Sven Meisel, Chef der Hansa Studios und Geschäftsführer von Meisel Musikverlage (Quelle: privat)

Sven Meisel unerwartet verstorben - Bowie-Release-Party wird zur Trauerfeier für Hansa Studio-Chef

Es sollte ein großes Klassentreffen in den Hansa Studios an diesem Freitagabend werden: Record-Release-Party für das neue Album von David Bowie, der gleichzeitig 69. Geburtstag hat. Nun wird es auch Tränen geben, denn am Donnerstag ist überraschend der Chef der Hansa Studios, Sven Meisel, mit nur 49 Jahren verstorben. Von Anke Fink

Die Berliner Musikszene hat Grund zu trauern: Der Chef der legendären Hansa Studios, Sven Meisel, ist tot. Wie sein Verlag mitteilte, starb er nach kurzer schwerer Krankheit. Er wurde nur 49 Jahre alt. Die Nachricht platzt mitten hinein in die Vorbereitungen und auch Vorfreude auf die Record-Release-Party der neuen David-Bowie-Platte "Blackstar", die an diesem Freitag, dem 69. Geburtstag des Künstlers, erscheint und mit großem Aufschlag in den Hansa Studios gefeiert werden soll.

Geplant ist, dass der englische Künstler Paul Henderson ein spezielles Bowie-Akustik-Set spielt. Danach steht die Band PleasureDome auf dem Programm, die dafür bekannt ist, Stücke von David Bowie, aber auch von Roxy Music, T-Rex, The Cure, Joy Division, Ramones, The Clash oder Iggy Pop zu covern - in Strapsen und Polizeiuniformen. An den Plattentellern für die Party danach steht Trevor Byron Jones. Es ist nicht bekannt, ob Mr. Bowie höchstpersönlich auftauchen wird.

Rex Gildo bis Giorgio Moroder bevor Bowie kam

Man darf davon ausgehen, dass dem Chef der Hansa Records, Sven Meisel, der Abend gefallen würde.  Er war zehn Jahre alt, als David Bowie 1977 in Berlin sein Album "Heroes" aufnahm und den Studios in der Köthener Straße zur Legende verhalf. Dass sie eine einzigartige Akustik hatten, wussten auch schon viele deutsche Schlager- und Pop-Stars zu schätzen. Hunderte Goldene Schallplatten gab es für Alben und Singles von Michael Holm, Gunter Gabriel, Frank Zander, Mary Roos, Rex Gildo, Bernhard Brink, Marianne Rosenberg oder Roland Kaiser - allesamt aufgenommen in Berlin.

Auch international erfolgreiche Produzenten wie Giorgio Moroder, Frank Farian und Jack White haben sich ihre Stücke in der Köthener Straße vergolden lassen, aber als David Bowie kam, erlebten die Hansa Studios ihren Ritterschlag.

David Bowie und den Toningeneur Eduard Meyer (Aufnahme vom Mai 1987) im Meistersaal der Hansa Studios (Quelle: dpa)
Im Meistersaal der Hansa Studios: David Bowie zusammen mit Toningenieur Eduard Meyer im Jahr 1987.

Depeche Mode kamen erstmals 1983 in die Hansa Studios. In den kommenden drei Jahren bastelten sie hier an den Alben "Construction Time Again", "Some Great Reward" und "Black Celebration". Die Hit-Single "Shake The Disease" ist in Berlin aufgenommen worden, genauso wie "Everything Counts", "People Are People” und "Master And Servant". Die Legende sagt, manchmal hätten Fans auf der Wendeltreppe zum Meistersaal gesessen und ihren Idolen gelauscht. 

Damit nicht genug, adelte die irische Band U2 1990 die Hansa Studios mit der Aufnahme ihres Albums "Achtung Baby", mit dem Megahit "One". Auch die US-amerikanische Band R.E.M. hat sich von der Legende locken lassen und nahm 2010 ihre letzte Platte "Collapsed Into Now" in Berlin auf.  

Sven Meisel (1. v. l.) mit dem Musiker Jascha Habeck (v.) und Musiker-Kollegen

Michael Stipe brachte 100 Gitarren mit

Sie alle hatte Tonstudio-Chef Sven Meisel sehr unaufgeregt bei ihren Aufnahmen begleitet. Er wusste, was die Anziehungskraft ausmacht. Er sagte der "Berliner Zeitung" vor einigen Jahren im Interview, dass es zu allerst die Größe sei, die die Künstler lockt. In der Köthener Straße gibt es eben ein klassisches Live-Studio, in dem sich eine Rockband ausbreiten kann, sagte er damals. R.E.M. sollen dann auch mit mehr als 100 Gitarren angereist seien. 

Innenaufnahme der Hansa-Studios, in denen David Bowie seine Musik produzierte (Quelle: dpa)
Legendäre Räume - hier haben die ganz Großen des Musik-Business aufgenommen

Die Hansa Studios sind Teil der Meisel-Musikverlage, die 1926 in Berlin vom Operetten- und Filmkomponisten Will Meisel gegründet wurden. 1960 stiegen seine Söhne Peter und Thomas ins Geschäft ein und bauten 1964 die Hansa Studios auf. Ende der 90er Jahre ist die dritte Generation ans Ruder gekommen: Sven Meisel war zunächst Gesellschafter und Geschäftsführer aller Verlage der Meisel-Gruppe, ab 2014 alleiniger Geschäftsführer der Meisel-Musikverlage.

Auf dem Tonträgerlabel Monopol erscheinen jetzt Künstler wie die Band "Lesiem", die spirituelle New Age Musik macht, die deutsche Synthie-Band "The Twins", aber auch der Schweizer Liedermacher Stephan Sulke, der als Sohn von Berliner Juden im sogenannten Shanghaier Ghetto geboren wurde. Der prominenteste Künstler des Labels ist Max Raabe, der mit seinem Palastorchester auf die gute Akustik in den Kreuzberger Hansa Studios vertraut. 

Beitrag von Anke Fink

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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