Der geborgene Kopf des 1991 demontierten Lenin-Denkmals liegt auf Europaletten im Hof der Zitadelle Spandau (Quelle: dpa)

Ausstellung zu Berliner Denkmälern in Spandau - Lenin-Kopf bald zum Streicheln nah

Das linke Ohr ist leicht lädiert, dem Schnurrbart fehlen ein paar Haare. Ansonsten ist der Berliner Lenin-Kopf nach Jahren im Untergrund tadellos. Eine Ausstellung zu Berliner Denkmälern präsentiert bald die Dreieinhalb-Tonnen-Büste in der Zitadelle Spandau, bei der man auch lernt, woher die Redewendung "Bis in die Puppen" herkommt.  

Eine große Dauerausstellung in der Zitadelle Spandau widmet sich voraussichtlich ab Ende April der Geschichte vieler Berliner Denkmäler - von der einstigen Siegesallee der Preußen bis zu eingelagerten Helden der DDR. Wie Museumsleiterin Andrea Theissen zu Jahresbeginn erklärte, ist auch der dreieinhalb Tonnen schwere Lenin-Kopf aus Granit dabei. "Wir zeigen etwa 100 originale Denkmäler oder Teile davon. Wie mit ihnen umgegangen wurde, sagt viel über deutsche Geschichte", sagte Theissen.  

Ausgebuddelt und gereinigt

Die Dauer-Schau "Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler" in der Zitadelle Spandau will entsorgte Exponate vom 18. Jahrhundert bis zur Wiedervereinigung präsentieren. Dafür wurde in einer aufwendigen Aktion das frühere Proviantmagazin der einstigen Festung umgebaut. Insgesamt kamen rund 14 Millionen Euro von der EU und aus Lotto-Mitteln.

Um den Lenin-Kopf war lange gerungen worden. Er ist Teil eines monumentalen DDR-Denkmals aus Ost-Berlin, das nach dem Mauerfall abgebaut, in mehr als 100 Teile zerlegt und am südöstlichen Stadtrand der Hauptstadt verbuddelt worden war. In einer spektakulären Aktion wurde der dreieinhalb Tonnen schwere Granitschädel im September des Vorjahres geborgen und zur Zitadelle gebracht. Der Kopf sei gereinigt worden. "Lenin ist sehr gut erhalten und bereit für die Ausstellung", sagte Theissen. Besucher sollen ihn wie die anderen Stücke der Dauerschau anfassen können.

Stelen vom Thälmann-Denkmal mit Graffitis

Zur Dauer-Ausstellung gehören den Angaben zufolge auch eine interaktive Denkmalkarte sowie eine begleitende Schau mit Texten. Der ausgegrabene Lenin-Kopf sei nicht geglättet worden. Die Schau wolle ja gerade Spuren der Vergangenheit deutlich machen. Lenin fehle ein Stück des linken Ohres, ebenso seien kleine Teile des Schnurrbarts weg. "Keines der Denkmäler sieht so aus wie zu seiner ursprünglichen Enthüllung", so die Museumsleiterin.

Es gebe Figuren mit abgebrochenen Nasen und Armen, dunkel gewordenem Marmor und Rissen. Bei zwei Stelen, die einst zum Berliner Ernst-Thälmann-Monument gehörten, seien deshalb Graffitis nicht entfernt worden. Das Riesen-Denkmal steht noch in Prenzlauer Berg.

Ein Kopf ohne Rast und Ruh

Bis in die Puppen feiern im Museum

Drei große Hallen seien für Figuren der einstigen Siegesallee im Berliner Tiergarten reserviert. "Sie stehen für die Denkmalkultur des Kaiserreiches", so Theissen. Nach Abbau und etlichen Umzügen waren die Standbilder jahrelang provisorisch in Kreuzberg gelagert worden.

Die 750 Meter lange Allee hatte Kaiser Wilhelm II. zwischen 1898 und 1901 anlegen lassen - mit 32 Standbildern brandenburgisch-preußischer Herrscher von Markgraf Albrecht dem Bären (um 1100 bis 1170) bis Kaiser Wilhelm I. (1797 bis 1888).

Bei der Bevölkerung stieß die Prachtallee damals auf wenig Respekt. Sie wurde auch "Puppenallee" genannt, woraus sich die Redewendung "bis in die Puppen" ableitete. Gemeint war ein nächtlicher Ausflug in den Tiergarten nach einem Lokalbesuch. In der Ausstellung soll auch ein Frühsommertag des Jahres 1907 entlang der Allee inszeniert werden.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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