Models in High-Heels proben in Berlin bei der Berliner Fashion Week für die Show von Dimitri auf dem Laufsteg. (Quelle: dpa)

Interview | Fashion Week ist gestartet - "Berlin hat den Spirit"

70 Modeschauen, 7 Modemessen, 200 Veranstaltungen: Berlin steht seit Montag im Zeichen der Fashion Week. Neben Trends für die Wintersaison sind Nachhaltigkeit und ökologisches Modedesign die großen Themen. Marcus Kurz, Mitbegründer des "Berliner Mode Salons", sagt im Interview, was Berlin als deutsche Modehauptstadt ausmacht und was "typisch Berlin" ist.

Herr Kurz, seit der Gründung der Berlin Fashion Week 2007 gilt Berlin als die deutsche Modehauptstadt - auch wenn es ihr an Glanz und Ansehen wie in der Pariser oder Mailänder Modewelt fehlt. Was zeichnet Berlin heute als Modestandort aus?

Berlin hat sich in den letzten zehn bis zwölf Jahren als der wichtigste Mode- und Kreativstandort entwickelt. Designer, Künstler, Kreative fühlen sich von der die Stadt inspiriert. Düsseldorf ist ein Standort, der sehr wichtig ist für den Handel. Hier in Berlin aber hatte man nach der Wende die Möglichkeit, Neues auszuprobieren. Und dieses Ausprobieren – dafür steht Berlin ein bisschen.

Haben die Berliner Modedesigner einen eigenen Stil, eine "Typisch-Berlin"-Handschrift?

Es ist der generelle Spirit. Es gibt viele Designer, die in der Vergangenheit Themen wie zum Beispiel David Bowie, Revolution oder Demonstration aufgegriffen haben. Das sind alles Themen, die tatsächlich in Berlin beheimatet sind. Aber ich glaube, es ist grundsätzlich der Spirit, der hier verarbeitet wird.

Berlin ist also der Hauptschauplatz der deutschen Modeszene. Wie sieht es mit Brandenburg aus? Gibt es dort Potenziale, die für die Modewelt interessant sein könnten?

Es gibt, was den "Berliner Mode Salon" betrifft, keine direkte Verbindung mit einem im Brandenburg ansässigen Modedesigner oder einer Fertigungsstätte, aber das wäre ein wünschenswertes Ziel. Es gibt hier ein paar außerordentliche Betriebe, die für ihr Fach stehen und noch unentdeckt oder vielleicht noch nicht so eingebunden sind im Modezirkus.  

Der "Berliner Mode Salon" wurde im Winter 2015 aus einer Idee von Ihnen als Geschäftsführer der Berliner Kreativagentur "Nowadays" und der Chefredakteurin der deutschen Vogue Christiane Arp gegründet. Welche Ziele haben Sie verfolgt?

Die deutsche Mode wird international nicht klar genug wahrgenommen. Der Berliner Mode Salon verbindet Designer, die in Deutschland ihre Ateliers führen oder die als deutsche Designer im Ausland arbeiten. Wir wollen eine Plattform schaffen – deutsches Modedesign in der Gesamtheit zu präsentieren und den Konsumenten die Möglichkeit geben, deutsches Modedesign kennenzulernen. So fand der " Berliner Mode Salon" anlässlich der Paris Fashion Week im September 2015 auch in der Deutschen Botschaft in Paris statt. Selbst der Modezar Karl Lagerfeld hat uns mit einem Besuch beehrt. 

Die Berlin Fashion Week ist ein fünftägiges Modeevent mit vielen Messen, Showfloors und Plattformen. Wie ist der "Berliner Mode Salon" dabei einzuordnen?

