Besucher der Amerika Gedenkbibliothek in Berlin sitzen zwischen Bücherregalen. (Quelle: dpa)

Diskussion um Standort - Neue Landesbibliothek wohl nicht vor 2020

Mit dem Scheitern der Senatspläne beim Volksentscheid zum Tempelhofer Feld muss auch die Planung für die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) neu aufgerollt werden. Mit einer neuen ZLB rechne er frühestens im Jahr 2020, sagte Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) am Montag im Kulturausschuss. Seit Monaten wird über mögliche Standorte diskutiert. Hier müsse noch einmal völlig neu angesetzt werden, sagt Renner.

Kulturstaatssekretär Tim Renner rechnet frühestens im Jahr 2020 mit einer neuen Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) für Berlin. Nach dem Aus für den Standort Tempelhofer Feld sei das sogar noch eine optimistische Schätzung, sagte der SPD-Politiker am Montag im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses. Der neue Bedarfsplan für das Mammutprojekt solle wie angekündigt erst im Herbst 2016 vorliegen. Da das bisherige Konzept bereits fünf Jahre alt sei, fange man jetzt im Grunde von vorne an. "Da müssen wir nochmal ganz tief reingehen", so Renner. "Das wird jetzt nicht mit heißer Nadel gestrickt."

Bündnis90/Die Grünen fordern einen kompletten Neustart des Projekts - doch die Regierungsfraktionen von SPD und CDU lehnten mit ihrer Mehrheit einen entsprechenden Antrag ab. Mögliche Alternativen seien das frühere Flughafengebäude Tempelhof oder ein Erweiterungsbau an einem der beiden bisherigen Bibliotheks-Standorte, sagte die Grünen-Abgeordnete Sabine Bangert.

Kulturstaatssekretär Tim Renner im Juli 2014 (Quelle: dpa)
Kulturstaatssekretär Tim Renner stellt seine Pläne zur Zentralen Landesbiblothek im Kulturausschuss vor

Kommt ein ganz neues Konzept?

Gut vier Monate nach dem vom Senat verlorenen Volksentscheid zur Bebauung des Tempelhofer Feldes muss für die ZLB ein geeigneter Alternativstandort gefunden werden. Der Regierende Bürgermeister und amtierende Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) hatte den stillgelegten Flughafen als Standort für die Zentral- und Landesbibliothek bevorzugt. Nun fordern alle Fraktionen, mögliche Standortalternativen gründlich zu prüfen.

Im Kulturausschuss sagte Renner, zunächst müsse der Raumbedarf neu geprüft werden, erst danach könne die Entscheidung über den Standort fallen. Moderne Lagertechniken machten es möglich, mit einer reduzierten Fläche auszukommen. Für das Tempelhofer Feld war von einer Bibliotheksfläche von rund 50.000 Quadratmetern ausgegangen worden. Um welchen Anteil sich das durch die neuen technischen Möglichkeiten reduzieren könnte, möchte momentan niemand beziffern.

Der Linken-Abgeordnete Wolfgang Brauer sagte, offenbar wolle der Senat nach dem "Tempelhof-Fiasko" ein ganz neues Konzept vorlegen. Auch der CDU-Abgeordnete Michael Braun äußerte sich kritisch: "Warum soll der Bedarf jetzt anders sein als beim Tempelhofer Feld?"

Amerika-Gedenkbibliothek in Berlin-Kreuzberg (Quelle: dpa)
SPD-Chef Jan Stöß favorisiert die Amerika-Gedenk-Bibliothek als Standort für die Zentrale Landesbibliothek

Stöß setzt auf Kreuzerg - Saleh auf Dahlem

Um mögliche Standorte ist im politischen Betrieb Berlins in den vergangenen Monaten eine lebhafte Diskussion geführt worden. Rund ein Dutzend Vorschläge sind im Gespräch. Berlins SPD-Landesvorsitzender Jan Stöß favorisiert den Blücherplatz in Kreuzberg. Er halte es für richtig, die Überlegungen auf das Areal der dortigen Amerika-Gedenkbibliothek zu konzentrieren, sagte er. Dort gebe es ein landeseigenes Grundstück mit einem bekannten Bibliotheksstandort, der mit zwei U-Bahn- und mehreren Buslinien hervorragend zu erreichen sei.

Der SPD-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, hat das Ethnologische Museum in Berlin-Dahlem als möglichen Standort für die Zentral- und Landesbibliothek ins Spiel gebracht. Dort wäre Platz, wenn das Museum selbst ins Humboldt-Forum in Mitte umzieht. Allerdings würde sie nicht sehr zentral liegen.

Die Piratenpartei brachte das Gelände des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit in der Normannenstraße ins Spiel. Die Linken wiederum liebäugeln mit einem Neubau in der geplanten "Berliner Mitte" zwischen Alexanderplatz und Spree. Teile der CDU favorisieren eine Sanierung des leerstehenden ICC.

Der Vorstand der Stiftung ZLB, Volker Heller, plädiert - wie SPD-Landeschef Jan Stöß - für den Standort der Amerika-Gedenkbibliothek. Eine mögliche kleinere Variante - wie von Renner genannt - sei als Neubau besser an dieser Stelle zu realisieren als ein größeres Vorhaben. Dieser Standort sei eingeführt und die Berliner liebten ihn, so Heller. Man brauche jedoch eine solide Prüfung.

Landebibliothek platzt aus allen Nähten

Über seine Strategie zur Standortfindung sagte Renner, er wolle zunächst ein so genanntes Grobclustering machen, also Vorschläge in die engere Wahl nehmen und dann drei, vier Standorte konkreter prüfen.

Aktuell platzt die Zentral- und Landesbibliothek mit 1,5 Millionen Nutzern aus allen Nähten. Sie ist die meistbesuchte Kultureinrichtung Berlins und mit Amerika-Gedenkbibliothek am Blücherplatz, der Berliner Stadtbibliothek in der Breiten Straße und einem großen Außenmagazin auf drei Standorte verteilt. Wer fächerübergreifend recherchieren muss, pendelt deshalb mitunter zwischen den Häusern.

Renner will an Neubauplänen festhalten

Wowereit favorisierte dort einen auf 270 Millionen Euro geschätzten Bibliotheksneubau. Der war allerdings fraglich geworden, nachdem Wowereit zum 11. Dezember seinen Rücktritt angekündigt hatte. Renner will jedoch an den Plänen festhalten. Er werde jetzt zum größten Fürsprecher eines Bibliotheksneubaus, den Berlin dringend brauche, hatte der 49-Jährige bereits vor der Ausschussitzung angekündigt. Wowereit nahm nicht an der Debatte teil, weil er diese Woche in Urlaub ist.

Von den Nationalsozialisten zur Modenschau

Mit Informationen von Kirsten Buchmann

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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