Theater und Komödie am Kurfürstendamm Berlin (Quelle: imago/PEMAX)
Video: Abendschau | 14.01.2016 | Ulli Zelle

rbb exklusiv - Räumungsklage bedroht Ku'damm-Bühnen

Wegen "vertraglicher Differenzen" sollen die 90 Jahre alten Ku'damm-Bühnen - die Komödie am Kurfürstendamm und das Theater am Kurfürstendamm - geräumt werden. Die neuen Pläne für das Ku'damm-Karree würden in der kommenden Woche vorgestellt, hieß es. Ob und wie die Traditionsbühnen darin vorkommen, ist unklar.

Die jahrelangen Auseinandersetzungen um die Zukunft der Boulevardtheater am Kurfürstendamm gehen in eine neue Runde. Wie die Ku'damm-Bühnen dem Kulturradio vom rbb am Donnerstag bestätigten, gibt es eine Räumungsklage gegen die 90 Jahre alten Traditionsbühnen. Als Begründung würden seitens des Investors (Cells Bauwelt) "vertragliche Differenzen" genannt.

Die neuen Pläne für das Ku'damm-Karree sollen bereits in der nächsten Woche im bezirklichen Ausschuss für Stadtentwicklung vorgestellt werden.

Theater-Direktor: Klage "absolut zu Unrecht"

Der Direktor der Theater am Ku'damm, Martin Wölffer, sagte am Donnerstag dem rbb, das Theater habe der Klage widersprochen und werde nun erst einmal abwarten. "Wir finden, die Sache ist absolut zu Unrecht passiert und gehen auch davon aus, dass es nicht durchkommt."

"Vertragliche Differenzen" gebe es nicht, sagte Wölffer, wohl aber einen klaren und gültigen Vertrag. Er vermute, dass es um Differenzen bei mehreren Nebenkostenabrechnungen gehe. Diese stammten noch aus der Zeit, als Ballymore Properties der Eigentürmer war. Dass Nebenkosten nicht gezahlt wurden, sei nach seinen Informationen auch die Begründung der Kündigung. "Wir sagen aber: Es stehen andere Zahlungen für uns im Raum." Mit Ballymore habe man sich auf Verrechnung geeinigt - "das lässt der jetzige Besitzer nicht gelten".

Wölffer wies auch darauf hin, dass das Theater in die angekündigten neuen "Pläne" nicht einbezogen worden sei. "Auch das ist nicht vertragsgemäß." Man sei mit dem Investor im Gespräch. "Und wir wissen natürlich, es geht nicht ohne sie, aber sie müssen auch lernen, es geht nicht ohne uns", betonte Wölffer.

Der Bezirk will dafür kämpfen, dass der Theaterstandort erhalten bleibt, sagte Marc Schulte (SPD), Baustadtrat Charlottenburg-Wilmersdorf. "Und das weiß auch der Investor." Man könne der Bezirk baurechtlich nur vorschreiben, "dass es ein Theater sein kann oder sein muss, aber wir können natürlich nicht den Betreiber festschreiben", so Schulte.

Stadtentwicklungsausschuss bekommt Pläne auf den Tisch

Bisher gilt zwar ein alter Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf, das vorsieht, auch beim Umbau des Ku'damm-Karrees ein technisch funktionsfähiges Theater an diesem Ort haben zu wollen. Ob das der jetzige Betreiber mit dem Direktor Martin Wölffer sein wird, ist jedoch unklar.

Eine Räumungsklage würde möglicherweise auch den Investor der Pflicht entheben, für die Ku'damm-Bühnen eine Zwischenlösung für die Bauzeit zu finden. Die BVV hat mehrfach gefordert, die Traditionsbühnen am Ort zu belassen und im Falle eines Neu- oder Umbaus den bisherigen Betreiber zu unterstützen.

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