Christoph Waltz, Charlotte Rampling, Sir Michael Caine und Paolo Sorrentino beim Europäischen Filmpreis 2015 (Quelle: dpa / Clemens Bilan)

Verleihung des Europäischen Filmpreis in Berlin - Berliner Echtzeit-Thriller "Victoria" geht leer aus

Der Top-Favorit "Ewige Jugend" von Regisseur Paolo Sorrentino hat sich beim diesjährigen Europäischen Filmpreis durchgesetzt und ist am Samstagabend in Berlin als bester Film ausgezeichnet worden. Der ebenfalls nominierte Berlin-Thriller "Victoria" ging hingegen leer aus. Doppelt freuen konnten sich gleich zwei britische Ehrenpreistäger.

Die Europäische Filmakademie (EFA) hat zum 28. Mal den Europäischen Filmpreis verliehen. Dabei wurde die Tragikomödie "Ewige Jugend" als bester europäischer Film ausgezeichnet. Mit fünf Nominierungen war der Film des italienischen Regisseurs Paolo Sorrentino klarer Favorit des Abends und konnte mit drei Preisen dieser Rolle auch gerecht werden. In der skurile Tragikomödie spielt Sir Michael Caine einen gealterten Stardirigenten, dem seine ruhige Pensionierung nicht vergönnt ist. Dafür wurde Caine auch als bester Schauspieler geehrt. Den dritten Preis bekam der Film in der Kategorie Beste Regie.

Paolo Sorrentino gewinnt mit "Ewige 'Jugend" beim 28. Europäischen Filmpreis (Quelle: dpa / Clemens Bilan)
Gewinner des Abends: Der italienische Regisseur Paolo Sorrentino räumt mit "Ewige Jugend" drei Preise ab.

Die deutschen Hoffnungsträger gingen hingegen allesamt leer aus: Sebastian Schippers erfolgsverwöhnter Berlin-Thriller "Victoria" war drei Mal nominiert - in den Kategorien bester Film, beste Darstellerin (Laia Costa) und bester Regisseur (Sebastian Schipper). Doch am Ende hatte es für den in nur einer einzigen Kameraeinstellung gedrehten Echtzeit-Film nicht gereicht. Auch der deutsche Schauspieler Christian Friedel, der für seine Rolle in Oliver Hirschbiegels "Elser" ("13 Minutes") nominiert war, musste sich "Ewige Jugend"-Hauptdarsteller Michael Caine geschlagen geben.

Als beste Komödie wurde der Film mit dem längsten Titel im Wettbewerb ausgezeichnet: "Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach" vom schwedischen Regisseur Roy Andersson. Der skurille schwedische Film hatte bereits bei den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen bekommen. In der Kategorie Dokumentarfilm gewann "Amy" von Asif Kapadia (Großbritannien) über die jung gestorbene Sängerin Amy Winehouse. Der Preis für das beste Drehbuch bekamen Yorgos Lanthimos und Efthimis Filippou für ihren Science-Fiction-Film "The Lobster", der in Berlin kürzlich erstmals auf dem Festival "Around the World in 14 Films" zu sehen war.

Ehrenpreisträger sichtlich gerührt

Schon bereits vor der Gala standen die Ehrenpreisträger fest: Der 82-jährige Schauspieler Michael Caine erhielt den Preis des Präsidenten der Europäischen Filmakademie und des Akademie-Vorstands. Diese Auszeichnung wurde laut EFA in der fast 30-jährigen Geschichte des Filmpreises bislang nur zweimal vergeben - und zwar an EFA-Gründungsmitglied Manoel de Oliveira und an den französischen Schauspieler Michel Piccoli.  

Christoph Waltz konnte sich ebenfalls über einen Ehrenpreis freuen. Der gebürtige Wiener, der mit seinen Rollen in "Inglourious Basterds" sowie "Der Gott des Gemetzels" zu internationalem Ruhm gelangte, bekam die Auszeichnung für seinen Beitrag zum Weltkino verliehen - und nahm sie genau wie Michael Caine sichtlich gerührt entgegen.

Der dritte Ehrenpreis ging an die britische Schauspielerin Charlotte Rampling für ihr Lebenswerk. Rampling wurde zugleich als beste Darstellerin 2015 geehrt (für Andrew Haighs "45 Years", der ihr schon den Silbernen Bären auf der diesjährigen Berlinale beschert hatte). Ihr wurde damit dieselbe doppelte Ehre zuteil wie ihrem Landsmann Michael Caine, der ebenfalls zusätzlich neben dem Ehrenpreis noch den Darstellerpreis erhielt.

