Matthias Schulz bei der Pressekonferenz zur Vorstellung einer neuen Intendanz in der Staatsoper im Schillertheater am 17.06.2015 (Quelle: imago/Future Image)
Video: Abendschau | 17.06.2015 | Boris Hermel

Nachfolger von Jürgen Flimm - Matthias Schulz leitet neue Ära an der Berliner Staatsoper ein

Generationswechsel an der Staatsoper Berlin: Matthias Schulz übernimmt das Amt des Intendanten von Jürgen Flimm - soll aber vorher noch einige Zeit mit ihm zusammen arbeiten. Der 1977 in München geborene studierte Pianist und Volkswirt hat bislang vor allem in Salzburg gearbeitet - und will an seiner neuen Wirkungsstätte neue Akzente setzen.

Matthias Schulz wird neuer Intendant der Berliner Staatsoper. Das teilten Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der Generalmusikdirektor der Staatsoper, Daniel Barenboim, am Mittwoch mit. Am Dienstag hatte der rbb die Personalie bereits vermeldet.

Schulz tritt damit die Nachfolge des 73-jährigen Jürgen Flimm an, der seit 2010 Intendant der Staatsoper ist. Die Ernennung sei der Beginn eines Generationenwechsels an der Staatsoper, sagte Müller. Nächste Schritte würden folgen. Dazu sagte Barenboim, dessen Vertrag bis 2022 läuft: "Es ist meine Hoffnung, dass Herr Schulz meinen Nachfolger findet - und nicht Herr Flimm, der nur noch drei Jahre bleibt."

Jürgen Flimm (li.) und Matthias Schulz am 17.06.2015 bei der Pressekonferenz zur Vorstellung einer neuen Intendanz in der Staatsoper im Schillertheater (Quelle: imago/Future Image)
Jürgen Flimm (li.) und Matthias Schulz werden sich die Intendanz an der Staatsoper eine Zeit lang teilen.

"Ein toller Bursche"

Die Personalie ging ohne Streit über die Bühne: Michael Müller, Daniel Barenboim und Jürgen Flimm hatten sich gemeinsam auf Matthias Schulz verständigt. Er habe als Volkswirt Management-Qualitäten, er wisse aber auch als Künstler, wie er ein Haus wie die Staatsoper zu führen habe, sagte Müller, der auch das Berliner Kulturressort unter sich hat. Der scheidende Intendant Flimm freut sich auf die Zusammenarbeit, denn beide kennen sich bereits aus Salzburg: "Er ist ein toller Bursche." 

Der 38-jährige Kulturmanager soll bereits im März 2016 nach Berlin kommen und im September 2017 Co-Intendant werden - bis er zu Flimms Abschied im ersten Quartal 2018 dessen Posten dann ganz übernimmt. In der gemeinsamen Zeit soll er mit Flimm auch den Umzug der Staatsoper vom Schiller-Theater in das umgebaute Stammhaus Unter den Linden organisieren.

Der Umzug hat sich wegen Baupannen um Jahre verzögert. Die renovierte Staatsoper soll nach dem bisherigen Stand im Oktober 2017 öffnen. In Anbetracht dessen lobte Matthias Schulz im rbb, dass der Intendantenwechsel mit einer entsprechenden Übergangszeit so gut geplant wurde. "Ich freu mich auf diese Zusammenarbeit", so Schulz.

Schulz will neue Akzente setzen

Bei seiner Vorstellung am Mittwoch wies Schulz darauf hin, dass er sich ein modernes, offenes und vernetztes Opernhaus wünsche, das kein Elfenbeinturm ist. Was ihm auch wichtig ist, sei eine barrierefreie Ästhetik, "die den Blick frei gibt auf alles was heute relevant ist", so Schulz. Mit der Berufung des Kulturmanagers wird es in dem Haus wohl auch einen kleinen Umbruch geben: "Was die Regie betrifft, wird es darum gehen, auf bewährte Kräfte zurückzugreifen. Es geht nicht darum, alles umzustürzen, aber es wird sicherlich neue Akzente und neue Namen geben." Dabei wolle er vor allem Auftragswerke realisieren, "aber es geht auch darum das Kern-Repertoire der Staatsoper zu stärken", erläuterte Schulz im rbb.

Schulz wurde 1977 in München geboren. Er studierte Klavier an der Universität Mozarteum in Salzburg und Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Von 1999 an arbeitete er schwerpunktmäßig für die Salzburger Festspiele, unter anderem als Konzertchef. Seit März 2012 ist er kaufmännischer Geschäftsführer und künstlerischer Leiter der Stiftung Mozarteum in Salzburg.

Kostenexolosion bei der Sanierung der Berliner Staatsoper Unter den Linden (Foto: dpa)
Die Staatsoper Unter den Linden soll 2017 wieder öffnen.

Flimm gilt als einer der profiliertesten Intendanten

Der bisherige Intendant Jürgen Flimm hat seinen Posten an der Berliner Staatsoper seit September 2010 inne. Er unterschrieb damals einen Vertrag über fünf Jahre. Flimm kam 1941 in Gießen zur Welt und wuchs in Köln auf. Er gilt als einer der profiliertesten Intendanten und Regisseure sowohl am Theater als auch an der Oper. Flimm leitete von 1979 bis 1985 das Schauspiel Köln, war anschließend bis 2000 Intendant des Thalia Theaters Hamburg. Im selben Jahr inszenierte er Wagners "Ring der Nibelungen" in Bayreuth.

Von 2001 bis 2005 war Flimm Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele. Nach dreijähriger Intendanz der Ruhrtriennale kehrte er nach Salzburg zurück, wo er von Oktober 2006 bis zu seinem Weggang nach Berlin als Intendant der Festspiele fungierte.

Mit Beginn von Flimms Intendanz begann auch die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden, deren zu erwartende Kosten vom Senat immer wieder nach oben korrigiert worden sind. Gastspielstätte ist seit Herbst 2010 das Schiller-Theater in der Bismarckstraße. Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Staatsoper ist seit 1992 Daniel Barenboim.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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