Im Rahmen der Berlin Art Week 2015 findet die Messe "abc art berlin contemporary" statt. (Quelle: Berlin Art Week/©Marco Funke)

Interview | 4. Berlin Art Week gestartet - Gucken, kaufen und Champagner schlürfen

Dass Berlins Kunstszene vielfältig ist, hat sich herumgesprochen. Wie viel zeitgenössische Kunst tatsächlich hier zu sehen ist, will die Berlin Art Week zeigen. Mit dabei ist auch Kunst-Bloggerin Anika Meier. Sie erzählt im Interview mit rbb online, welche Highlights sie sich nicht entgehen lässt und wie Besucher sich am besten durch das Programm manövrieren.

rbb online: Die Berlin Art Week geht in die vierte Runde. Für alle, die noch nie dabei waren: Was ist das Besondere an der Kunstwoche?

Anika Meier: Es ist eine Kunstwoche, in der man sich durch unzählige Galerien und Museen in Berlin treiben lassen kann. Für die Kunsthäuser selbst ist es nach Ende der Sommerferien gleichzeitig der Startschuss in die neue Saison. Deshalb starten bei der Art Week in den Galerien viele neue Ausstellungen, es gibt Performances zu sehen, zwei Kunstmessen, Konzerte und Buchpräsentationen. Und weil Berlin ein bisschen größer ist als zum Beispiel Hamburg, wo ich wohne und ein ähnliches Kunstevent an einem einzigen Wochenende durchgezogen wird, geht die Veranstaltung gleich eine ganze Woche.

Ähnliche Kunst-Events gibt es in Deutschland und international einige. Die Art Basel oder die Art Cologne sind nur zwei der bekannteren. Wie reiht sich da Berlin mit seiner Woche für zeitgenössische Kunst ein?

Für die Kunstszene ist Berlin schon immer sehr wichtig gewesen, hier leben wahnsinnig viele Künstler, die auf eine entsprechende Infrastruktur, also Räume und Netzwerke zurückgreifen können. Das haben andere Städte einfach nicht, vor allem nicht in Deutschland.

Das zeigt sich auch beim übergeordneten Thema "Stadt/Bild" in diesem Jahr, für das sich mehrere Institutionen wie die Berlinische Galerie, die Neue Nationalgalerie oder das KW Institute for Contemporary Art zusammengeschlossen haben. Diese Häuser haben Künstler gebeten, sich mit Zukunftsfragen der Stadt zu beschäftigen, und präsentieren die Resultate dazu in ganz eigenen Schauen. Allein diese Kooperation zeigt den Unterschied zum Beispiel zu Köln, wo zur Art Cologne die meisten von außen kommen. Berlin hat für Künstler institutionell viel mehr zu bieten und einfach viel bessere Strukturen. Und das kann die Stadt bei der Art Week auch zeigen.   

Andererseits hört man von den Kunstexperten immer wieder, dass Berlin bei den Käufern klar hinterher hängt. Wieso zieht die Stadt so wenig internationale Kunstsammler an?

Berlin war nie ein Ort des Geldes. Die Messen in Köln und Basel haben eine sehr lange Tradition und haben sich als Verkaufsmessen etabliert. Ich selbst habe keine Galerie und baue auch keine private Kunstsammlung auf, sodass mich an der Art Week vielmehr interessiert, was sie für die normalen Besucher zu bieten hat. 

Sie werden auch in diesem Jahr bei der Berlin Art Week dabei sein und für ihr Kunstblog "Artefakt" berichten. Welche Events sind für Sie die Highlights?

Ich werde natürlich über die "ABC"-Messe (Art Berlin Contemporary) laufen, um zu sehen, was die Galerien und ihre Künstler derzeit machen. Dann freue ich mich auf die Ausstellung "The Clinic" von Juergen Teller, der zuletzt in einer österreichischen Klinik war, um sich einem Gesundheitsprogramm zu unterziehen - inklusive Nordic Walking. Die Galerie "Contemporary Fine Arts" zeigt nun Tellers Bilder und gibt uns damit Einblicke in solch einen Klinikalltag.

Ein Highlight ist natürlich die Ausstellung von Cindy Sherman im "me Collectors Room", die mit ihren meist überzeichneten Bildern zu den bekannteren Künstlern zählt. Ich empfehle auch, ein bisschen raus zu fahren, denn im Haus am Waldsee in Zehlendorf werden Arbeiten der Bildhauerin Alicja Kwade gezeigt. Für ihre Installationen hat Kwade, die Bildende Kunst an der Universität der Künste in Berlin studiert hat, schon mehrere Preise bekommen.

Außerdem freue ich mich auf eine spezielle Veranstaltung der Berlinischen Galerie für Instagram-Nutzer. Die Galerie zeigt schon seit längerem die Ausstellung "Radikal Modern" mit Stücken zur Architektur der Berliner Nachkriegsmoderne. Und genau diese Architektur kann man sich beim so genannten "Instawalk" direkt vor Ort anschauen. Für die Führung, die am frühen Samstagnachmittag am Alexanderplatz starten soll, muss man sich aber vorher anmelden.

Insgesamt gibt es bei der Berlin Art Week mehr als 50 Ausstellungen und 100 Veranstaltungen. Für den normalen Besucher ist das ja überhaupt nicht zu schaffen. Haben Sie einen Geheimtipp, wie Neulinge für sich das Meiste aus der Kunstwoche herausholen können?

Das kommt darauf an, was man will. Man sollte wohl vorher einen Blick ins Programm werfen und dann entscheiden, ob man zu einer Eröffnung gehen will. Die sind zwar oft überlaufen, kosten aber auch nichts. Andererseits kann man sich auch vollkommen treiben lassen. Und auf Instagram wird man hoffentlich einiges von der Art Week zu sehen bekommen, so dass man vielleicht noch die ein oder andere schöne Ausstellung entdecken und spontan besuchen kann.

Generell gilt: Wer ein bisschen die Atmosphäre der Kunstwoche mitnehmen will, vielleicht einen Drink zu sich nehmen möchte, mit Leuten ins Gespräch kommen und Netzwerken will, nimmt eine oder zwei Eröffnungen mit. Wer wirklich die Kunst sehen will, geht besser einen Tag nach der Eröffnung und schaut sich die Exponate ganz in Ruhe an. Und wer sich für den Kunstmarkt interessiert oder Kunst kaufen möchte, für den gibt es gleich zwei Messen: Die "Art Berlin Contemporary" in der Station Berlin und die "Positions" in der Arena.

Das Interview führte Thomas Blecha

Eine Stadt wird zum Ausstellungsraum

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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