David Bowie 1976 auf der Bühne (Quelle: imago/ZUMA/Keystone)
Audio: Radio Berlin | 11.01.2016 | Interview mit Tim Renner | Kirsten Buchmann

Interview | Kulturstaatssekretär Tim Renner zum Tod von David Bowie - "Ein Vorbild ist verschwunden"

"Am liebsten würde ich jetzt auf dem Weg zur Arbeit umkehren, mich zu Hause einschließen und seine Platten hören" - so reagierte Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner am Montag auf den Tod David Bowies. Im Interview spricht er über persönliche Momente mit der Poplegende - und warum Bowies vorletzte Platte seinen Tod schon erahnen ließ.

Herr Renner, der britische Sänger David Bowie ist am Sonntag gestorben, er litt an Krebs. Ihre Trauer darüber haben Sie auf Facebook öffentlich gemacht, dort haben Sie geschrieben: "Am liebsten würde ich jetzt auf dem Weg zur Arbeit umkehren, mich zu Hause einschließen und seine Platten hören." Welche Platte hätten sie denn zuerst aufgelegt?

Ich hätte als erstes wahrscheinlich "Lodger" aufgelegt, weil das nach wie vor meine Lieblingsplatte von Bowie ist. Aber als zweites gleich "Where are we now" - seine vorletzte Platte - wo er schon düster ahnt, dass der Tod nahe ist.

Was werden Sie an Bowie am meisten vermissen?

Er war ein Vorbild für die gesamte Musik und darüber hinaus. Er war ein Mensch, der immer wieder gezeigt hat, dass man gegen den Strom schwimmen und dabei dennoch Stil und Würde bewahren kann. Dass man nicht laut sein muss, wenn man etwas anderes sagen will. Er war ein Mensch, der auch Mut gemacht hat. Er hat gezeigt, wie sehr man sich in seinem Stil wandeln und trotzdem treu bleiben kann. Für mich ist ein Vorbild verschwunden.  

Für Ihren persönlichen Stil war er offenbar auch ein Vorbild. In den 1980ern trugen Sie selbst mal Bowie-Haartolle und Bowie-Kleidung.

Ja, er war damals sehr wichtig für mich. Ich erinnere mich an einen persönlichen Bowie-Moment: Mit 15 bin ich zum ersten Mal alleine nach Berlin gefahren, um Interviews mit Musikern der Neuen Deutschen Welle zu machen. Als die Grenzkontrolle das Zugabteil betrat, habe ich absichtlich "Helden" gespielt, sehr zum Schreck der Mitreisenden.

Im Mai 2014 zeigte der Martin-Gropius-Bau die internationale Ausstellung "David Bowie". Hat es Sie berührt, die Platten, Kostüme und Instrumente zu sehen?

Das fand ich wahnsinnig spannend. Es hat mich sehr gefreut, dass die Ausstellung so gut funktioniert hat. Wir können letztendlich nur Thomas Oberender von den Berliner Festspielen dankbar dafür sein, dass er die Ausstellung aus London nach Berlin geholt hat.

Wie reagieren Sie als Kulturstaatssekretär auf Bowies Tod? Wird es an seinem Wohnhaus in der Hauptstraße in Schöneberg beispielsweise eine Gedenktafel geben?

Ich habe schon eine Mail geschrieben um herauszukriegen, wie schnell eine Gedenktafel an seinem Wohnhaus in der Hauptstraße angebracht werden kann. Gedenktafeln bekommt man ja erst nach dem Leben. Insofern ist es auch jetzt erst möglich das offiziell zu machen, aber wir sollten das tun.

Wann werden Sie nach Hause fahren und die Platten auflegen?

Die Tage von Kulturstaatssekretären sind leider lang, aber sie können sich ganz sicher sein, dass bei mir in Wilmersdorf heute Nacht noch lange Bowie klingen wird.

Das Gespräch mit Tim Renner führte Kirsten Buchmann für radioBERLIN 88,8

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