Ab Juni im Schloss Doberlug - Brandenburg veranstaltet erstmals eine Landesausstellung
"Wo Preußen Sachsen küsst" - das ist der Titel von Brandenburgs erster Landesausstellung. Sie widmet sich den oft konfliktträchtigen Beziehungen zwischen Preußen und Sachsen. Rund 300 kostbare Objekte werden zu sehen sein, vom sächsischen Kurhut bis hin zur polnischen Königskrone. Ort der Schau ist das mit Millionenaufwand sanierte Schloss Doberlug - das damit ebenfalls eine Premiere begeht. Nicht für alle Besucher wird der Empfang aber angenehm sein.
Den Beziehungen zwischen Preußen und Sachsen, die oftmals konfliktträchtig waren, widmet sich vom 7. Juni an die erste Brandenburger Landesausstellung in Schloss Doberlug (Elbe-Elster). Sie stellt rund 200 Jahre preußisch-sächsischer Geschichte vom 17. bis 19. Jahrhundert vor. Rund 300 kostbare Objekte - barocke Kunstschätze, wertvolle Dokumente, Gemälde, aber auch Alltagsgegenstände - stellten Leihgeber aus aller Welt für die Schau unter dem Titel "Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft" zur Verfügung. Die Bandbreite der Exponate reicht vom sächsischen Kurhut über die polnische Königskrone bis hin zu den Schuhen, in denen Luise Ulrike von Preußen einst den schwedischen Thron bestieg.
Gemeinsame Geschichte, aber auch Unterschiede sollten erlebbar werden, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bei der Vorstellung am Montag in Potsdam. So solle die Identität der in der Region lebenden Menschen gestärkt werden. Woidke ist zusammen mit seinem sächsischen Amtskollegen Stanislaw Tillich (CDU) Schirmherr der Schau.
Anlass der Landesausstellung ist das 200. Jubiläum des Wiener Kongresses 1814 und 1815, mit dem die Grenzen Europas nach den Napoleonischen Kriegen neu geordnet wurden. Dabei gingen große Teile Sachsens an Preußen, das damit zur Großmacht in Europa aufstieg.
Blutige Auseinandersetzungen und Kulturaustausch
In sieben Szenen werden in den Räumen des mit Millionenaufwand wiederhergerichteten Schlosses Doberlug - auch die "sächsische Perle Brandenburgs" genannt - die Beziehungen beider Länder thematisiert. Einerseits wurden blutige Auseinandersetzungen geführt, andererseits gab es einen regen kulturellen Austausch.
Rund 800 Quadratmeter Fläche stünden zur Verfügung, sagte Ausstellungsmacher Kurt Winkler, der auch Geschäftsführender Direktor des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam ist. "Die Besucher können ein besonders Thema an einem besonderen Ort und in einer besonderen Region entdecken." Mit der Ausstellung auf rund 800 Quadratmetern Fläche werde Schloss Doberlug das erste Mal in seiner Geschichte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Schlossensemble wurde in der DDR als Kaserne der Nationalen Volksarmee (NVA) genutzt.
Die Schau kostet nach Angaben von Brandenburgs Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos) rund 2,6 Millionen Euro. Das Land kommt für 1,6 Millionen Euro auf. Rund 100.000 Besucher werden bis Anfang November in dem Renaissance-Schloss und bei den zahlreichen Veranstaltungen und Partnerausstellungen erwartet.
Ernüchternder Empfang
Die Vorbereitungen in Doberlug-Kirchhain laufen auf Hochtouren, auf der Homepage der Stadt zählt ein Countdown die Zeit bis zum "Event" herunter. Doch ob die knapp 10.000 Einwohner zählende Gemeinde dann tatsächlich für die Besucher gerüstet ist, darf zumindest in einigen Bereichen mit Fragezeichen versehen werden.
Unter anderem könnte es an Hotelbetten fehlen. Die 18 Doppelzimmer im einzigen Hotel im Ort sind schon jetzt fast komplett ausgebucht. Auf dem Gelände der Ausstellung gibt es zudem nur eine Gaststätte. Ein Festzelt soll im Sommer Abhilfe schaffen.
Ernüchternd könnte für die erwarteten Gäste auch die Ankunft am Bahnhof in Doberlug-Kirchhain sein. Einladend ist dieser nicht gerade: Der direkte Zugang zum Bahnsteig ist zugemauert, und man muss einmal ums Gebäude gehen. Auf den Bahnsteigen ist der Belag teilweise aufgeplatzt und nur notdürftig geflickt. Die Stadt, der das Bahnhofgebäude gehört, will bis Juni für Verbesserungen sorgen. Doch die Bahnsteige, für die die Bahn zuständig ist, werden laut Bahn erst 2015 saniert - im Zuge eines allgemeinen Ausbaus.
Mit Informationen von Constanze Schirmer




