Olivia Hyunsin Kim auf der Bühne (Quelle: Moo Sang Kim)

Berliner Tanztage beginnen - Choreographin zwischen zwei Welten

Die Berliner Tanztage bieten eine Bühne für den choreographischen Nachwuchs. Die Akteure leben alle in Berlin, aber sie kommen aus vielen Ländern. Olivia Hyunsin Kim zum Beispiel ist in Südkorea und Deutschland aufgewachsen. Oliver Kranz hat sie bei den Proben zu ihrer Produktion "She came, she saw, she said: MEME" getroffen.

Sie trägt ein Seidenhemd und hat ihre Haare zu einer traditionellen asiatischen Frisur hochgesteckt. Olivia Hyunsin Kim trippelt durch den Raum. Sie lässt ein Tuch in der Luft kreisen - auch das sieht traditionell asiatisch aus. Dabei ist der Tanz frei erfunden. "In dem Stück geht es um das Andere und wie Exotismen in der zeitgenössischen Tanzszene benutzt werden oder dargestellt werden", erklärt Olivia Hyunsin Kim.

Die 29-Jährige wird selbst oft als Exotin betrachtet. Sie hat koreanische Eltern und ist in Deutschland aufgewachsen. In der westlichen Kunst kennt sie sich besser aus als in der koreanischen. Es nervt sie, als Asiatin gesehen zu werden. Sie werde immer wieder mit Stereotypen konfrontiert, "wie in der Theater- oder Filmszene, wo ich die Chinanudelverkäuferin spielen muss oder die sexy Asiatin".

Eine Frau mit zwei Identitäten

Alles in allem ein ziemlich eingeschränktes Rollenspektrum. Heute arbeitet Olivia Hyunsin Kim in der Tanzszene. Als Choreografin und Tänzerin hat sie viel mehr Entfaltungsmöglichkeiten. An Fragen ihrer Kollegen merkt sie aber immer noch, dass ihre Herkunft eine Rolle spielt. Sie werde beispielsweise gefragt, ob sie mehr Elemente "von diesem Asiatischen" in ihren Tanz hereinbringen könne und warum sie das nicht machen würde.

Ihre neue Choreografie ist eine Reaktion auf diese Frage. Da ist eine Frau zu sehen, die zwei Identitäten hat - eine asiatische und eine europäische. Die kulturellen Codes vermischen sich.

Gelebt hat Olivia Hyunsin Kim in beiden Welten. Sie wurde in Siegen geboren und siedelte mit zwölf Jahren ins südkoreanische Seoul über. Wirklich zu Hause fühlte sie sich dort nicht. Sie studierte Politik- und Literaturwissenschaft und war froh, als sie 2008 für ein Jahr nach Honolulu reisen konnte. "Weil Hawaii sehr gemischt ist, auch von den Menschen her und ihrer Herkunft, gibt es da ein anderes Bewusstsein von Herkunft", erklärt sie. "Man ist vieles zugleich, und das wird akzeptiert."

Ostermeiers Hamlet lockte sie nach Berlin

Das war ganz anders als in Korea oder Deutschland. Olivia Hyunsin Kim studierte Theater und Tanz an der Universität Hawaii und trat nach ihrer Rückkehr in Seoul in eigenen Performances auf. "Ich hatte auch eine Gruppe mit zwei amerikanischen Freunden in Seoul, wo wir Happennings und Actions gemacht haben, die an der Grenze von allen Genres waren. Ich war mir da nur nicht bewusst, was ich gerade mache."

Olivia Hyunsin Kim auf der Bühne (Quelle: Moo Sang Kim)
"Mich interessiert nicht so das Schöne."

Olivia Hyunsin Kim wollte in die USA gehen, um richtig Theater zu studieren. Doch dann sah sie Thomas Ostermeiers Hamlet-Produktion an der Berliner Schaubühne und war so fasziniert, dass sie ihren Plan änderte. Seit 2011 lebt sie in Berlin. Zuerst verdiente sie Geld mit kleinen Theater- und Filmrollen, dann wechselte sie in die Tanzszene. Ihr großes Vorbild ist Meg Stuart. "Ich bin auch auf der Bühne sehr aggressiv", sagt die 29-Jährige. "Mich interessiert nicht so das Schöne, sondern mehr die Irritationen, die aus Sachen herauskommen, die nicht schön sind."

Nach dem Studium richtig durchstarten

Die Themen holt sie oft aus ihrer eigenen Biografie. Seit 2012 studiert Olivia Hyunsin Kim Choreografie in an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Sie habe sich ein wenig mit Postkolonialismus und Feminismustheorien beschäftigt. "Und natürlich auch mit Performativität, die es nicht nur im Theaterraum, sondern auch im Alltag gibt. Das hat mir, glaube ich, sehr viel gebracht."

Denn jetzt fühlt sie sich fit für die Arbeit als Choreografin und Performerin. Sie muss zwar noch ihre Master-Arbeit abgeben, doch dann ist sie mit dem Studium fertig und kann in ihrer Wahlheimat Berlin richtig durchstarten.

Beitrag von Oliver Kranz

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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