Susanne Kröhmer (Anna Loos) sitzt in der Serie "Die Stadt und die Macht" in einer Fernsehsendung zur Wahl (Quelle: © ARD/Frédéric Batier)

Interview | Anna Loos über "Die Stadt und die Macht" - "Politik interessierte mich schon immer"

Familiendrama, Politthriller und Hauptstadtporträt - die ARD zeigt an drei Abenden die sechsteilige Miniserie "Die Stadt und die Macht". Anna Loos spielt die engagierte Rechtsanwältin Susanne Kröhmer, die als Bürgermeisterkandidatin von Berlin den Mächtigen der Stadt den Kampf ansagt. Ein Gespräch über Politik, Meinungen und Miniröcke.

Frau Loos, "Die Stadt und die Macht" läuft an drei aufeinanderfolgenden Abenden in Doppelfolge, ähnlich wie "Weissensee". Sind Miniserien der neue Trend im deutschen Fernsehen?

"Weissensee" war sozusagen das Versuchskaninchen und lief sehr gut. Solche Minireihen sind bei uns zwar noch ein bisschen in den Pionierschuhen, aber international sind sie sehr beliebt, die Zuschauer wollen die wirklich schnell hintereinander konsumieren. Die Miniserie ist ein Versuch des deutschen Fernsehens, etwas Neues zu machen. Ich glaube, dass dieser Schritt super wichtig war, weil es das Format der Zukunft ist.

Sehr temperamentvoll ist ja Ihre Wahlkampfrede gleich in der ersten Folge. Wie wurde Ihre Rolle entwickelt?

Der Produzent Michael Lehmann hat sich nach der "Wulff"-Affäre gedacht, dass er gerne eine solche Politikgeschichte machen würde. Doch diese Story wollte er nicht verfilmen. Dann wurde die Idee geboren, eine Geschichte zu machen, die in der Welt der Politik zu Hause ist. Gleichzeitig hat man überlegt, dass eine Frau die Hauptrolle spielen muss. Sie haben mich gefragt und ich habe gesagt: "ja - total spannend, klingt gut".

Was erwartet die Zuschauer in "Die Stadt und die Macht"?

Für mich ist es ein Familiendrama, ich bin Teil dieser Familie. Ich spiele eine junge Frau namens Susanne Krömer, und mein Vater ist politisch aktiv. Ich bin in seiner Partei, kandidiere Hals über Kopf für das Bürgermeisteramt von Berlin und gerate völlig unvorbereitet in einen Wahlkampf. Das Ganze hat viele Auswirkungen auf die Familie. Wir lernen Politiker und ihre Berater auch durch einen Blick hinter die Kulissen kennen.

Hat diese Rolle Ihren eigenen politischen Blick geschärft?

Politik interessierte mich schon immer. Ich interessiere mich für die Gesellschaft, in der ich lebe, und für dieses Konstrukt Demokratie. Ich interessiere mich dafür, wie das aussieht bei uns. Es ist kaum ein Jahr her, dass wir gedreht haben. Doch es ist echt irre, welche Probleme jetzt schon wieder aufgetaucht sind, was in dieser Zeit mit unserem Land und mit unserer Stadt passiert ist.

Die letzten Tage waren voll mit Nachrichten über die Angriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof und in Hamburg. Ich habe zwei Töchter, acht und dreizehn Jahre alt, die das natürlich auch aufgeschnappt haben. Am Frühstückstisch haben mein Mann und ich versucht, ihnen zu erklären, was da eigentlich passiert ist.

Und da habe ich gedacht, wie toll es ist, dass in dem Film eine Frau die Hauptrolle spielt. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass in unserer Gesellschaft Frauen gleichberechtigt sind. Dass sie feiern können, wann und wieviel sie wollen, dass sie Miniröcke tragen können, dass sie eine eigene Meinung haben dürfen. Und gleichzeitig kommen Gesellschaften und Kulturen in unser Land, in denen die Frau eine andere Stellung hat.

In Ihre Rolle geraten Sie wegen Ihrer Karriere in Konflikt mit Ihrem Lebensgefährten – kennen Sie das aus dem echten Leben?

(Lacht) Nee! Im Film kandidiere ich für das Amt der Bürgermeisterin, ohne es ihm zu sagen. Ich übergehe ihn, denn wir hatten eigentlich einen anderen Plan vom Glück. Das würde ich mit meinem Mann nicht machen. Wir bringen uns nicht in eine Lage, dass man etwas ohne den anderen macht. Das würde mir keinen Spaß machen.

Das Interview führte Frauke Gust

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