Stephan Rügamer als Mozart in "Mord an Mozart". (Quelle: Vincent Stefan)
Audio: Inforadio | 28.01.2016 | Maria Ossowski

Premiere in der Staatsoper - "Mord an Mozart": Streptokokken oder Gift?

Warum starb Mozart? Wurde er möglicherweise aus Neid um sein Genie vom Komponisten Antonio Salieri vergiftet? Auf den Klassik-Krimi "Mord an Mozart" lässt sich jetzt die Staatsoper im Schiller Theater ein, mit einem Musiktheaterabend von Regisseurin Elisabeth Stöppler.

Knapp 36 Jahre alt war Wolfgang Amadeus Mozart, als er 1791 in Wien starb. Seit Jahrhunderten treibt der frühe Tod Musikliebhaber aus aller Welt um. Spekulationen über Mozarts Tod schafften es inzwischen selbst in einen Tatort - als Ermittler Dr. Karl-Friedrich Boerne, dargestellt von Jan-Josef Liefers, über eine mögliche Streptokokken-Infektion Mozarts spekuliert.

 

Das Stück "Mord an Mozart" in der Staatsoper am Schiller Theater widmet sich nun einer weiteren Theorie: dem Giftmord am Genie Mozart durch dessen Konkurrenten Salieri. Der russische Komponist Nikolai Rimski-Korsakow hat nach einer Idee von Puschkin seine kleine Oper "Mozart und Salieri" komponiert. Die hat das Team um die Regisseurin Elisabeth Stöppler zum Anlass genommen, das Verhältnis von Genie und Mittelmaß zu untersuchen: "Wir haben einen mächtigen und einen etablierten Komponisten. Salieri war ja kein schlechter Komponist und wahnsinnig erfolgreich zu seiner Zeit. Aber er hat dieses Genie nicht mehr ertragen - diesen Geist, diese Inspiration, die Mozart eben mitbringt. Das hat Salieri selber nicht und darunter leidet er."

"Mozart fliegt so hoch - er zieht uns alle herunter"

Stöppler arbeitet in ihrer Inszenierung von "Mord an Mozart" mit Texten von Fjodor Dostojewski, Albert Einstein und Sigmund Freud und mit Musik von Mozart, Dmitri Schostakowitsch und David Robert Coleman. In der Suche um Mozarts frühen Tod geht es immer um den besonderen Menschen, das Genie, das die ungenialen Menschen verletzte, weil sie selbst so klein sind.

Doch im Stück will Salieri Mozart nicht deshalb nicht vernichten: "Salieri sagt: Mozart zieht uns alle runter. Wenn jemand so hoch fliegt, katapultiert er das Niveau in solche Sphären, dass wir alle nicht mehr mitkommen und entsprechend gehen wir unter und deshalb muss dieser riesen Ausschlag nach oben weg."

Ein feines Gewebe um das Geheimnis des Göttlichen

Mit enorm dichten, poetischen Bildern einer hinreißenden Angela Winkler - als Erzählerin - mit Dostojewskis Großinquisitor, der Jesus nicht verbrennen will, sondern entlassen muss und mit bezaubernder Musik entsteht ein feines Gewebe kluger Gedanken um das Geheimnis des Göttlichen. Für Elisabeth Stöppler bleibt Mozart am Ende unsterblich: "Er schwebt irgendwie weiter, wie Jesus auch, er ist nicht totzukriegen. Ich glaube Salieri zerbricht. Er geht unter an einer Mischung aus Hybris und Hass und auch Verneinung von Göttlichkeit."

"Mord an Mozart" ist eine bezaubernde Collage auf hohem intellektuellem Niveau. Auch wenn Salieri Mozart nicht ermordet hat - das Mittelmaß, das zeigt diese Inszenierung, wird immer versuchen, das Genie zu verhindern.

Beitrag von Maria Ossoswki

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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