Die Skulpturen "Asiatischer Elefant" (1907) und "Bettelnder Elefant (1908) des italienischen Bildhauers Rembrandt Buggatti (Quelle: dpa)

Ausstellung in der Alten Nationalgalerie - Rembrandt Bugatti - Tierisches auf der Museumsinsel

Panther, Flamingos und Elefanten sieht man normalerweise eher im Zoo als im Museum. Doch der italienische Bildhauer Rembrandt Bugatti (1884 bis 1916) schuf in seinem kurzen Leben mehr als 300 Tiere aus Bronze. Seine schönsten Plastiken zeigt nun die Alte Nationalgalerie in einer ungewöhnlichen Schau.

Über 100 Tier-Bronzen, Zeichnungen und Dokumente des italienischen Bildhauers Rembrandt Bugatti sind ab Freitag in der Alten Nationalgalerie zu sehen. Es ist die erste große Einzelausstellung seiner Werke seit frühen Tod des Künstlers. Aus der ganzen Welt wurden die Werke nach Berlin geflogen. Von einer "fulminanten Wiederentdeckung" des herausragenden Künstlers sprach der Freundeskreis der Nationalgalerie.

Vergessener Künstler mit fanatischer Fangemeinde

Denn Bugatti gilt hierzulande als Geheimtipp. Nach seinem frühen Tod wurde er von der Öffentlichkeit vergessen. Dennoch habe er eine "internationale fanatische Fangemeinde", erklärt Philipp Demandt, der Leiter der Alten Nationalgalerie. "Das sind Sammler, die bereit sind fast jeden Preis zu zahlen, um eine Figur von Bugatti zu bekommen. Wir hatten das große Glück in viele dieser großen Privatsammlungen Einblicke zu bekommen und haben fast jedes Werk, das wir angefragt haben, für die Ausstellung leihen können."

Besondere Schmuckstücke der Ausstellung sind die "Brüllende Kuh" (1901), der "Laufende Panther" (1904) oder das "Gähnende Nilpferd" (1905), die in Beziehung zu den Gemälden der Nationalgalerie aufgestellt sind. Zu sehen ist auch der tanzende Elefant, der Vorbild für die berühmte Kühlerfigur auf dem Bugatti Royale, dem Luxusmodell aus der Werkstatt seines Bruders war. Die Bronzen sind relativ hoch, zwischen 30 und 120 Zentimetern.

Springendes Känguru (Kangourou bondissant), 1907, Bronze, 34 x 51 x 30 cm (Foto: Peter John Gates)

Eine Liebe für's Leben

Rembrandt Bugatti, 1884 in Mailand geboren als Bruder des legendären Autobauers Ettore Bugatti, wuchs in einem künstlerischen Umfeld auf. Bereits als Jugendlicher bewies er ein herausragendes Talent für die Bildhauerei. "Rembrandt ist eigentlich ein Wunderkind gewesen. Er hat mit 14, 15 Jahren schon die ersten Plastiken gemacht, die die Leute erstaunt haben", sagt Philipp Demandt.

Ohne jemals eine Kunstschule besucht zu haben, debütierte Bugatti bereits 1901 in Mailand mit einer großen Ausstellung, mit 18 Jahren ist er bereits auf der Biennale in Venedig verteten. Als die Familie nach Paris zieht, wird er sofort von einem berühmten Galeristen unter Vertrag genommen.

Ein radikaler Künstler

Sehr früh, bereits mit 16 Jahren fand Bugatti sein künstlerisches Motiv, das ihn sein ganzes Leben lang nicht mehr loslassen sollte: Tiere. Anfangs standen ihm vor allem Kühe Modell, später entdeckte er in den Zoos von Paris und Antwerpen seine Liebe zu exotischen Wildtieren. Als erster europäischer Künstler modellierte er Tapire, Marabus und Känguruhs, vor allem jedoch kraftvoll-anmutige  Raubkatzen.

Philipp Demandt: "Er war ein Mann, dem man so vertraute in seiner Empathie und seinem Gefühl, das er für seine tierischen Modelle hatte, dass er einmal zwei große Antilopen für drei Monate aus dem Zoo von Antwerpen mit in sein Atelier nach Paris nehmen durfte. Dort hat er mit denen gehaust, um daraus eine Plastik zu erschaffen. Als er fertig war, hat er sie wieder zurückgeschickt. Er war offenbar ein Künstler, der relativ radikal war, wenn es darum ging, ein großes Kunstwerk zu erschaffen."

Der gebürtige Italiener lebte seit dem Spätsommer 2007 dauerhaft in Antwerpen. Gesundheitliche und finanzielle Probleme, sowie der Eindruck des Ersten Weltkriegs stürzten den Künstler in eine Depression. 1916 nahm er sich in Paris das Leben. Er wurde nur 31 Jahre alt.