Weltweit erstes Wikipedia-Denkmal in Słubice enthüllt (Quelle: dpa).

Polnische Grenzstadt setzt Wikipedia ein Denkmal - Słubice würdigt den Internet-Almanach

30 Millionen Artikel in mehr als 280 Sprachen, zusammengetragen von unzähligen Menschen weltweit. Wikipedia gibt Auskunft über alle nur möglichen Themen und Begriffe - und ist bei Recherchen mittlerweile kaum noch wegzudenken. Jetzt hat die Online-Enzyklopädie ein Denkmal bekommen - in der kleinsten Universitätsstadt Europas. Von Martin Adam

Krzysztof Wojciechowski ist ein erklärter Fan der Wikipedia. Der Leiter des deutsch-polnischen Forschungsinstituts "Collegium Polonicum" spricht vom "größten Projekt, das jemals von Menschen erschaffen und durchgeführt wurde." Diesem Projekt hat die westpolnische Grenzstadt Słubice nun ein Denkmal gesetzt.

Das Städtchen mit knapp 17.000 Einwohnern liegt auf der polnischen Oderseite, gegenüber von Frankfurt (Oder). Słubice sei zwar klein, aber "kulturell aktiv wie eine Stadt mit 100.000 Leuten", so Wojciechowski. Nicht zuletzt sei ja auch sein "Collegium Polonicum", ein Kooperationsprojekt der Universitäten Poznań und Frankfurt (Oder), hier angesiedelt. Daher sei der Ort genau richtig für das erste Wikipedia-Denkmal der Welt.

Wenn man nicht das hat, was man liebt, liebt man das, was man hat.

Krzysztof Wojciechowski

Statue aus Kunststoff auf dem Plac Frankfurcki

Und so sieht das Denkmal aus: vier Menschen, zwei Männer und zwei Frauen, halten die Weltkugel aus Puzzleteilen, das Logo von Wikipedia. Gestaltet wurde das Denkmal von Mihran Hakobyan, einem armenischen Bildhauer, der selbst in Słubice studiert hat. "Wir hatten kein Geld für einen internationalen Wettbewerb", sagt  Krzysztof Wojciechowski. Zu Hakobyan habe er noch Kontakt aus dessen Zeit am Collegium Polonicum gehabt: "Er hat einen Vorschlag eingereicht und den fanden wir toll."

Seinen Standort hat das Denkmal auf dem Plac Frankfurcki im Stadtzentrum gefunden, nur etwa 300 Meter von der Oderbrücke nach Frankfurt entfernt. Und weil das Budget so klein ist wie die Stadt, hat es für ein Bronzedenkmal nicht gereicht. Die Statue wurde von einer polnischen Firma aus wetterfestem Kunststoff gefertigt, "mit vierzig Jahren Garantie", wie Wojciechowski betont. "Wie man das auf Polnisch so schön sagt: Wenn man nicht das hat, was man liebt, liebt man das, was man hat."

Krzysztof Wojciechowski, Direktor des Collegium Polonicum Internationale Lehr- und Forschungseinrichtung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und der Adam-Mickiewicz-Universität Posen, zeigt am 20.10.2014 im polnischen Grenzort Slubice, der Nachbarstadt von Frankfurt (Oder), das Modell des Wikipedia-Denkmals des armenischen Bildhauers Mihran Hakobyan (Quelle: dpa).
Krzysztof Wojcziechowski, Leiter des "Collegium Polonicum"

Słubice, das "ehemalige Schmuggler- und Prostituiertennest"

Bereits vor über drei Jahren hatte Krzysztof Wojciechowski dem Słubicer Bürgermeister Tomasz Ciszewicz seine Denkmal-Idee vorgeschlagen. Der hatte auf den klammen Haushalt verwiesen, sich aber letztlich sogar überzeugen lassen, die benötigten 25.000 Euro bereitzustellen. Und so ist nun auch für Ciszewicz das Wikipedia-Denkmal ein zukunftsweisendes Projekt.

Das Monument zeige, dass Słubice kein Provinznest sei und locke hoffentlich viele Touristen in die Stadt. "Sowas hat niemand, wir sind einzigartig!", sagt der Bürgermeister. "Es lohnt sich, zu uns zu kommen, das Denkmal zu besichtigen und die Wikipedia zu nutzen. Unsere Stadt hat da auch einen Artikel, ich übrigens auch. Die Eröffnung des Denkmals wird ein historischer Tag!"

Zwar sei es nicht leicht gewesen, die Słubicer vom Denkmal zu überzeugen, weil die Leute oft ganz einfach nur "ihre Ruhe, bloß nicht auffallen" wollten. Aber als kleinste Universitätsstadt Europas müsse man eben vorwärts gehen. Der Institutsleiter Wojciechowski fasst seine Begeisterung für Słubice noch etwas deutlicher in Worte: "Ich unterstütze dieses Städtchen aus allen Kräften, bin voller Bewunderung, wie dieses ehemalige Schmuggler- und Prostituiertennest sich entwickelt hat in diesen 25 Jahren. Sie haben es verdient."

Beitrag von Martin Adam

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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