Die Arena am Ostbahnhof feiert die Sieger mit einer Lichtshow (Quelle: Riot Games)

Computerspielturnier bringt eine Million Dollar Preisgeld - League of Legends hat einen neuen Weltmeister

Die Sieger wurden gefeiert wie es sich für echte Weltmeister gehört: Riesenjubel, Lasershow, drängelnde Fotografen und ein großer silberner Pokal. Im südkoreanischen Duell des League of Legends World Championship siegte am Ende das favorisierte Team von SK Telecom. Von Jakob Rüger

Es war ein durchaus spannendes Finale in dem sich der Favorit am Ende durchsetzte. SK Telecom verlor im  gesamten Verlauf des Turniers bis zu den Finalspielen nicht ein einziges Match. Ein unbezwingbarer Riese - und so schlugen sich die Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof zu großen Teilen auf die Seite des Underdogs KOO Tigers.

Doch die erlaubten sich immer wieder kleine Fehler, die SK Telecom sofort bestrafte. Nur in Runde 3 hatte KOO durch einen chaotischen Spielstil das stets weit vorausplanende Team SKT aus dem Konzept gebracht. Es reichte am Ende nicht. SK Telecom darf sich über eine Million US Dollar Preisgeld freuen. Für die KOO Tigers bleiben immerhin noch 250.000 Euro als Trostpreis und ein dicker Applaus von den Zuschauern.

In zwei Halbkreisen sitzen sich die Spieler beim Finale der League of Legends gegenüber (Quelle: Riot Games)
In zwei Halbkreisen sitzen sich die LoL-Teams gegenüber

Menschen, die auf Gamer starren

17.000 waren in die Halle am Ostbahnhof gekommen. In wenigen Minuten war das Event restlos ausverkauft. Die Hallenbetreiber sprechen von Dimensionen wie bei U2-Konzerten. Am Eingang bekamen die Zuschauer blau und rot leuchtende Armbänder - die Farben des League of Legends Spiels. Die Farbtupfer gaben auf den Tribünen der abgedunkelten Halle ein beeindruckendes Bild.

In der Mitte der Arena stand die große Bühne, dort saßen sich die beiden Teams mit ihren fünf Spielern gegenüber. Auf riesigen HD-Leinwänden konnten die Zuschauer das Geschehen in der virtuellen Welt verfolgen. Während der Partien herrschte auf den Gängen der Arena gähnende Leere. Dafür schauten die Mitarbeiter immer wieder interessiert auf die Bildschirme im Umlauf und versuchten das Rollen- und Strategiespiel zu verstehen.

Ein Spieler des Siegerteams SK Telecom (Quelle: Riot Games)
Headset, Schreibtisch, kein Tageslicht: Sport aus Sicht der Riot Games

Computerspieler als sportliche Stars

Das Ziel von League of Legends ist eigentlich einfach erklärt: Es gibt zwei Basen (Burgen) und die Aufgabe ist es, die Burg des Gegners zu zerstören. Dafür schlüpft man in die Rolle von 125 Charakteren, die alle eine besondere Fähigkeit haben. Rund 27 Millionen Menschen spielen das Online-Spiel weltweit jeden Tag. Für die amerikanische Computerspiel-Entwicklungsfirma Riot Games ein riesiger Erfolg.

2009 gründete die Firma eine eigene Liga und spielte einen Weltmeister aus. In nur wenigen Jahren erreichte das Finale eine Dimension wie ein Champions League Finale. In Asien werden mit League of Legends Veranstaltungen ganze Fußballstadien gefüllt. Längst sind die professionellen Gamer echte Stars ganz wie im Sport. Spieler können bis zu mehrere 10.000 Euro im Monat verdienen. Davon lässt sich sehr gut leben. League of Legends ist zum Beruf geworden und wird immer professioneller. Die Teams haben eigene Manager, Psychologen und Trainer.

Der Pokal des League of Legends-Finales (Quelle: Riot Games)
Um diesen Pokal kämpften 50 Teams aus aller Welt

Fast 350 Euro für ein Ticket in der Arena

Der Druck bei einem solchen Finale ist enorm, allein schon wegen der Medienpräsenz und weil weltweit fast 30 Millionen Menschen die Veranstaltung live verfolgen. Rund 200 Medienvertreter vor allem aus Asien waren nur dafür nach Berlin angereist. Auch auf den Tribünen ging es international zu. Für viele League of Legends Fans weltweit ist das Endspiel ein Pflichttermin, vorausgesetzt, man hat Glück und bekommt Karten.

Der deutschen League of Legends Szene dürfte das Finale einen weiteren Schub geben. Beim Public Viewing Event "The Main" in der Arena Treptow waren immerhin 3.000 Zuschauer gekommen. Auch hier waren die Tickets in wenigen Stunden ausverkauft. Die Fans feierten mit den deutschen Kommentatoren und Experten eine große bunte Party. Einige waren bereits seit acht Uhr morgens an der Arena. Viele hatten sich kostümiert und trugen Tiermützen oder selbst gestaltete T-Shirts. Dazu gab es selbstgemalte Schilder und jede Menge Krachmacher. Enttäuscht schien niemand, dass man bei der Kartenbestellung für das Finale leer ausgegangen war. 349 Euro kostete das teuerste Ticket in der Arena am Ostbahnhof.

Zwei europäische Teams im Halbfinale

In Europa wird League of Legends immer größer. Die Szene ist jung und wächst dank Youtube und den sozialen Medien. So werden die auch die europäischen Spieler immer besser. Von 50 teilnehmenden Teams schafften es zwei europäische ins Halbfinale. Dort war gegen die Südkoreaner Schluss, kein Finale mit Heimvorteil auf dem eigenen Kontinent. Aber wer weiß, vielleicht schafft schon im nächsten Jahr ein deutscher League of Legends Spieler nach 2011 mal wieder den Sprung auf die ganz große Bühne.  Dann könnte er im Scheinwerferlicht den großen Weltmeisterpokal vor Tausenden Fans in die Höhe strecken. 

Beitrag von Jakob Rüger

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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