Echo 2015 in Berlin - "Die Helene-Fischer-Festspiele haben begonnen"

Echos, Echos, Echos - bei der großen Gala im Palais am Funkturm ging es Schlag auf Schlag. Zum 24. Mal lud die Musikbranche zum Preismarathon ein, moderiert in diesem Jahr von Barbara Schöneberger. Doch trotz der vielen Auszeichnungen - große Überraschungen gab es am Donnerstagabend nicht. Helene Fischer hielt gleich in den ersten Minuten eine Trophäe in den Händen. Und es sollte nicht die letzte bleiben. Von Ula Brunner

Die Gala begann mit einer Schweigeminute. Gastgeberin Barbara Schöneberger trug Schwarz. 150 brennende Kerzen auf der Bühne sollten an die Opfer der Flugkatastrophe in den französischen Alpen erinnern. Zum Auftakt des Echo-Musikpreises wollten die Veranstalter ein Zeichen der Trauer setzen. So erinnerte auch der erste Musik-Gig an den letztes Jahr verstorbenen Musiker Udo Jürgens, der in diesem Jahr in die "Echo Hall of Fame" aufgenommen wurde: Acht deutsche Künstler, darunter Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer, Sarah Connor und Xavier Naidoo, intonierten gemeinsam den Jürgens' Song "Ich weiß, was ich will".   

Doch nach der kurzen Besinnungspause ging man routiniert zum eigentlich Sinn und Zweck der Veranstaltung über: Gute drei Stunden lang wurde den Popstars Echo um Echo verabreicht, in rasanter Folge und meist von den Gewinnern des Vorjahres. 2014 hatte der satt prasselnde Preisregen selbst vor der damaligen Gala-Gastgeberin Helene Fischer nicht halt gemacht – sie ging am Ende mit zwei Echos nach Hause.

Die Fischer angelt Preise

Doch so viel hinlänglich Vertrautes die diesjährige Verleihzeremonie bot - zumindest musste sich die Gastgeberin nicht selbst feiern. Als Moderatorin hatte man in diesem Jahr Barbara Schöneberger angeheuert. Schlagfertig und gutgelaunt nahm die bereits in ihrer Anmoderation den Verlauf des Abends vorweg: "Willkommen zu den Helene-Fischer-Festspielen".  

Sängerin Helene Fischer freut sich am 26.03.2015 in Berlin bei der Verleihung des Musikpreises Echo über die Auszeichnung in der Kategorie "Hit des Jahres" (Quelle: dpa)
Immer wieder Helene - vier Echos!

Und damit hatte sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Helene Fischer war - natürlich - mit vier Nominierungen als Favoritin ins Rennen gegangen. Und davon angelte sie auch alle vier. Die ungekrönte Schlagerkönigin ließ am Ende alle weit hinter sich, die nationale und internationale Konkurrenz. Selbst die Rock-Recken AC/DC und Pink Floyd konnten sich in der Königsdisziplin "Album des Jahres" nicht gegen die Deutsche durchsetzen, die die Trophäe bereits zum zweiten Mal für ihr Album "Farbenspiel" erhielt. "Dass ich den Echo für für dasselbe Album zum zweiten Mal hintereinander in der Hand halte, das ist einfach wunderbar", meinte denn auch die Sängerin.

Doch damit lange nicht genug. Till Schweiger, mit dem sie übrigens im Herbst auch im "Tatort" zu sehen sein wird, überreichte ihr wenig später den "Schlager"-Echo mit den ermunternden Worten "Bleib so wie du bist, Helene". Andrea Berg, die ebenfalls in dieser Kategorie nominiert war, wurde mit ihrem einzigen Echo "Live-Act National"  endgültig auf den zweiten Platz in der deutschen Schlagerliga verwiesen.

Noch zweimal musste Helene Fischer auf die die Bühne: um die Auszeichnungen für ihren Ohrwurm "Atemlos" ("Hit des Jahres")  und für die "Beste DVD/Blu-Ray" in Empfang zu nehmen. Soviel Ehrung verschlug ihr vorübergehend die Sprache - um dann zu parieren: "Spätestens jetzt haben die Helene-Fischer-Festspiele begonnen. Ihr werdet mich so schnell nicht mehr los".  

Echos in der Vitrine

Für viele der Gewinner an diesem Abend ist eine Echo-Trophäe schon ein vertrautes Requisit geworden. Reflexartig tauchen manche Künstler immer wieder bei den Preisverleihungen auf. So auch Oonagh und Herbert Grönemeyer (Künstlerin bzw. Künstler Rock/Pop national), Andrea Berg und Andreas Gabalier, der seinen zweiten Echo in Folge in den Händen hielt, und erklärte: "Der Echo in der Kategorie 'Volkstümliche Musik' ist mit Abstand der coolste".