Wir sind keine Messe. Der "Berliner Mode Salon" ist ein Konglomerat an Designern, die die Möglichkeiten und den Namen der Stadt dazu nutzen, sich national und international zu positionieren. Die relevanten Chefredakteure schaffen es kaum, die Ausstellungsflächen der großen Messen, wie "Panorama", "Premium" oder "Bread & Butter" anzugucken. Dafür organisieren wir Veranstaltungen, die im Kronprinzenpalais im Zentrum von Berlin stattfinden. Das ist ein schöner historischer Rahmen, wie die Modewelt sie auch aus London, Paris oder New York kennt und mag. Der "Berliner Mode Salon" bietet die Möglichkeit, vorgestellte deutsche Designer per Handschlag kennenzulernen und die Kollektionen erklärt zu bekommen. Wir wollen ernsthafte Business-Talks und Business-Netzwerke. Und wenn Einkäufer oder Pressevertreter sagen: „Das ist eine tolle Entwicklung der Kollektion, ich habe Lust auf mehr, ich melde mich“, das ist alles, was wir wollen. 

"Premium", die Leitmesse für Advanced Contemporary Fashion, vergibt seit zehn Jahren den etablierten "Premium Young Designers Award". In der Kategorie Womenswear wurde in dieser Saison das Berliner Label Nobi Talai ausgezeichnet.

Die "Premium" war eine der ersten Modeplattformen, die in Berlin stattgefunden haben und ein internationales Renommee genießen. Das heißt, wenn sich diese Messe entscheidet, diesen Preis an eine Berlinerin zu geben, dann ist das ein gutes Zeichen für die deutsche Mode. Die Designerin Nobieh Talaei war übrigens letztes Jahr bei dem "Berliner Mode Salon" sowohl in der Gruppenausstellung als auch mit einer eigenen Modenschau vertreten. Ich freue mich sehr über ihren Erfolg. 

Marcus Kurz, Co-Initiator des Berliner Mode Salons (Quelle: Der Berliner Mode Salon)
Marcus Kurz ist Co-Initiator des Berliner Mode Salons

Einige der namhaften Modehäuser und internationalen Akteure der Szene haben sich dieses Mal nicht mehr für die Berlin Fashion Week angekündigt…

Es obliegt jeder Marke selbst einzuschätzen, wo man stattfinden will oder muss. Es gibt verschiedene Strategien von großen Branchenplayern wie Hugo Boss, Escada, Baldessarini etc., die sagen, ihre Konzentration liegt in den nächsten drei Jahren in Asien oder Amerika, und das ist nichts grundsätzlich gegen Berlin. Denn all diese Marken haben in irgendeiner Art und Weise zu irgendeinem Zeitpunkt in Berlin stattgefunden. Aber es ist eine strategische Entscheidung zu sagen, wir waren für den deutschen Markt zu einem Zeitpunkt da, und jetzt konzentrieren wir uns auf die USA, Asien oder was auch immer der nächste Schritt ist.

Der Berliner Mode Salon präsentiert dieses Jahr dem Fachpublikum zum ersten Mal einen Showroom mit 40 ausgewählten deutschen Designern. Parallel können Modeinteressierte im KaDeWe deutsches Modedesign hautnah erleben.

Wir sind stolz und froh, im Rahmen der Fashion Week im KaDeWe mit einem Berliner Salon-Pop-up-Shop vertreten zu sein. Der Berliner Mode Salon will nicht nur eine Businessplattform sein. Wir wollen den Endkonsumenten sagen: Was ihr hier seht, ist deutsches Modedesign, das wollen wir euch nahe bringen. Die Präsentation des "Berliner Mode Salons" im KaDeWe parallel zu der Fashion Week bedeutet, dass das breite Publikum nicht ausgeschlossen wird und sagt: "Ja, da steht ein Zelt am Brandenburger Tor, aber wie können nicht rein! Wir wissen nicht, was dort stattfindet!" Neben dem geschlossenen Geschäftsbereich im Kronprinzenpalais lädt der "Berliner Mode Salon" Modeinteressierte ein, sich im KaDeWe die aktuellen Sommerkollektionen der ausgewählten deutschen Designer kennenzulernen. 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kurz.

Das Interview führte Vera Block

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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