Während der Dreharbeiten zu DIE TRIBUTE VON PANEM - MOCKINGJAY TEIL 2 in Berlin am Flughafen Tempelhof. (Quelle: Studiocanal GmbH / Murray Close)

Spektakuläre Drehs - Traumfabrik Berlin – Hollywood in der Hauptstadt

Ob im Kino oder im Fernsehen, die Hauptstadtregion präsentierte sich in diesem Jahr von ihrer schönsten Seite - ihrer cineastischen. Das Finale der "Tribute von Panem"- Saga, der Spionage-Thriller "Bridge of Spies" oder die Agenten-Serie "Homeland": Berlin und Brandenburg sind begehrter Produktionsort für Hollywood, ein Ende nicht in Sicht. Von Anna Wollner

Schneetreiben auf der Glienicker Brücke, zwei Schlagbäume teilen die Brücke in Ost und West. Auf der einen Seite frieren ein paar Amerikaner, auf der anderen ein paar Russen. Im Hintergrund liegen Scharfschützen in Stellung. Flutlicht sucht die Brücke ab. Genau in der Mitte steht Tom Hanks und zittert. Er friert. Es herrschen eisige Temperaturen. Nicht nur im Film "Bridge of Spies – der Unterhändler", der am 26. November 2015 in die deutschen Kinos kam, sondern auch bei den Dreharbeiten im November 2014.

Regisseur Steven Spielberg und seine Crew drehten eine knappe Woche die Schlüsselszene aus ihrem Spionage-Thriller am Originalschauplatz. Für fünf Nächte war die Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam gesperrt. Nur Krankenwagen und Feuerwehr kam durch - und die Kanzlerin. Denn Angela Merkel persönlich stattete Spielberg und Hanks einen Besuch am Filmset ab.

"Es war wirklich arschkalt"

Dass das Team um die beiden Oscar-Preisträger an Originalschauplätzen drehen konnte – unter anderem noch am Flughafen Tempelhof, am Schloss Marquardt in Potsdam und in der Gedenkstätte Hohenschönhausen – war ein emotionaler Zugewinn. "Es ist natürlich ein ganz besonderes Erlebnis, Geschichte an genau dem Ort nachzuempfinden, wo sie auch stattgefunden hat", sagte Hanks auf einer Pressekonferenz im Rahmen der Europapremiere. "Die Glienicker Brücke ist genau einer dieser Orte, die ich auch als ganz normaler Tourist besucht hätte." Nur die Kälte habe ihm zu schaffen gemacht. "Die Crew war in dicke Jacken gepackt, wir dagegen hatten nur diese lächerlichen Hüte aus den Sechzigern und drei Lagen Unterwäsche. Es war wirklich arschkalt. Aber wie passend bei einem Film über den kalten Krieg!"

Drehen in der Architektur von Albert Speer

400 Mitarbeiter der Babelsberger Filmcrew waren in die Dreharbeiten involviert. Ein paar mehr waren es bei "Die Tribute von Panem – Mockingjay 1+ 2". Mehr als 500 Arbeitsplätze brachte der Dreh der dystopischen Jugendbuchverfilmung um die junge Heldin Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence). Ausschlaggebend für Berlin als Drehort war neben der professionellen Abwicklung durch das Studio Babelsberg als ausführende Produktionsfirma vor allem die Berliner Architektur aus der Zeit des Nationalsozialismus. "Wir haben nach etwas gesucht, das die Brutalität mit klassischer Architektur vereint", so Regisseur Francis Lawrence bei der Begehung der Drehorte die Stadt Berlin. Die Grundlagen des Setdesigns für das Kapitol basierten auf den Entwürfen von Albert Speers "Welthauptstadt Germania", so der Regisseur. "Damit nach Berlin zu kommen und die Originalbauten dieser Zeit als Kulisse benutzen zu können, hat perfekt gepasst."

Auch US-Serien spielen auf den Straßen Berlins

Sie alle würden nicht kommen, gäbe es nicht die Filmförderung in Form des Medienboard Berlin Brandenburg – das gilt inzwischen auch fürs Fernsehen. Seit 2015 ist auch die Förderung serieller Formate wie "Homeland" vorgesehen. Über sechs Monate verweilte das Team in der Stadt, drehte an 138 Drehtagen an mehr als 100 Drehorten in Berlin und Brandenburg: am neuen Flughafen BER, am Hauptbahnhof, in Mitte, in Kreuzberg, selbst die U55 wurde für den Dreh komplett dicht gemacht. Radelt CIA-Agentin Carrie Matthison (Claire Danes) in einer der ersten Folgen durch Amsterdam, ist sie eigentlich im Holländischen Viertel in Potsdam unterwegs. Berlin ist dabei nicht nur Drehort, sondern auch eine Hauptfigur der Serie.

Mit "Berlin Station" wird bereits die nächste amerikanische Agentenserie in Berlin und Brandenburg gedreht. Richard Armitage, Michelle Forbes und Rhys Ifans sind in den Hauptrollen, die Dreharbeiten sind bis Frühjahr 2016 geplant. Zwischendrin war Brad Pitt für den Dreh seines Netflix-Dramas "War Machine" in Berlin, und Matt Damon hat für den fünften Teil der "Bourne-Reihe" Kreuzberg unsicher gemacht - Hollywood zum Anfassen.

Beitrag von Anna Wollner

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