
Kulturwoche der Sinti und Roma - "Gestatten, das sind wir!"
Rund 70.000 Sinti und Roma leben in Deutschland - oft wird ihnen mit Vorurteilen begegnet. Dem wollen nun die Sinti und Roma mit einer Kulturwoche in Berlin entgegentreten. Dabei spielt selbstverständlich auch die aktuelle Zuwanderungsdebatte eine Rolle.
Unter dem Motto "Gestatten, das sind wir!" startet am Dienstag in Berlin eine Kulturwoche der Sinti und Roma. Unter der Schirmherrschaft von Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) stehen bis 13. April Konzerte, Theater, Filmvorführungen und Podiumsgespräche auf dem Programm.
Eröffnet wird die Kulturwoche am Mittwochmittag am Denkmal für die in der NS-Zeit ermordeten Sinti und Roma im Berliner Tiergarten. Am Abend wird in das Kreuzberger Aufbau-Haus zu einer Diskussion über "Europa und seine ungewollte Minderheit" eingeladen. Zudem gibt es ein Konzert mit Werken von Sinti- und Roma-Musikern wie Django Reinhardt oder Georges Boulanger (Rumänien).
Kino, Konzerte, Theater
Am 9. April wird unter anderem der Dokumentarfilm "Brass on Fire" von 2002 über die legendäre Zigeunerkapelle "Fanfara Ciocarlia" gezeigt. Die Roma-Musiker aus dem entlegenen rumänischen Dorf Zece Prajini wurden von zwei jungen Deutschen entdeckt und füllen seit den 90er Jahren die Konzertsäle weltweit.
Im Rahmen der Kulturwoche sind zudem zwei Theaterstücke zu sehen über den Holocaust an den Sinti und Roma und ein Gastspiel des Hamburger Thalia Theaters über Selbstfindung und Identitäten von jungen Roma in Deutschland. Im Harzer Kiez in Berlin-Neukölln, einem der verstärkten Ansiedlungsgebiete rumänischer Roma, wird ferner zu einer Ausstellungseröffnung und einem kulinarischen Abend mit Live-Musik eingeladen.
Sinti und Roma beklagen "lange Tradition der Vorurteile"
Die Kulturwoche wird veranstaltet von der in Mannheim ansässigen Hildegard-Lagrenne-Stiftung. Sie wurde 2012 von Sinti und Roma selbst gegründet und setzt sich für Bildung, Inklusion und Teilhabe der Minderheit in Deutschland ein. Die Stiftungsgründung war eine Reaktion auf einen damaligen Bericht der Bundesregierung, wonach die geschätzt 70.000 in Deutschland lebenden Sinti und Roma "gut integriert" seien.
Der Zentralratsvorsitzende der Sinti und Roma, Romani Rose, beklagte dagegen erst kürzlich eine lange Tradition der Vorurteile. Jahrzehntelang hätten negative Medienberichte über Roma und Sinti dominiert, sagte Rose bei einer Veranstaltung im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit Mitte März.
Die aktuelle Ausgrenzung von Sinti und Roma werde vor allem in der Zuwanderungsdebatte über die Einwanderer aus Bulgarien und Rumänien deutlich, sagte Rose weiter. Schon seit Jahren werde vor einer Armutseinwanderung in die Sozialsysteme gewarnt. Dabei werde häufig übersehen, dass viele Roma und Sinti in gefragten Berufen in den Bereichen der Pflege, Bau- oder Landwirtschaft arbeiteten.



