Szene aus "The Situation" am Berliner Maxi Gorki Theater (Quelle: imago/DRAMA-Berlin.de)

Theaterpreis des Bundes erstmals verliehen - "Ermutigungspreise" für das Gorki und den Heimathafen

Zum ersten Mal hat der Bund einen Theaterpreis vergeben, um kleinere und mittlere Theater zu würdigen. Unter den zwölf Preisträgern sind auch zwei Berliner Bühnen: das Maxim Gorki Theater und der Heimathafen Neukölln. Die Preise wurden am Freitag in Berlin übereicht.

Der Theaterpreis des Bundes ist am Freitag erstmals verliehen worden. Zu den zwölf Gewinnern gehören auch zwei Berliner Bühnen: das Maxim Gorki Theater und der Heimathafen Neukölln

Beide Theater wurden von einer von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) berufenen Jury aus knapp 190 Bewerbungen ausgewählt - zusammen mit zehn weiteren Spielstätten aus verschiedenen Bundesländern. Mit dem Preis sind auch Fördergelder verbunden: Das Gorki Theater in Berlin-Mitte erhält 80.000 Euro und der Heimathafen 55.000. Grütters sagte bei der Preisverleihung in der Akademie der Künste, Theater seien als Orte gesellschaftlicher Kommunikation und geistiger Auseinandersetzung unverzichtbar.

Das Gorki freut sich über die 80.000 Euro

Dem Maxim Gorki Theater unter den Intendanten Shermin Langhoff und Jens Hillje sei es gelungen, mit seinem "postmigrantischen Ensemble" ein junges und heterogenes Publikum anzuziehen. Das Gorki zeige, "wie zukünftiges Stadttheater im Einwanderungsland Deutschland aussehen könnte", heißt es in der Begründung der Jury,

Besonders hervorgehoben wurde der Programmschwerpunkt zum Völkermord an den Armeniern, den das Gorki im Frühjahr mit Konzerten, Theaterstücken und Podiumsdiskussionen gefüllt hat. Auch die Themenwochen "Es schneit im April" und die Zusammenarbeit mit der Polit-Aktivisten-Gruppe "Zentrum für politische Schönheit" beim Streit um die Mauerkreuze in Berlin.  

Das Gorki-Theater betrachtet die Auszeichnung als Anerkennung für die vergangene Spielzeit. "Unser Theater ist nicht sehr üppig ausgestattet, vor allem gemessen am Programm, das wir in den letzten Jahren gemacht haben", hatte die Sprecherin des Gorki-Theaters, Xenia Sircar, nach Bekanntage der Gewinner dem rbb gesagt. "Wir haben immer wieder Extra-Veranstaltungen, die wir uns mühsam zusammenfinanzieren müssen." Deshalb freue man sich auch über das Preisgeld, das man für das nächste große Sonderprojekt verwenden wolle.

Fluchtgeschichten spielen im Heimathafen schon lange eine zentrale Rolle

Da die Preisgelder sich laut der Kulturstaatsministerin an der Verhältnismäßigkeit und der bereits bestehenden öffentlichen Förderung orientierten, erhält der Heimathafen Neukölln etwas weniger Geld. Die Spielstätte an der Karl-Marx-Straße mache "Volkstheater für den Kiez", so die Jury. "Mit seinem bunten Spielplan-Mix aus Theater, Konzerten, Poetry-Slams, Kabarett und Lesungen, in dem Migrations-, Asyl- und Fluchtgeschichten schon seit langem eine zentrale Rolle spielen, lockt er ein breites Publikum an und sucht trotz freier Strukturen die Kontinuität des Repertoires", heißt es in der Begründung der Jury. 

Asyl-Monologe (Quelle: Heimathafen Neukölln)
Die "Asyl-Monologe" waren Anfang Dezember im Heimathafen Neukölln zu sehen.

Über die Kiez- und Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde in der vergangenen Spielzeit zum Beispiel das Stück "Ultima Ratio" über einen Neuköllner Kirchenasylfall, so die Jury. Es erzählt die Geschichte über das Ehepaar Aliyah und Rooble, denen die Abschiebung aus Deutschland droht. Auch die sogenannten "Asyl-Monologe" des Theaterprojekts "Bühne für Menschenrechte", die jüngst mit dem Amadeu-Antonio-Preis prämiert wurden und zuletzt im Heimathafen zu sehen waren, beschäftigen sich mit aktuellen Fluchtgeschichten.

Würdigung der kleinen und mittleren Theater in Deutschland

Insgesamt wurden zwölf Theater in ganz Deutschland ausgezeichnet. Der Theaterpreis sei mit seinen Fördergeldern von 900.000 Euro als Pilotprojekt geplant, das gezielt kleine und mittlere Theater fördern soll, teilte Grütters mit: "Ich verstehe den Preis als 'Ermutigungspreis'. Er soll die Theater in ihrer Rolle als Orte der ästhetischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen würdigen und stärken."  

Neben den beiden Berliner Bühnen gehören folgende Theater zu den Preisträgern: Das Theater Oberhausen, das Fundus Theater in Hamburg, das Stadttheater Bremerhaven, die Städtischen Bühnen Osnabrück, das Theater der Jungen Welt in Leipzig, das Forum Freies Theater Düsseldorf, das Anhaltische Theater Dessau und das Theater der Altmark/ Landestheater Sachsen-Anhalt Nord - alle Spielstätten bekommen ein Preisgeld von 80.000 Euro. Außerdem werden "Das letzte Kleinod" im niedersächsischen Schiffdorf mit 75.000 Euro und das Figurentheaterzentrum Westflügel Leipzig mit 50.000 Euro prämiert.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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