Die Gewinner

  • Bester Film | EUROPEAN FILM

  • Bester Schauspieler | EUROPEAN ACTOR

  • Beste Schauspielerin | EUROPEAN ACTRESS

  • Bester Regisseur | EUROPEAN DIRECTOR

  • Bestes Drehbuch | EUROPEAN SCREENWRITER

  • Bester Kurzfilm | European Short Film

  • Bester Animationsfilm | European Animated Feature Film

  • Bester Nachwuchsfilm | European Discovery | Prix Fipresci

  • Beste Dokumentation | EUROPEAN DOCUMENTARY

  • Beste Komödie | EUROPEAN COMEDY

  • Beste Kamera | EUROPEAN CINEMATOGRAPHER | Prix CARLO DI PALMA

  • Ehrenpreis für das Lebenswerk | EFA LIFETIME ACHIEVEMENT AWARD

  • Ehrenpreis für Beitrag zum Weltkino | EUROPEAN ACHIEVEMENT IN WORLD CINEMA

  • Ehrenpreis der Europäischen Filmakademie | Honorary Award

  • Weitere Kategorien

"Mehr als nur schöne Bilder"

Nachdem die Preise im vergangenen Jahr in der lettischen Hauptstadt Riga - die zum damaligen Zeitpunkt auch Kulturhauptstadt Europas war - verliehen wurden, kehrte das Event zurück nach Berlin. Zur Verleihung im Haus der Berliner Festspiele hatten sich mehr als 900 Gäste aus der Filmbranche versammelt.

Moderiert wurde die Show vom deutschen Comedian Thomas Hermanns, der zu
Beginn den Galaabend mit der Losung eröffnete, dass das europäische Kino mehr sei als nur schöne Bilder - sondern vor allem politisch und ambitioniert. Auch EFA-Präsident Wim Wenders nutzte einen seiner ersten Auftritte für ein politisches Statement. "Wir Filmemacher müssen uns erheben und müssen uns daran erinnern, dass noch nie etwas Gutes aus Angst entstanden ist", sagte Wenders mit Hinblick auf die aktuellen politischen Konflikte und Bedrohungen wie in Paris.

Preise in den Unterkategorien

Als bester Kameramann wurde der Österreicher Martin Gschlacht ausgezeichnet, der die Filmakademie mit seiner Arbeit in dem Horrorfilm "Ich seh, Ich seh" überzeugte. Der Preis für den besten Schnitt ging an Jacek Drosio für den polnischen Film "Body". Die Auszeichnung für das beste Szenenbild bekam Sylvie Olivé für die Komödie "Das brandneue Testament".

Für das beste Kostümbild wurde die Britin Sarah Blenkinsop für "The Lobster" geehrt. Die beste Filmmusik kam von der britischen Band Cat's Eyes für die britisch-ungarische Produktion "The Duke of Burgundy", das beste Sounddesign von Vasco Pimentel und Miguel Martins für "Arabian Nights - Vol. I-III" (der ebenfalls kürzlich beim Festival "Around the World in 14 Films" zu sehen war). Der so genannte European Co-Production Award ging unterdessen an Andrea Occhipinti ("Das weiße Band", "Das Meer in mir").

Preisträger werden von EFA-Mitgliedern bestimmt

Der Europäische Filmpreis wird seit 1988 von der Europäischen Filmakademie abwechselnd in Berlin und anderen europäischen Großstädten verliehen. Akademiepräsident ist Regisseur Wim Wenders, Vorsitzende des EFA-Ausschusses die polnische Regisseurin Agnieszka Holland. Gewählt werden die Preisträger - mit Ausnahme der Publikumspreise - von den rund 3.000 EFA-Mitgliedern. Die Auszeichnung soll die Vielfältigkeit des europäischen Films würdigen und die Aufmerksamkeit auf neue Filmtalente in Europa lenken, so die Akademie.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

Das könnte Sie auch interessieren

Tom Courtenay und Charlotte Rampling sowie Regisseur Andrew Haigh während der 65. Internationalen Filmfestspiele (Quelle: Britta Pedersen/dpa)

"45 Years" | Wettbewerb - Die Liebe und ihre Zumutungen

Kate und Geoff müssen kurz vor dem 45. Hochzeitstag ihre Beziehung neu justieren, als mehr als 50 Jahre nach ihrem Tod die Leiche von Geoffs früherer Freundin gefunden wird. Andrew Haigh hat aus dieser Grundidee einen berührenden, aber niemals kitschigen Film gemacht - mit einer umwerfenden Charlotte Rampling in der Hauptrolle. Von Fabian Wallmeier