Das Musical - Die wahre Geschichte der Sissi im Admiralspalast in Berlin am 08.01.2016 (Quelle: imago/eventfoto54)
Audio: Inforadio | 09.01.2016 | Ute Büsing

Rezension | Musical-Premiere im Admiralspalast - Sissi mit dunkler Kraft inszeniert

"Elisabeth" ist das erfolgreichste deutschsprachige Musical. Jetzt ist das Drama um die österreichische Kaiserin in einer Tourneetheaterproduktion im Berliner Admiralspalast zu sehen. Es ist immer noch ein starkes Stück. Denn es geht dem Mythos der kindlichen Kaiserin klug auf den Grund. Von Ute Büsing

Ein wildes, freies Kind wird Kaiserin - das kann nicht gutgehen. Wie der Wildfang am Wiener Hof gebändigt und dressiert wird, von der Schwiegermutter gegängelt, vom schwachen Kaiser Franz Joseph, der seine gegen alle Widerstände Auserkorene doch liebt, kaum unterstützt, das erzählt das Musical "Elisabeth" hautnah und historisch wie politisch nahezu korrekt.

Trotz raschelnder Reifröcke und handgeknüpfter Perücken: Nichts von der süßlichen Sissi-Soße wird auf die von gekonnten Projektionen illuminierte Bühne gekippt. Stattdessen stürzt sich die erst erwachsen und emanzipiert, dann auch hart und verzweifelt werdende Frau in Rendezvous mit dem verführerischen Tod, der sie schließlich auch kriegt.

Inszenierung voll dunkler Kraft

Die puren Zahlen sind beeindruckend: Zehn Millionen Zuschauer weltweit haben "Elisabeth" seit der Uraufführung in Wien 1992 gesehen. Die große dramatische Geschichte, erzählt mit den Mitteln des Musiktheaters, ist die erfolgreichste deutschsprachige dieser Art. 2008 wurde sie von Harry Kupfer und dem Bühnenbildner Hans Schavernoch neu inszeniert. Die zum 20-jährigen Bühnenjubiläum an den Vereinigten Bühnen Wien neu aufgelegte Fassung, die jetzt auf Tour in Berlin zu sehen ist, hat nichts von ihrer dunklen Kraft eingebüßt. 

Die Wandlung vom ungestümen Mädchen zur modernen Frau

Es ist ein starkes Stück - immer noch. Librettist Michael Kunze ist dem Mythos der kindlichen Kaiserin klug auf den Grund gegangen, Sylvester Levay hat lange nachhallende stark symphonische Ohrwürmer geschrieben, die operettig, rockig, poppig sind. Das 18-köpfige Live-Orchester spielt schwungvoll auf.

Roberta Valentini vollzieht in der Titelrolle glaubhaft die Wandlung vom ungestümen Mädchen zur modernen Frau, von verliebter Hingabe zu melancholisch grundiertem Hass. Dieser Hass entsteht, als ihr der Mutter hörige Franz Joseph die Kinder wegnehmen lässt, eine Tochter stirbt und der entzogene Sohn Selbstmord begeht. Maximilian Mann ist so, wie man sich den schönen schwachen Kaiser vorstellt. Erst ganz Schmelz, dann gebrochen.

Produktion mit großer Selbstironie

Kleiner Schwachpunkt in der Produktion ist der Tod. Dem durch und durch weichen sympathischen Maté Kamaras fehlt die Hartzeichnung, das Sinistre, was aber Teil seiner ambivalenten Attraktivität sein müsste. Dafür trumpft Kurosch Abbasi als Anarchist Lucheni, am Ende Mörder von Elisabeth, ganz groß auf. Er ist ein launiger allwissender Erzähler der Geschichte vom Ende der feudalen Großreiche und dem Beginn einer neuen Zeit, ein Bänkelsänger wie aus dem Lehrbuch von Brecht/Weill.

Einmal mischt er sich zum Devotionalienhandel in die erste Reihe und posiert dort mit der Grand Dame des deutschen Musicals, Daniela Ziegler, die natürlich auch schon bei "Elisabeth" mitgespielt hat. Die kleine Geste unterstreicht die große Selbstironie der gesamten Produktion, die sich immer wieder erneuert, um sehenswert zu bleiben.

Beitrag von Ute Büsing

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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