Kino Babylon in Berlin-Mitte (Quelle: imago)

Nach Streik und Boykottaufruf in Berlin Kino - Sechs Babylon-Mitarbeiter entlassen

Vehement hatten Mitarbeiter des Berliner Kino Babylon für höhere Löhne gekämpft, im Juli traten sie in den Streik und riefen sogar zum Boykott auf. Der Betreiber tobte. Nun sind sechs Mitarbeiter ihre Jobs los. Sie stimmten den Entlassungen zu - unter bestimmten Bedingungen.

Der Geschäftsführer des Berliner Kino Babylon, Timothy Grossman, hat offenbar sechs seiner Mitarbeiter entlassen. Wie die Berliner Zeitung unter Berufung auf Gewerkschaftskreise berichtet, haben die Betroffenen – darunter auch der Betriebsrat - ihren Entlassungen zugestimmt. Dabei seien über Verdi sozialverträgliche Konditionen über eine drei Monate dauernde Fortzahlung ihrer Bezüge bis März 2016 und die Höhe ihrer Abfindungen ausgehandelt worden.

Dem Bericht zufolge sprachen die Gekündigten von einer "einvernehmlichen Lösung". Ohnehin hätten sie sich eine Rückkehr an ihren Arbeitsplatz unter der Leitung Grossmans nicht mehr vorstellen können. Nach den vielen Konflikten und dem mehrmonatigen Streik sei das Betriebsklima nachhaltig gestört gewesen, hieß es.

Besitzer malte Davidsterne ans Kino

Seit Juli schon wurde das Kino Babylon in Mitte von einem Teil der Mitarbeiter unbefristet bestreikt. Den Angestellten ging es vor allem um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. In diesem Zusammenhang riefen sie auch zum Boykott des Kinos auf.

Der Betreiber der "Neue Babylon Berlin GmbH", Timothy Grossmann, fühlte sich dadurch diffamiert und versuchte mit allen Mitteln, gegen seine Mitarbeiter vorzugehen – unter anderem zog er vors Arbeitsgericht und forderte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärungen. Das Gericht schützte jedoch die Meinungsfreiheit der Beklagten, Grossman scheiterte.

Ein Plakat mit der Aufschrift "Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht im Babylon - Masl tov!" hängt am 07.10.2015 über dem Haupteingang des Kino Babylon in Berlin; die Türen sind mit Davidsternen besprüht (Quelle: dpa)
Davidsterne an der Front des Babylon

In die Schlagzeilen geriet Grossman, als er als Reaktion auf den Boykottaufruf seiner Mitarbeiter Davidsterne an das Kino sprühte. Eine Sprecherin des Kinos hatte daraufhin erklärt, der jüdische Besitzer wolle sich mit einer "Kunstaktion" gegen eine Diffamierungskampagne von Mitarbeitern zur Wehr setzen.

Streit um Stundenlöhne der Filmvorführer

Nach Angaben von Verdi hatte es für die Filmvorführer des Babylon seit fünf Jahren keine Entgelterhöhung mehr gegeben. Nach Angaben der Gewerkschaft bekommen sie 9,03 Euro Stundenlohn. Gleichzeitig aber seien Eintrittspreise und Besucherzahlen deutlich gestiegen.

Verdi hatte daher zu Ende 2014 den Tarifvertrag gekündigt, Gespräche mit der Geschäftsführung waren aber ergebnislos verlaufen, weshalb laut Verdi 15 Beschäftigte am 23. Juli in einen unbefristeten Streik getreten waren. Mitte Dezember wurde der Streik ausgesetzt.

Streit gab es auch mit Mit-Geschäftsführer, Tobias Hackel. Grossman hatte diesen abberufen, nachdem Hackel im November einen Insolvenzantrag gestellt hatte. Er hatte erklärt, er habe wegen der wirtschaftlichen Situation des Betriebs "keine andere Wahl". Hackel gehörten 49 Prozent der "Neue Babylon Berlin GmbH", Mehrheitsgesellschafter aber war Timothy Grossmann.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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