Notes of Berlin - Zettel - Hey du; Quelle: Notes of Berlin - Filmlab

"Notes of Berlin"-Regisseurin Mariejosephin Schneider im Gespräch - "Wir trauen der Stadt ganz schön was zu"

Für ihren Abschlussfilm an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) verfilmt Mariejosephin Schneider das Erfolgsblog "Notes of Berlin" – und jeder kann sich daran beteiligen. Im Interview mit rbb online spricht die Regisseurin und gebürtige Berlinerin über die Grundidee, den Charme der Notes und ihre Hoffnungen für den fertigen Film.

rbb online: "Notes of Berlin – Der Kinofilm" lautet der Titel Ihres Abschlussfilms an der dffb und basiert auf dem gleichnamigen Kultblog, das jeden Tag Zettel-Fundstücke aus der Hauptstadt postet. Wie sind Sie auf das Blog gestoßen?

Mariejosephin Schneider: Ich hatte im stillen Kämmerlein an einem anderen Drehbuch gearbeitet und bin beim Prokrastrinieren auf das Blog gestoßen. Was ich dort sah, fand ich wahnsinnig toll und wollte das gerne in mein Buch einbauen. Leider hat das nicht funktioniert. Als ich dann den Produzenten Martin Danisch traf, war relativ schnell klar, dass wir etwas Episodenhaftes machen wollen. So kamen wir auf die Idee, die "Notes of Berlin" zu verfilmen. Wir haben dann den Blog-Erfinder Joab Nist angesprochen, der zufälligerweise selbst gerade etwas in diese Richtung machen wollte – es war die richtige Zeit und der richtige Ort.

Was hat Sie an den Notes so fasziniert?

Die Notes sind kleine Miniaturen, die den Kosmos der Stadt abbilden und gleichzeitig jedem Raum lassen, sich selbst Gedanken zu machen. Genau dieser Geist des Blogs soll auch in die Verfilmung getragen werden.

Das Besondere bei Ihrem Filmprojekt ist, dass sich jeder beteiligen kann ...

... genau. Am Anfang haben wir noch überlegt, klassisch vorzugehen, also etwa acht Notes auszusuchen und uns dann dazu Geschichten auszudenken. Doch schließlich kamen wir an den Punkt, an dem Martin meinte, dass sich das Ganze für ein interaktives Projekt eignen würde. Wir haben den Gedanken sacken lassen – und uns schließlich gedacht: Das hat Sinn.

Dann haben Sie das Projekt bei LEUCHTSTOFF eingereicht?

Ja, obwohl wir nur ein Konzept hatten – das Drehbuch entsteht ja erst. Wir wussten nicht, was dabei herauskommen würde, aber es hat geklappt.

Das Ergebnis ist nun, dass auf der Homepage zum Projekt sowie über die sozialen Netzwerke Notes vorgestellt werden, zu denen jeder Geschichten, Ideen und Darsteller einreichen kann und das als Text, Foto, Video oder Audio. Das klingt sehr unberechenbar.

Es fühlt sich tatsächlich ein wenig wie ein fahrender Zug an, bei dem man nicht weiß, wo die Reise hingeht. Aber wir trauen der Stadt ganz schön was zu. Wichtig ist, dass man entspannt bleibt. Das Projekt ist ein Experiment, auf das man sich vollkommen einlassen muss. Das heißt aber nicht, dass es keine Vorbereitung gibt: Wir arbeiten natürlich schon parallel an einer dramaturgischen Struktur und hoffen, dass wir mit Einreichungen bombardiert werden. Dennoch bleibt sicherlich ein großes Stück Ungewissheit, aber da muss man auf seine Intuition, sein eigenes Talent und das der Mitarbeiter vertrauen.

Ist man bei den Einreichungen komplett frei?

In der Hauptsache lassen wir uns schon überraschen, allerdings gibt es bei jeder vorgestellten Note eine Aufgabe, die wie eine Hilfestellung wirken soll. Gemeinsam mit zwei Autoren werde ich dann die Perlen der eingereichten Beiträge auswählen und daraus schließlich die einzelnen Episoden inszenieren, die ein großes Bild entstehen lassen.

Das Blog "Notes of Berlin" lebt stark von der Kommunikation der Community – wie soll sich das in die Verfilmung übertragen?

Jeder Beitrag, der bei uns online geht, kann diskutiert werden – diese Diskussion gehört zum Entstehungsprozess des Films dazu. Man kann sich insgesamt auf ganz unterschiedliche Arten einbringen und das auch offline, denn es wird regelmäßige Treffen für alle Interessierten geben.

"Notes of Berlin"-Regisseurin Mariejosephin Schneider (Foto: privat)
Die Regisseurin von "Notes of Berlin - Der Film" Mariejosephin Schneider

Nun wird "Notes of Berlin" nicht der erste Berlin-Film sein. Was wird ihn – fernab des Entstehungsprozesses – von den anderen unterscheiden?

Ich habe in letzter Zeit keinen Berlin-Film gesehen, der mein Berlin zeigt. "Notes of Berlin" wird unser Berlin-Film und der erste, bei dem so viele Menschen beteiligt sind, das macht ihn sicher zu etwas Besonderem. Auch für mich persönlich wird dieser Film im Vergleich zu meinen anderen Arbeiten etwas ganz Neues.

Inwiefern?

Meine anderen Filme haben auch Komik, aber sie sind vor allem ernst. "Notes of Berlin" soll nun ganz viel Humor beinhalten. Dazu habe ich sonst viel mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet, jetzt werden es wohl Erwachsene sein – aber nicht nur (lacht).

Was wäre Ihr Wunschergebnis für die Verfilmung "Notes of Berlin"?

Ich hoffe auf einen produktiven Sommer und darauf, durch das Projekt superspannende Menschen kennenzulernen, die auch vor der Kamera auftreten. Denn wir werden bei dem Film auch auf Laiendarsteller setzen. Und ich hoffe, dass wir mit dem Film ein Zeitdokument schaffen, das man sich in 20 Jahren ansehen kann und dann sagt: "Stimmt, das war Berlin."

Das Gespräch führte Alice Lanzke

Beitrag von Alice Lanzke

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