Udo Lindenberg tritt am 14.07.2015 in Berlin im Rahmen seiner "Panikparty"-Tour auf . (Quelle: dpa)
Audio: Inforadio | 15.07.2015 | Hendrik Schröder

Konzertkritik: Udo Lindenberg - Seine Show fährt alles auf, was geht

Seit Udo Lindenbergs Comeback mit dem Album "stark wie zwei" vor sieben Jahren scheint der selbsternannte Panikpräsident populärer denn je. Am Dienstagabend spielte Udo Lindenberg im Berliner Olympiastadion das wahrscheinlich größte Konzert seiner Karriere. Hendrik Schröder war dabei.

Am Anfang schwebt Udo Lindenberg auf einer Plattform an einem Drahtseil hängend quer durch das Stadion und landet auf der Bühne. Dabei singt er "Odyssee" und grinst. Ein Bild für die Ewigkeit. Das Panikorchester hinter ihm ist um einige jüngere Burschen erweitert, ansonsten aber in Ehren ergraut und so eingespielt, dass sich die Musiker kaum anschauen müssen und die Menge trotzdem mal umhauen, mal rühren.

Gefühlte 10 Tänzerinnen in immer neuen Kostümen fegen über die Bühne und sind neben Udo, vor ihm, hinter ihm, einmal liegt er gar auf einer, die sich gerade von einem haushoch über der Bühne baumelnden Ring abgeseilt hat. Bei Gerhard Gösebrecht hievt ein Kran ein Ufo in die Luft, die Tänzerinnen springen als Außerirdische verkleidet heraus. Plötzlich kommt Helge Schneider, spielt ein Saxofon Solo, dann singt Jan Delay einen Song Arm in Arm mit Lindenberg, Otto Waalkes schaut vorbei, Max Herre, Adel Tawil, ein Kinderchor marschiert auf - wie ein Familientreffen sieht das alles aus. So geht es die ganze Zeit: Udo steht derweil nie still und seine Show fährt alles auf, was geht.

Viele jüngere Fans im Publikum

Kaum zu glauben, dass dieser Udo Lindenberg vor einigen Jahren noch als abgeschrieben galt. Aufgedunsen war er, seinen Plattenvertrag hatte er verloren, tingelte mit seinen alten Hits durch halbvolle Hallen. Und jetzt? Jetzt stehen geschätzte 50.000 Menschen im Olympiastadion Kopf. Drei Stunden dauert das Konzert und Udo tigert ohne Pause rastlos über seine Bühne. Mittlerweile ist er 69, die Haut faltig, die Stimme zigarrenrauchertief - aber so eine Kraft, eine Ausdauer, so eine Tiefe. Bei "Wozu sind denn dann Kriege da" haben die Fans Tränen in den Augen.

Selbstironisch und ernst

Einen neuen Song spielt er auch, eine berührende Nummer über das Schicksal einer geflüchteten Frau, der er seine Freundschaft anbietet . Er macht bitterböse Ansagen über die Machenschaften der Waffenindustrie, wettert gegen Neonazis und Intoleranz und küsst jeden auf der Bühne, der gerade neben ihm steht, dann wirft er sich auf den Rücken und singt weiter. Was für ein genialer Vogel. Im Publikum sind auffallend viele jüngere Fans, um die 20, 30 Jahre alt - die stehen da mit offenem Mund, so einen haben sie noch nicht gesehen.

Udo Lindenberg schafft es, gleichzeitig diese Kunstfigur mit Hut und Schnoddersprech zu sein, die er geschaffen hat, selbstironisch, sein eigenes Klischee - und vermittelt dabei dennoch in einem riesigen Stadion das Gefühl: Ich bin da. Ich mein das ernst. Ich gebe alles. Ich bin Euer Udo. Vor den Zugaben will der Jubel nicht enden. "Udo, Udo" rufen die Leute. Der nimmt seine Brille ab und weint vor Rührung. Dann Feuerwerk und Schluss. Das war die Show des Jahres - mindestens. 

Der rbb ist mit radioberlin Medienpartner von Udo Lindenbergs "Panikparty 2015".

Beitrag von Hendrik Schröder

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.