Quentin Tarantino bei der The Hateful Eight Kino Premiere in Berlin. (Quelle: imago | APress)
Audio: Inforadio | 27.01.2016 | Alexander Soyez

Tarantino stellt "The Hateful Eight" in Berlin vor - "Ich will meinen Platz in der Filmgeschichte"

Der US-Kultregisseur Quentin Tarantino hat sich ein klares Ziel gesetzt. Zehn Filme will er in seinem Leben drehen, nicht mehr. Der achte - "The Hateful Eight" - feierte jetzt in Berlin Premiere. Bevor Tarantino als Regisseur also in Rente geht, hat Alexander Soyez ihn getroffen und über Filmformate, Rassismus und seinen baldigen Ruhestand gesprochen.

"The Hateful Eight" ist – wie der Name schon vermuten lässt – Tarantinos achter Film. Aber nach "Django Unchained" erst sein zweiter Western. Der jüngste Tarantino-Streifen feierte am Dienstag im Zoo-Palast in Berlin Premiere. Das Kino zeigt den Film analog im extrabreiten fast vergessenen 70mm-Format.  

Ein Platz neben den ganz Großen

Die Ursprungsidee für "The Hateful Eight" war eine Westernversion des Films "Reservoir Dogs", so Tarantino, jetzt sei der Film aber etwas anderes. Die wort- und gewaltreiche Suche nach einem Verräter unter ein paar Outlaws. Entstanden ist daraus sein bislang politischster Film: ein wortreiches und unterhaltsames Western-Kammer- und Krimispiel und ein unterhaltsamer Kommentar zu Rassismus und seinen Ursprüngen, mit dem sich Tarantino unvergesslich machen will: "Über Rassenverständnis und Rassismus in Amerika zu sprechen, das ist das, womit ich das Westerngenre bereichert habe. Die meisten großen Westernregisseure, die amerikanischen und die italienischen, haben das ja ausgespart - und das ist eine der Sachen, die ich hinzugefügt habe, um mir meinen Platz auf dem Regal neben den ganz Großen zu verdienen."

"Wenn man sich diese Version aussucht, gehört man mir."

Gedreht wurde "The Hateful Eight" im extrabreiten Panavision 70 Millimeter-Format. In ausgewählten Kinos ist der Film sogar in einer Roadshow-Version zu sehen, wie sie vor über 60 Jahren für Monumentalwerke reserviert war. So will Tarantino den Film zu etwas ganz Besonderem machen: "Eine Version, die so lang sein kann, wie sie es jetzt ist. Mit einer Ouvertüre, mit einer Pause nach zwei Dritteln, einem Programmheft dazu. Das macht sie zu etwas Besonderem. So ist es nicht nur irgendein Film in einem Multiplex, es ist Placido Domingo in der Pariser Oper, es ist Al Pacino auf einer Broadway Bühne in "Iceman Cometh". Es ist für die Leute, die das wollen. Man schenkt mir den Abend, wenn man sich diese Version aussucht, dann gehört man mir."

Eine Filmografie aus Klassikern

Tarantino weiß, dass er ein Ausnahmeregisseur ist und weil er das auch bleiben will, kündigt er schon seit einigen Jahren seinen Rückzug aus dem Kinogeschäft an – zehn Filme, mehr will er nicht machen – und bislang hat er sich davon nicht abbringen lassen: "Ich gehe da als Künstler heran. Es geht um meine Filmografie. Es ist nicht nur eine Karriere, mit der ich mein Geld mache und die ich solange verfolgen will wie möglich. Ich hoffe, dass meine Filmografie sich aus Klassikern zusammensetzt, die ihren Platz in der Filmgeschichte haben. Das möchte ich zu Ende bringen, das ist mein Beitrag zur Geschichte des Kinos. Danach mache ich andere Sachen, schreibe Bücher, schreibe Theaterstücke und inszeniere Stück, meine Arbeit ging sowieso immer in Richtung Literatur."

Den Western hat er mit Django abgehakt, den Samurai-Schwertkampf mit Kill Bill, das Grindhouse-Trashkino-Erlebnis mit Death Proof und jetzt hat er mit "The Hateful Eight" sogar seine eigene Roadshow auf die Leinwand gebracht. Zwei Filme stehen noch aus und da könnte er sich mindestens noch einen weiteren seiner vielen Kinoträume erfüllen: einen Stummfilm.

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Beitrag von Alexander Soyez

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