Friedrichswerdersche Kirche am 16.12.15 (Quelle: imago/Thomas Lebie)

Bauschäden an der Friedrichswerderschen Kirche - "Wir sind nicht der Robin Hood der Denkmalpflege"

Die Friedrichswerdersche Kirche in Berlin-Mitte ist ein denkmalgeschütztes Juwel. Seit drei Jahren ist sie geschlossen, weil eine Nachbarbaustelle das Gebäude schwer beschädigt hat: Risse im Gemäuer, kaputte Altarstufen, gebrochenes Fundament. In der Diskussion darum, wie das passieren konnte, verhielten sich die Denkmalschützer merkwürdig still. Warum? rbb-Reporterin Sabrina Wendling hat den Landeskonservator gefragt.

Archiv: Landeskonservator Jörg Haspel vom Landesdenkmalamt Berlin gibt am Montag (18.04.2011) in Berlin eine Pressekonferenz zu den deutschen Welterbestätten. (Quelle: dpa)
Berlins Landeskonservator Jörg Haspel

Das Wort "Fehler" nimmt Berlins Landeskonservator Jörg Haspel nicht in den Mund. Er leitet das Landesdenkmalamt seit mehr als 20 Jahren, und er weiß, dass man auf die Frage nach Versäumnissen besser nicht eingeht. Er nennt es nicht Fehler, sondern Erfahrung. Durch die Ereignisse sei die Behörde klüger geworden, sagt er: "Wir haben versucht, diese ganzen Erfahrungen gleich für die zweite Baustelle umzusetzen."

Für diese zweite Baustelle wird gerade die Baugrube ausgehoben: Auf dem Schinkelplatz, etwa zehn Meter östlich der Kirche. Die Sensoren am Kirchengemäuer sind besonders sensibel eingestellt. Schon bei der kleinsten Bewegung schlagen sie Alarm. Denn die Gutachter rechnen mit neuen Rissen im Gemäuer.

"Wir sind Teil der Verwaltung"

Wie kann es denn da überhaupt sein, dass neben der Friedrichswerderschen Kirche schon wieder gebaut werden darf? Landeskonservator Jörg Haspel sagt: Eine Baustelle zu verhindern, sei nicht seine Aufgabe.

Möglich wäre das schon. Aber dazu müsste sich Haspel weit aus dem Fenster lehnen. Die Investoren wären natürlich sauer, und der Senat noch dazu, denn Schadenersatz ist schließlich teuer.

Jörg Haspel betont, er plane und arbeite im Rahmen der Möglichkeiten, die ihm der Denkmalschutzgesetz gibt: "Wir sind als Denkmalbehörde nicht der Robin Hood der Denkmalpflege oder eine Aktion Greenpeace, sondern wir sind Teil der Verwaltung."

Auf 30 Mitarbeiter geschrumpft

Der Landesdenkmalschutz gehört zur Senatsverwaltung für Stadtentwicklung – und deshalb ging der allgemeine Sparkurs des Landes auch an den Denkmalschützern nicht vorbei: Am Ende der Diät war das Denkmalamt nur noch ein Leichtgewicht - mit 30 statt bisher 70 Mitarbeitern.

Nun sichert sich Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel mit einem neuen Paragraphen noch mehr Eingriffsrechte, damit es mit dem Wohnungsbau schnell vorangeht. Das heißt, dass auch in Zukunft das Landesdenkmalamt zugunsten neuer Wohnungen häufig den Kürzeren ziehen wird. Jörg Haspel nimmt das so hin und fügt sich in das enge Korsett ein, in das man die Denkmalschützer gesteckt hat.

Immerhin soll es im Landesdenkmalamt bald eine zusätzliche Stelle geben.  Für jemanden, der aufpasst, dass es gar nicht erst zu so großen Schäden kommt wie bei der Friedrichswerderschen Kirche.

Beitrag von Sabrina Wendling

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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