
Von Berlin-Bohnsdorf nach Erkner - Der Kühn-Nachlass ist gerettet
Wer kennt nicht den Brunnen auf dem Strausberger Platz oder das A-Portal der Stadtbibliothek - die eindrucksvollen Werke des großen Metallkünstlers Fritz Kühn prägen das Berliner Stadtbild. Allerdings gab es um den riesigen Nachlass Kühns jahrelangen Streit, der nun endlich beigelegt werden konnte.
Eines seiner berühmtesten Werke wird noch heute von Autos umkreist: der Brunnen auf dem Strausberger Platz in Berlin. Aber auch das Kuppelkreuz der Berliner Hedwigskathedrale oder das Logo des Deutschen Theaters schuf Fritz Kühn, der zu den bedeutendsten Metallbildhauern des 20. Jahrhunderts zählte. Nach seinem Tod im Jahr 1967 hinterließ Kühn ein riesiges Erbe aus Stahl, das nun doch nicht auf dem Schrottplatz enden muss, sondern vom Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung in Erkner übernommen wird.
Für die Nachfahren von Fritz Kühn geht damit ein jahrzehntelanger Streit mit dem Land Berlin zu Ende. Auf dem ehemaligen preußischen Vierseithof in dem Treptower Ortsteil hatte der Künstler ein Metallkunst-Refugium gegründet, das sein Sohn Achim, sein Enkel Tobias und Schwiegertochter Helgard Kühn unermüdlich bewahrten. Aber auch Fotografien, Zeichnungen und sein schriftlicher Nachlass lagertern hier. Dieser unwürdig lagernde Nachlass sollte auf dem Gelände in einem Museum ausgestellt werden. Die von der Familie und Freunden im Jahr 2003 gegründete Fritz-Kühn-Gesellschaft versuchte seither, das Land Berlin für ihre Pläne zu gewinnen.
Doch die Verhandlungen mit dem Senat waren ein ewiges Hinhalten, sagte Hildegard Kühn dem rbb. Berlin wollte nur die umfangreichen Papiere, darunter Skizzen, Baupläne und die Korrespondenz mit staatlichen Stellen. Für die teils sperrigen Skulpturen hatte man in der Hauptstadt keinen Platz.
Der Kauf des Grundstücks von dem genossenschaftlichen Eigentümer scheiterte letztendlich, weil das Geld nicht zusammen kam. Es folgte im Februar diesen Jahres die Zwangsräumung. Kurz zuvor konnten die Werke jedoch nach Erkner ausgelagert werden.

Jetzt wird mit der Familie Kühn geplant
Kai Drewes, der Leiter der Wissenschaftlichen Sammlung am Leibnitz-Institut, dessen Abteilung sich speziell mit der Bau- und Planungsgeschichte der DDR befasst, empfindet das Wirken von Fritz Kühn spannend. "Er arbeitete mit sehr vielen namhaften Architekten zusammen und war auch sehr viel in Westdeutschland tätig."
Drewes will sich nun vorurteilsfrei einem Künstler nähern, der 1954 den Nationalpreis der DDR erhielt und posthum 1969 im Pariser Louvre mit einer Gedenkausstellung geehrt wurde: "Wir wollen nichts beschönigen, wir wollen aber auch nicht verdammen."
Gemeinsam mit Familie Kühn wird das Institut nun konkret planen, wie der Nachlass auch öffentlich zugänglich gemacht werden kann. Es werde wohl in zwei bis drei Jahren einen Skulpturengarten geben, der vom S-Bahnhof Erkner aus sichtbar sein wird, hofft Helgard Kühn. Für Forschungs- und Recherchezwecke wird es einen reichhaltigen Fundus geben, verspricht das Institut.
Mit Informationen von Oliver Meurers

