen. Dann werden wir weitersehen.

Stichwort Rockerrente – vor wenigen Wochen kam die Meldung, dass sich die Puhdys als Band im kommenden Jahr vom Publikum verabschieden werden. Was löst es bei Ihnen aus, wenn so eine Meldung erst einmal geschrieben und veröffentlicht ist?

Das ist schon ein bisschen komisch, aber irgendwann ist eben leider Schluss. Es ist doch auch ganz schön, wenn man danach noch ein stückweit ein normales Leben weiterleben kann und nicht sozusagen gleich ins Bett fällt, weil man nicht mehr kann. Es gibt ja auch noch andere Sachen als die Puhdys, die man vielleicht gern noch machen will.

Das Gespräch führte René Hausmann für Antenne Brandenburg.

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