Auch der Schlosspark Sanssouci wurde in weiten Teilen von Gartendirektor Peter Joseph Lenné gestaltet. (Quelle: dpa)
Vidoe: Abendschau | 23.01.2016 | Julia Baumgärtel

150. Todestag des Landschaftsarchitekten - Die weiten Schwünge und klaren Linien des Peter Joseph Lenné

Ein Rheinländer hat den Preußen ihre schönsten Parks und Grünanlagen erschaffen. Der Landschaftskünstler Peter Joseph Lenné ist der Erfinder vom Schlosspark Sanssouci, dem Tiergarten oder der Pfaueninsel. Dabei hatte der Visionär selbst nie einen eigenen Garten.  

Peter Joseph Lenné war zu Lebzeiten ein sehr gefragter Mann. Er hat so viele Gärten und Parks gestaltet, dass er weder Zeit dafür hatte, ein Lehrbuch zu schreiben, noch von seinen Begegnungen mit Goethe, Schinkel oder Kleist der Nachwelt zu berichten. Seine Liste an Arbeitsproben ist beachtlich. Den Park von Schloss Sanssouci hat er erweitert, die Pfaueninsel in der Havel gestaltet oder den Berliner Tiergarten entworfen mit der Idee, einen Park für das Volk zu schaffen. In Zusammenarbeit mit dem Baumeister Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) entstand auch die Anlage am Schloss Charlottenhof.

Büste von Peter Joseph Lenné im Zoologischen Garten Berlin ; Foto: © imago/Metodi Popow
Lenné-Büste im Berliner Tiergarten

Clever in der Geld-Beschaffung

Seine Spuren hat er in vielen deutschen Städten wie Koblenz oder Magdeburg hinterlassen, obwohl er eigentlich zwei preußischen Königen diente: erst Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) und dann dem Sohn Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861). Dabei zeigte er sich besonders clever in der Geld-Beschaffung für seine Projekte.

"Er traute sich und bekam meist auch das Geld, was er brauchte", so Landschaftsarchitekt und Hochschullehrer Klaus Neumann von der Lenné-Akademie. Waren dem Monarchen die Projekte zu teuer, zeichnete Lenné die Pläne auf kleineren Blättern. Die Ausgaben schienen dann nicht mehr so hoch. "Der König wusste schon, was gespielt wurde", sagt Neumann. Aber als Gartenliebhaber ließ sich Friedrich Wilhelm IV. denoch oft überzeugen.

Paradies für Fürsten und Parks fürs Volk

Lenné erkannte den Zusammenhang zwischen Gartenkultur und -erhaltung, berichtet der Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Michael Rohde. Sein Verdienst in Preußen war auch die Gründung eigener Baumschulen und Gärtnereien. Damit hatte er die Pflanzen, die er zur Verwirklichung seiner Ideen brauchte, immer verfügbar. Auch die heutige Deutsche Gartenbaugesellschaft ist ihm zu verdanken. Er hat seiner Zunft viele Gefallen getan: den ersten deutschen Gartenverein mitgegründet, die "Königliche Gärtnerlehranstalt" als erste Fachhochschule noch vor den Engländern ins Leben gerufen sowie eine Landesbaumschule in Potsdam etabliert.

Die Berliner und Brandenburger können sich bei ihm für die vielen Platanen und blühenden Sträucher bedanken, die noch heute die Landschaft prägen. Christa Hasselhorst, die ein Buch über Lenné verfasst hat, nennt ihn ein "Genie in Beamtenuniform, der private Paradiese für Fürsten und Volksparke für schlichte Bürger entworfen hat."

Eine Herausforderung für die Erhaltung der Parks ist nach Ansicht des Gartendirektors der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Michael Rohde, der Klimawandel. "Wir wollen ein Forschungsprogramm, wir müssen ein Forschungsprogramm haben. [...] Wir brauchen die Beantwortung der Frage, ob die Pflanzen wochenlange Hitze und Trockenheit überstehen, auch bei neuen Schädlingen", sagte Rohde am Samstag im rbb-Inforadio. "Wir müssen sehen, wie wir die Schönheit der Lennéschen Gärten bewahren können."

Lehrjahre in England und Frankreich

Lenné entstammte einer rheinländischen Gärtnerfamilie. Im Gärtnerhaus am Kurfürstlichen Schloss in Bonn wurde er am 29. September 1789 als Sohn des leitenden Hofgärtners Peter Joseph Lenné des Älteren geboren. Die Familie Le Neu stammte aus der Gegend von Lüttich und war 1665 ins Rheinland gekommen. Seit 1699 nannte sie sich Lenné.

