Die Museumsinsel in Berlin (Quelle: rbb online/ Manuel Tanner)

Beratungen im Kulturausschuss - Visionen in weiter Ferne – die Zukunft der Berliner Museumslandschaft

Die Neuordnung der Berliner Museen ist ein Dauerbrenner unter den Debattenthemen. Wohin soll die Moderne Kunst, wohin die Alten Meister? – das war auch Thema im Kulturausschuss des Bundestages am Mittwoch. Man tagte quasi in "geheimer Mission". Doch als sich die Türen nach der nichtöffentlichen Sitzung öffneten, blieb ein Umsturz der Museumspläne aus.

In den letzten Monaten schlugen die Wogen hoch bei den Diskussionen über die Berliner Museen. Die neue Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte für einen Umzug der Alten Meister auf die Museumsinsel plädiert, unterstützt vom Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger. Zudem war ein Neubau für die Moderne am Kulturforum im Gespräch. Beide nahmen am Mittwoch im Bundeskulturausschuss Stellung. Doch ein konkretes Ergebnis brachte das Treffen nicht hervor.

Kulturhistorisch sinnvoll

Auch vor diesem Gremium macht sich die neue Kulturstaatsministerin für ein "Sowohl als Auch" stark: Sowohl einen Neubau für die Alten Meister an der Museumsinsel nicht ad acta zu legen (Kosten: 375 Millionen Euro) als auch einen für die Sammlungen der Klassischen Moderne und die Surrealisten Sammlung Pietzsch am Kulturforum zu planen (Kosten: 180 Millionen Euro): "Erstens haben wir einen akuten Platzmangel für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Zweitens muss man eine langfristige Neuordnung der Sammlungsbestände beachten. Da gibt es einen Masterplan der Stiftung aus den Neunziger Jahren, der vorsieht dass die Alten Meister auf der Museumsinsel und in deren Kontext zu sehen sein sollen. Das halte ich kulturhistorisch für wichtig und sinnvoll. Zur Zeit befinden sie sich ja in der Gemäldegalerie am Kulturforum, aber dort soll es langfristig eine Konzentration des 20. Jahrhunderts geben," erklärte Grütters.

Demnach bleibt der Umzug der Alten Meister zur Museumsinsel auch nach dieser Sitzung wohl das, was er bisher war: eine Vision in weiter Ferne. Aber auch bei dem vorrangig und kurzfristig anvisierten Neubau für die Moderne am Kulturforum kristallisierte sich noch kein konkreter Zeitplan heraus: "Das hängt davon ab, ob der Bundestag sich überhaupt für einen Neubau entscheidet."

Fragen klären, Fakten schaffen

Doch selbst nach einem positiven Entscheid gilt es, Fragen zu klären – Standortfragen. Baut man für bislang geschätzte 130 Millionen Euro hinter der Neuen Nationalgalerie an der Sigismundstraße oder für 180 Millionen Euro vorne an der großen Potsdamer Straße? "Wenn sich herausstellen sollte, dass in der Sigismundstraße die 10.000 Quadratmeter aus verschiedenen Gründen – Abstände zum Mies Bau, zu Wohnbauten und so weiter – nicht möglich sein sollten, dann ist es eben keine Option. Doch der andere Standort vorne hat auch nicht nur Vorteile: Er bringt die städtebauliche Problematik mithinein. Hier ist Berlin gefragt", sagte Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Sein Wunsch: Endlich Fakten zu schaffen.

Ob Parzinger allerdings wie erhofft bis Ende des Jahres Klarheit bekommt, ist fraglich. Bis zum Sommer 2015 könne es dauern, so der Ausschussvorsitzende Siegmund Ehrmann, bis das Vorhaben in den Haushalt eingebracht werden könne. Viel Zeit, viel Ungewissheit also weiterhin, was die künftige Gestaltung der Berliner Museumslandschaft angeht.

Mit Informationen von Barbara Wiegand, Inforadio

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