Ein Plakat mit der Aufschrift "Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht im Babylon - Masl tov!" hängt am 07.10.2015 über dem Haupteingang des Kino Babylon in Berlin; die Türen sind mit Davidsternen besprüht (Quelle: dpa)
Video: rbb AKTUELL | 07.10.2015 | Ulli Zelle

Besitzer sprüht Davidsterne an Fenster - NS-Symbolik an Berliner Kino Babylon

Der Tarifstreit im Berliner Kino Babylon scheint zu eskalieren. Der Besitzer des Kinos hat am Mittwoch sein Haus mit Symbolen behängt, die an die Nazi-Zeit erinnern. Er wollte damit gegen einen Boykott-Aufruf seiner Mitarbeiter protestieren. Die kämpfen seit Längerem für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen.

Der Inhaber des Kinos Babylon in Berlin-Mitte hat sein Lichtspielhaus selbst mit Symbolen behängt, die an die Nazi-Zeit erinnern. Eine Sprecherin des Kinos sagte am Mittwoch auf Anfrage, der jüdische Besitzer wolle sich mit einer "Kunstaktion" gegen eine Diffamierungskampagne von Mitarbeitern zur Wehr setzen.

An dem Theater gibt es seit Monaten einen Tarifstreit zwischen Inhaber und Angestellten. Die streikenden Mitarbeiter hatten laut Sprecherin zum Boykott des Kinos aufgerufen.

Besitzer spricht von Kampagne gegen ihn

Der Besitzer sieht laut Sprecherin sich persönlich als Ziel der Kampagne und hängte ein Transparent an die Fassade mit der Aufschrift: "Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht im Babylon!". Die Türen des Kinos besprühte er mit weißen Davidsternen.

Die Mitarbeiter-Gewerkschaft Ver.di erklärte, die Aktion rücke den Streik in die Nähe von nationalsozialistischen Umtrieben. "Verdi distanziert sich von derlei Aktionen", teilte Verdi-Verhandlungsführer Andreas Köhn mit. Die Gewerkschaft forderte Timothy Grossman als Eigentümer des Kinos auf, diese Aktion "unverzüglich einzustellen". 

Der Staatsschutz des Landeskriminalamts prüft nach Polizeiangaben, ob eine Straftat vorliegt.

Streit um Stundenlöhne der Fimvorführer

Nach Angaben von Verdi gab es für die Fimvorführer des Babylon seit fünf Jahren keine Entgelterhöhung mehr. Nach Angaben der Gewerkschaft bekommen sie 9,03 Euro Stundenlohn. Gleichzeitig aber seien Eintrittspreise und Besucherzahlen deutlich gestiegen. Verdi habe daher zu Ende 2014 den Tarifvertrag gekündigt, Gespräche mit der Geschäftsführung seien aber bisher ergebnislos verlaufen. Seit 23. Juli 2015 befinden sich laut Verdi die 15 Beschäftigten des Kinos im unbefristeten Streik.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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