Darsteller während der Generalprobe von "Così fan tutte" in der Oper Oder-Spree (Quelle: Stiftung Stift Neuzelle)
Video: Brandenburg Aktuell | 23.07.2014 | Benjamin Stöwe

"Così fan tutte" bei Oper Oder-Spree - Neuzelle nimmt sich Mozart vor

Oper mal nicht im etablierten Opernhaus, sondern an verschiedenen Orten in Ost-Brandenburg – das ist die Idee von Oper Oder-Spree. Die Organisatoren versammeln junge Künstler aus aller Welt im Kloster Neuzelle. Innerhalb von vier Wochen bringen sie ein komplettes Stück auf die Bühne. Dieses Jahr haben sich die Nachwuchssänger eine ganz bekannte Oper vorgenommen.

Der Bariton Emanuele Merlo ist es gewohnt, viel unterwegs zu sein. "Aber von Neuzelle habe vor dieser Produktion noch nie gehört", meint der Italiener. Er ist einer von sechs Sängern, die ab Donnerstag bei "Così fan tutte" im spätgotischen Kreuzhof des Klosters auf der Bühne stehen werden.

Es ist bereits die 15. Produktion des Opernprojekts "Oper Oder-Spree", das jedes Jahr jungen Künstlern die Möglichkeit bietet, vor großem Publikum aufzutreten und Bühnenerfahrung zu sammeln.

260 Bewerbungen gab es in diesem Jahr, das Casting fand Anfang März an der Universität der Künste in Berlin statt. "Dass die Künstler hier leben, arbeiten und innerhalb von drei bis vier Wochen ein Stück auf die Beine stellen,- und dann auch noch hintereinander spielen, das ist für junge Sänger etwas ganz besonderes. Deshalb kommen sie auch gern nach Neuzelle", beschreibt Walter Ederer von der Stiftung Stift Neuzelle den Reiz des Projekts.

Unmoralisch und anzüglich

Nach einigen unbekannteren Opern wird in diesem Jahr wieder ein bekanntes Werk aufgeführt. In "Così fan tutte" schließen drei Männer eine Wette ab – und stellen ihre Frauen auf die Probe. Mozarts Seitensprung-Oper, die 1790 in Wien uraufgeführt wurde, war zu seinen Lebzeiten und im 19. Jahrhundert nur mäßig erfolgreich. Zu unmoralisch und anzüglich erschien den Zeitgenossen die Handlung, doch mittlerweile gehört sie zum Standardrepertoire von Opernbühnen weltweit.

"Die Schwierigkeit dabei ist, dass das Stück sehr aus dem Zeitgeist heraus lebt", erklärt Regisseurin Rebekka Stanzel die Herausforderung bei der Inszenierung. "Eine Treueprobe von Frauen und man stellt sich die Frage: Warum heiraten die am Schluss auch noch? Warum sagen sie nicht einfach: So, getrennte Wege und fertig. So würde man es heute machen. Aber das ist auch der besondere Reiz an diesem Stück."

Generalprobe von "Così fan tutte" in der Oper Oder-Spree (Quelle: Stiftung Stift Neuzelle)
Generalprobe zu "Così fan tutte" im Kloster Neuzelle

Zwölf Aufführungen liegen vor dem jungen Ensemble. Nicht nur im Kloster Neuzelle, auch auf der mittelalterlichen Burg Beeskow und im Atrium der Konzerthalle in Frankfurt (Oder) ist das Stück zu sehen. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Francesco Damiani, der das Bulgarische Kammerorchester Dobritsch dirigiert.

Parallel zu den Aufführungen von "Così fan tutte" erarbeiten im Rahmen von Oper Oder-Spree Teilnehmer eines internationalen Opernkurses auf der Burg Beeskow weitere Programmpunkte für das Festival. Dazu zählen ein Liederabend (2. August in Beeskow), die Oper in der Scheine an der Ragower Mühle (8. bis 10. August) sowie die Festliche Operngala, die am 16. August in Beeskow und am 17. August in Neuzelle aufgeführt wird.

mit Informationen von Benjamin Stöwe

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