Die Komikerin Schauspielerin Entertainerin Anke Engelke (Quelle: imago/Horst Galuschka)

Interview mit Anke Engelke - "Während der Vorführung wurde geschwiegen"

Als von Ehrgeiz zerfressene Mutter in "Frau Müller muss weg" hat sich Anke Engelke den Ernst-Lubitsch-Preis 2016 für die beste komödiantische Leistung verdient. Die Auszeichnung wurde am Freitag im Berliner Babylon-Kino verliehen. Zuvor sprach sie mit dem rbb darüber, ob der Film wirklich nur zum Lachen ist.

rbb-Inforadio-Moderatorin Irina Grabowski hat mit Anke Engelke gesprochen

Frau Engelke, Sie bekommen den Preis dafür, dass Sie in dem Film "Frau Müller muss weg" eine wunderbar komödiantische Rolle verkörpert haben. Aber ich muss Ihnen ehrlich sagen: Ich habe den Film gesehen und ich wusste nicht so recht, ob ich jetzt lachen soll. Es ist so echt... Ich frage mich: Haben Sie sowas schon mal in der Realität erlebt?

Ob man nun Kinder hat oder nicht, ob man nun so eine toughe Geschäftsfrau ist, wie ich sie darstelle - losgelöst davon gibt es immer Situationen, die so echt sind oder so nah am Leben, dass man denkt: Ja, was ist denn daran jetzt lustig? Und dann stellt man fest, dass es nur ein winziger Schritt ist in den Bereich, in dem es dann zum Lachen ist. Und das ist dann nicht unbedingt ein fröhliches, entspanntes Lachen, sondern manchmal auch ein Elends-Lachen oder so ein hilfloses Lachen.

Ich war vor einer Woche in San Francisco und habe dort im Rahmen des "Berlin & Beyond"-Festivals "Frau Müller muss weg" vorgestellt – vor einem halb deutschen, halb amerikanischen Publikum. Dieses Publikum hat praktisch durchgelacht während des Films. Entweder haben die sich einfach gefreut, weil es gerade nicht so gut läuft, und dann freut man sich ja zu lachen, das ist so schön enthemmt und beruhigend, oder die fanden es tatsächlich wahnsinnig komisch. Und dann ließ ich mir aber auch sagen: Die Situation, die wir darstellen bei "Frau Müller muss weg", dass Eltern ihre Kinder so sehr vereinnahmen und so sehr über ihnen schweben, dass die Kinder kaum Bewegungsfreiheit haben ... vielleicht ist es so, dass es in Amerika noch extremer ist als hier.

Wie auch immer: Verschiedene Menschen sehen das unterschiedlich. Ich habe erlebt, dass geschwiegen wurde während einer Vorführung. Ich bin auch heute Abend sehr gespannt, der Film wird nochmal gezeigt. Ich sehe ihn dann zum vierten Mal.  

Das Interview in voller Länge

Zur Geschichte: In dem Film verbünden Sie sich mit anderen Eltern gegen die Lehrerin, weil die die Kinder streng benotet. Und das vor der Entscheidung "Gymnasium oder nicht". Also auch bei den Eltern, die da locker drauf sind, hört da der Spaß auf bei den Zensuren. Wie weit würden Sie da gehen?

Natürlich ging genau diese Diskussion auch am Set los. Wie handhabt man das, wie sehr verbündet man sich mit der Figur, die man spielt? Justus von Dohnányi hat einen völlig übergriffigen Vater gespielt, alleinerziehend und panisch. Er sagt unter anderem den genialen Satz in dem Film: "Ich habe mehr Angst vor den Zeugnissen als meine Tochter." Das ist das eine Extrem. Und Alwara Höfels zum Beispiel spielt eine Mutter, die ganz entspannt ist, weil ihr Sohn Fritz so unproblematisch ist. Ich würde mal sagen: Es gilt immer auf das Kind zu gucken, und zu schauen: Was will das Kind? Nicht: Was will der Erwachsene? Streng genommen ist es ja so, dass Erwachsene auch mal Kinder waren, und im Idealfall können sie sich daran erinnern und mal kurz überlegen: Was tat mir denn damals gut? Was mochte ich, wenn sich meine Eltern verhielten in Sachen Schule und was mochte ich nicht? Was hat mir geholfen und was nicht?

Gab es denn bei Ihnen heute Zeugnisse?

Also ich werde heute Abend ausgezeichnet, bin gerade so durchgekommen, und ich hoffe, das ist mit Sternchen. Ich hoffe auch, dass es da auch was Leckeres zu trinken gibt, also ich kann mich nicht beklagen. Vielen, vielen Dank der Nachfrage. Wie war's denn bei Ihnen? Sie hatten doch gestern Geburtstag?

Oh, da haben Sie jetzt aber was öffentlich gemacht, was eigentlich verschwiegen werden sollte (lacht).

Ach, Entschuldigung, ach Gott, da stehen die Leute jetzt schon bei Ihnen vorm Haus.

Ja, das denke ich auch, das ist so wie bei Facebook.

Facebook, Facebook? Da klingelt jetzt gar nichts bei mir.

Der Preis des Clubs der Berliner Filmjournalisten wird seit 1958 vergeben. Zu den Preisträgern gehören Dieter Hallervorden und Til Schweiger.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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