Traktoristin, um 1965 (Quelle: Martin Schmidt/ Stiftung Deutsches Historisches Museum)
Stilbruch | 20.03.2014 | Petra Dorrmann

"Farbe für die Republik" im Deutschen Historischen Museum - Bilder einer auf Hochglanz gebürsteten DDR

Glückliche Arbeiterinnen und anpackende Fabrikarbeiter - Ausstellungen zum Alltags- und Arbeitsleben in der DDR gibt es viele. Das Deutsche Historische Museum zeigt jetzt eine neue Fotoschau zum Leben in der DDR - aber eine komplett gestellte Hochglanzversion voller Optimismus und Aufbruchstimmung - inszeniert von eigens beauftragten Bildjournalisten.

Ob Jungpioniere auf Forscherausflug oder freundlich lächelnde VEB-Arbeiterinnen, moderne Fabriken oder große Neubauprojekte - die DDR-Führung verstand die Inszenierung einer verheißungsvollen sozialistischen Zukunft. Sie beauftragte damals Bildjournalisten, Fotos aus dem Arbeiter- und Bauernstaat anzufertigen. Einige ihrer Arbeiten sind jetzt unter dem Titel "Farbe für die Republik" im Deutschen Historischen Museum in Berlin (DHM) zu sehen.

Die Ausstellung ist gegliedert in sieben Themenbereiche, von der Arbeitswelt im Betrieb über das Leben auf dem Land bis zu Frauen in der DDR. Sie soll die Facetten einer idealisierten Welt zeigen, wie sie in Wirklichkeit nie war. "Es sind Wunschbilder. So wollte sich die DDR sehen und so hat sie sich präsentiert", sagte die Kuratorin Carola Jüllig. "Und es es ist wie immer im Kommunismus: Wir haben ein Ziel, auf das wir hinarbeiten - die Bilder sind das Versprechen, dass es so werden wird", so Jüllig weiter.

Staatstragende Bilder aus den VEBs und LPGs

Die Kuratorin bediente sich für die Schau unter anderem aus den umfangreichen Archiven der damaligen Bildreporter Martin Schmidt und Kurt Schwarzer im Sammlungsbestand des DHM. Die beiden Fotografen arbeiteten im Auftrag verschiedener Zeitschriften. Zu ihren Auftraggebern gehörten auch Volkseigene Betriebe (VEB), Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) sowie Massenorganisationen wie der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB). Darüber hinaus erstellten sie Werbefotos für Messen oder von einzelnen Produkten und schufen Illustrationen für Kochbücher.

Immer freundlich, immer souverän lächelnd - ihre "staatstragenden", farbenfrohen Bilder der Menschen in der DDR irritieren heute. Rund 150 Fotografien, vergrößert auf 50 mal 50 Zentimeter, zeigt das Museum, anhand derer es auch die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Auftragsfotografie kritisch reflektieren will.

Zudem sind Zeitschriften, Dias und Negative zu betrachten, auf denen die DDR als moderner Staat inszeniert wurde. In Hörstationen kommen Politiker, Journalisten und Wissenschaftler wie Wolfgang Thierse (SPD), Christoph Dieckmann und der Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam, Martin Sabrow, zu Wort.

Der Farbfotografie sei bei der Vermittlung der sozialistischen Ideologie eine besonders wichtige Aufgabe zugekommen. "Sie sollte diese fröhliche DDR und ihren Optimismus verkörpern. Das konnte ein Farbfoto natürlich viel besser als ein schwarz-weißes Bild" sagt Jüllig.

Die "pure emotionale Überwältigung"

Der damalige Bildreporter Martin Schmidt, dessen Bilder jetzt gezeigt werden, ist heute 88 Jahre alt. Er hat 40 Jahre lang Auftragsarbeiten abgeliefert. Schmidt hat nie damit gerechnet, dass seine Fotos jemals ausgestellt werden - und freut sich über die Schau im DHM. Hinter seinen Inszenierungen des Arbeiter- und Bauernstaats steht er auch heute noch. "Ich habe es so fotografiert, wie ich es vorgefunden habe. Ich sehe heute sehr gerne meine Fotos, nicht nur wegen des Inhalts, sondern auch wegen der Farbgestaltung", sagt er.

Dass seine Fotografien trotz allem einem politischen Zweck dienten, ist Schmidt jedoch ebenso bewusst: "Alles sollte einen optischen, positiven Eindruck machen und einen gewissen Anreiz geben, es auch besser zu machen", so Schmidt. Und so sind seine Bilder und ihre "pure emotionale Überwältigung", wie Kuratorin Jüllig sagt, heute vor allem spannende historische Dokumente.

Mit Informationen von Petra Dorrmann und Jochen Kienbaum.