
"Deutschboden" feiert Filmpremiere - Mit der Kamera durch den Brandenburger Alltag
In seinem Buch "Deutschboden" beschreibt Moritz von Uslar eine Kleinstadt im Osten und stellt dabei Klischees und Vorurteile der Realität gegenüber - dem oft recht harten und eintönigen Alltag. Regisseur André Schäfer hat "Deutschboden" verfilmt. Schäfers Brandenburger sind dabei die Zehdenicker und ihr Alltag im Landkreis Oberhavel. Ivo Ziemann war auf der Premiere.
Für den Schriftsteller Moritz von Uslar sah das Bild eines Jugendlichen aus Oberhavel so aus: Springerstiefel, tiefer gelegtes Auto, Bier und eine Kippe im Mund. Doch das korrigierte sich, so dass von Uslar bei seinen Recherchen für sein Buch "Deutschboden" feststellte: "Deutschland ist ein feiner Kerl". Und hinter dieser Fassade steckt noch weit mehr. Jetzt kommt der Film, der sich mit genau diesem Selbstverständnis und dem Eindruck nach außen auseinandersetzt in die Kinos.
Gedreht wurde "Deutschboden" in Zehdenick im Oberhavelkreis. Und dabei bekommt der Brandenburger ordentlich den Spiegel vorgehalten: Brandenburger in der kleinen Kneipe beim Bier, beim Hackepeterbrötchenessen beim Fleischer oder beim Plausch an der Tankstelle.
Regisseur Schäfer entdeckt seine Protagonisten im Publikum
Bei der Premiere in Neuruppin zeigte sich nun sehr schnell, dass die Brandenburger sich genau dabei auch sehen wollen: Schon lange vor dem Start der Vorführung waren die Kinokassen belagert und ein zusätzlicher Kinosaal musste für eine weitere Projektion der Premiere frei gemacht werden.
Regisseur André Schäfer zeigte sich dann vor der Vorstellung auch überrascht von dem großen Interesse. Und er spekulierte: Hier wollen die Leute natürlich einen Film sehen, aber viele kommen auch, um sich selbst zu entdecken: "Das ist das Publikum, dass ich wahrscheinlich zwischendurch mal eingefangen habe mit der Kamera. Von daher bin ich jetzt echt aufgeregt. Deshalb hoffe ich das die Zehdenicker und die aus Neuruppin sowieso, das alles auch gut finden".

Der Soundtrack von den Darstellern
Im Prinzip dreht sich der Film rund um die Punk-Band "Five-Teeth Less", um ihren Heimatort, um Hartz 4, um baufällige Häuser und um viel zu viel Alkohol. Die oft ausgesprochen laute Musik der Band ist dabei ein großer Teil des Sound-Tracks. Und so zeigten sich die Hauptdarsteller und Musiker auch überrascht und stolz über ihre Rolle und ließen einander kaum ausreden:
- "Wir müssen auch sagen dazu, dass ‚Stromberg‘ verdrängt wurde von ‚Deutschboden‘…"
- "Einmalig!"
- "Mir tut es leid, ich mag 'Stromberg'…"
- "Ist eine sehr große Ehre für uns…"
- "Wir sind sehr stolz darauf, was wir erreicht haben dadurch und wir feiern uns selbst auch ein wenig…"
Die Hauptrolle allerdings spielt der Journalist und Buchautor Moritz von Uslar selbst. Durch seine Augen lernen die Zuschauer den Ort und die Leute kennen. Für den Dreh tauchte das Team in die Welt der Zehdenicker ein und wurde dabei "herzlich aufgenommen", erzählt Regisseur André Schäfer: "Nach dem dritten oder vierten Tag sind wir gar nicht mehr aufgefallen, obwohl wir ein Riesenteam waren. Alle haben sich gefreut, dass wir da waren. Es gab überhaupt niemanden, der gesagt hat: 'Lass mich in Ruhe!'"
Entsprechend begeistert zeigten sich auch die Zuschauer selbst bei der Premiere in Neuruppin:
- "Wirklich gut. dass es wie eine Doku gemacht wurde und nicht wie ein Spielfilm."
- "Man bekommt so ein bisschen den Spiegel vorgehalten, wenn man aus einer Kleinstadt kommt."
- "Weil das auch alles original Menschen sind, super."
- "Ich fand schon das Buch super!"