Die Band Unheilig erhielt mit "Rock/Alternative national" übrigens bereits den 7. Echo - und wahrscheinlich auch den letzten. Denn der Graf von Unheilig hat nach 15 Jahren Musikkarriere seinen Abschied angekündigt. In diesem Jahr geht die Band auf Abschiedstour.

Der Echo, angekündigt als "einer der renommiertesten Musikawards der Welt", ist eben einem Familientreffen der Musikindustrie nicht unähnlich: immer wieder dieselben bekannten Gesichter.

Dass die Starriege vom Echo 2015 – Nomen ist Omen – wie ein Echo auf frühere Preisverleihungen klingt, liegt an der Natur der Sache: Wer den Echo erhält, das bestimmt in den allermeisten Kategorien keine Jury. Die Nominierungen richten sich nach den Chartplatzierungen und den Verkaufszahlen. Und da finden sich häufig die Künstler wieder, die sich auf dem Musikmarkt seit Jahren etabliert haben. 

Sänger Udo Lindenberg kommt am 26.03.2015 in Berlin zur Verleihung des Musikpreises Echo (Quelle: dpa)
"Es geht weiter" - immer coool, unser Udo

Rosen aus Athen - Euer Udo

Es war also ein vorhersehbarer Abend. War man einerseits selten überrascht, wer am Ende einen Echo erhielt, standen andere Preisträger bereits im Vorfeld fest: Nana Mouskouri - "seit Jahrzehnten mit dem gleichen Kassenbrillengestell" (Schöneberger) - wurde für ihr Lebenswerk geehrt. "Ich liebe dich aus tiefstem Herzen, Glückwunsch für deinen Preis" - fast eine Liebeserklärung war die Video-Grußbotschaft von Quincy Jones an die mittlerweile 81Jährige. Sehr berührt bedankte sich die Grande Dame des griechischen Chansons bei Quincy und natürlich bei ihrem Publikum.

Mit schnodderiger Nonchalance nahm Udo Lindenberg den Sozial-Echo von Regisseur Detlev Buck entgegen. "Danke für geile Laudatio, lieber Detlev" nuschelte der Alt-Rocker. Und beruhigte alle Anwesenden: "Es geht weiter, keine Panik". Im Laufe seiner Karriere habe der 68-Jährige die Deutschen in Ost und West mit seiner Musik und seinem weit darüber hinaus gehenden Engagement nachhaltig inspiriert, so die Begründung der Veranstalter.

DJ Robin Schulz freut sich am 26.03.2015 in Berlin bei der Verleihung des Musikpreises Echo über die Auszeichnung in der Kategorie "Dance national" (Quelle: dpa)
DJ Robin Schulz - der große Newcomer

Danke, danke, dankeschön!

Die Echoverliehung lief nach Plan. Popstars querten in rascher Folge die Bühne, Barbara Schöneberger witzelte, man weinte, man dankte - der Plattenfirma, dem Manager, der Produzentin, den Freunden und der Mama. Dazwischen gab es - auch - Musik: Herbert Grönemeyer, der britische Johnny-Depp-Verschnitt James Bay, die Hamburger Hip-Hopper Deichkind. Eines der Highlights: Bob Marleys Sohn Ky-Mani Marley, Gentleman, Campino, Joy Denalane und Nneka präsentierten den Marley-Klassiker "Redemption Song".

Doch wenigstens ein frisches Gesicht auf dem etwas abgetretenen Preis-Parkett gab es an diesem Abend: Robin Schulz, der mit drei Nominierungen ins Rennen gegangen war. Mit seinen Tracks ist der DJ aus Osnabrück bereits weltweit 17 Mal auf Platz 1 der Charts gelandet. Der 27Jährige ist einer der wenigen echten Newcomer in diesem Jahr. Zwar schnappte ihm Oonagh den "Newcomer"-Echo vor der Nase weg, doch immerhin konnte Schulz sich über schließlich eine Trophäe in der Kategorie "Dance national" freuen. Verdient hat er ihn allemal. In ihm hat der deutsche Musikmarkt endlich wieder einen jungen Star mit internationalem Potenzial gewonnen - jenseits von Helene Fischer.  

Lila Teppich - Echo 2015

Glamour, Glanz und Preise auf dem Berliner Messegelände

Der Echo 2015 im Überblick

  • Album des Jahres

  • Live Act National

  • Rock/Pop national

  • Rock/Pop international

  • Schlager & Volkstümliche Musik

  • Hip-Hop/Urban

  • Dance & Crossover

  • Rock/Alternative

  • Newcomer

  • Hit des Jahres

  • Radio-Echo

  • Musik-DVD, Blu-Ray/Bestes Video national

  • Kritikerpreis national

  • Lebenswerk

  • Partner des Jahres

  • Produzent des Jahres

  • Soziales Engagement

  • Best Interactive Act national

  • Produzent national

Beitrag von Ula Brunner

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