Schon als Gymnasiast erhielt er Unterricht in Botanik. Nach der Schule ging er bei einem Onkel in die Gärtnerlehre, bevor ihn sein Vater auf Studienreisen schickte. Bei den Brüdern André und Gabriel Thouin in Paris lernte er exotische Pflanzen und die geschwungene Wegeführung der Landschaftsgärten kennen. Die Engländer Humphry und John Adey Repton brachten ihm die Kunst nahe, formale Elemente wieder in den Landschaftsgarten einzubeziehen.

Sichtschneisen sind sein Markenzeichen

Im Februar 1816 begann Lenné seine Karriere als Gehilfe in den königlichen Gartenanlagen in Potsdam, wo er bis zu seinem Tod 50 Jahre später blieb. Einer seiner ersten Aufträge war die Umgestaltung des Parks von Schloss Glienicke an der Grenze zwischen Berlin und Potsdam. 1824 stieg er zum Gartendirektor auf.

Weit mehr als 100 Garten- und Parkanlagen hat Lenné im Stil englischer Landschaftsgärten mit charakteristischen Sichtachsen geplant. Er schnitt alte Zöpfe ab und prägte eine ganz eigene Ästhetik. Er hatte klare Vorstellungen, wo Bäume stehen sollen, um Schatten zu spenden und wo es Sichtschneisen geben sollt, die dem Auge kaum Grenzen zeigten. Sein Stil unterschied sich damit deutlich von anderen berühmten Garten-Bauern seiner Zeit, etwa Friedrich Ludwig Sckell, Schöpfer des Englischen Gartens in München oder Hermann Fürst von Pückler-Muskau, der sich der weitläufigen Landschaft verpflichtet hatte.  

Berlin aus der Luft - Pfaueninsel, Quelle: picture-alliance/ dpa
Die Pfaueninsel hat Lenné umgestaltet und weiterentwickelt - sein Werk wirkt bis heute nach

Metallener Lorbeerkranz zur Beerdigung

Lenné beließ es allerdings nicht bei Gärten und Parks. Auf seine alten Tage griff er in die Stadtplanung ein, indem er den schon geplanten Landwehrkanal bauen ließ, Plätze und Grünflächen entwarf. Die Berliner nannten ihn sodann "Buddelpeter". Bei so vielen Aufträgen gönnte er sich selbst keinen eigenen Garten. Ihm fehlte auch die Zeit für schriftliche Aufzeichnungen über seine Begegnungen mit Goethe, Kleist, Schinkel oder Herder.

Nahezu zeitgleich mit seinem 50. Dienstjubiläum verstarb Lenné an einem Gehirnschlag. Vor seinem Sarg wurde zur Beerdigung ein Lorbeerkranz aus Metall getragen, der eigentlich zu seinem Dienstjubiläum hergestellt worden war. Auf allen 50 Metallblättern stand jeweils ein Name eines von ihm geschaffenen Gartens oder Park. Er wurde auf dem Bornstedter Familienfriedhof in Potsdam begraben. Sein Grab ist heute vollständig mit Efeu überwachsen.  

Ein Brunnen des Schlosses Glienicke mit goldenen Löwenfiguren (Quelle: dpa)
Einer der ersten Aufträge Lennés war die Umgestaltung des Parks von Schloss Glienicke an der Grenze zwischen Berlin und Potsdam

Lenné-Jahr mit Ausstellungen, Führungen und einer Preisverleihung

Zum 150. Todestag von Lenné wird in Berlin und Brandenburg mit verschiedenen Veranstaltungen an den preußischen Gartenarchitekten erinnert. Am Todestag, dem 23. Januar, lädt der Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf zu einem Festakt in das Schloss Glienicke. Anlass der Feier ist zugleich das 200-jährige Bestehen von Lennés erstem im damaligen Preußen gestalteten Park, dem Schlosspark Glienicke. Der mehr als 100 Hektar große Landschaftspark gehört zum Unesco-Weltkulturerbe Berlin-Brandenburg.

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten widmet ihm ab Mai eine Ausstellung im Schloss Caputh. Unter dem Titel "Meisterhaft wie selten einer..." werden dort Lennés Gärten jenseits der Oder zwischen Schlesien und Pommern vorgestellt, darunter im Hirschberger Tal am Fuß des Riesengebirges.

Auf dem Programm stehen auch Führungen und Lesungen an verschiedenen Orten. Das Lenné-Jahr endet im November mit der Verleihung des Peter-Joseph-Lenné-Preises des Landes Berlin.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

Das könnte Sie auch interessieren

Die Journalistin Carolin Emcke (Foto: Andreas Labes)

Publizistik - Carolin Emcke erhält Friedenspreis des Buchhandels

Sie berichtet seit Jahren über Konflikte, Krisen und Kriege und hat in zahlreichen überregionalen Medien publiziert. Nun erhält die Berliner Journalistin Carolin Emcke den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels - und damit eine der höchsten Würden der deutschen Publizistik.