Links: Berlins damaliger Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) spricht am 05.11.2014 im Roten Rathaus in Berlin am Pult. Rechts: Susanne Kröhmer (Anna Loos) redet in der Serie "Die Stadt und die Macht" am Pult (Quelle: Links: Britta Pedersen/dpa | Rechts: © ARD/Frédéric Batier)
Interview: radioBerlin | 13.02.2015 | Interview Djamil Deininger mit Klaus Wowereit

Auftakt der Politserie "Die Stadt und die Macht" - Wowereit erkennt sich selbst im TV nicht wieder

Berlins ehemaliger Bürgermeister Klaus Wowereit hat sehr aufmerksam den Start der ARD-Miniserie "Die Stadt und die Macht" verfolgt - und fand ihn sehr gelungen. Die Politserie spielt in Berlin und handelt von einem Bürgermeisterwahlkampf, der durchaus Parallelen zu Wowereits Zeit als Stadtoberhaupt aufweist.

Die neue ARD-Politserie "Die Stadt und die Macht" hat einen prominenten Fan. Der ehemalige Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit (SPD), hat sich den Auftakt am Dienstagabend im Ersten angesehen und wird sich auch die restlichen zwei Doppelfolgen des Sechsteilers am Mittwoch und Donnerstag jeweils ab 20.15 Uhr anschauen. Dem rbb sagte Wowereit, die Serie weise durchaus Parallelen zur realen Politik auf. Sich selbst habe er aber nicht wiedererkannt.

Früher mussten Politiker noch auf Ochsentour

In der Serie wird die Hauptdarstellerin Anna Loos eher zufällig zur Bürgermeisterkandidatin. Später platzt die Koalition, ein Senator tritt zurück und alles muss ganz schnell gehen, weil es innerhalb von 60 Tagen Neuwahlen gibt.

Schnellkarrieren wie die der Hauptfigur sind nach Ansicht Wowereits heutzutage durchaus denkbar. Früher dagegen sei ein solcher Aufstieg nicht möglich gewesen. Vielmehr  hätten Politiker die "Ochsentour" machen müssen, also sich hocharbeiten. Er selbst begann seine Karriere als Bezirksstadtrat.  

Im Regierenden Bürgermeister Manfred Degenhardt in der Serie, dargestellt von Burghart Klaußner, habe er sich allerdings nicht wiedererkannt, sagte Wowereit in einem weiteren Interview mit dem SWR: "Natürlich waren da so ein paar Andeutungen." Viele Ähnlichkeiten habe er aber nicht feststellen können.

Kompromiss gehört zur Politik

Wowereit erinnerte daran, dass die Serie Fiktion ist. Viele Menschen hätten heute den Eindruck, dass Politik korrupt sei, und dies spiele auch in der Serie eine große Rolle. "Aber so ist es in Deutschland zum Glück nicht", sagte Wowereit. Die Korruption gehöre zur Story der Serie, Politik sei nur Beigabe. "Es geht viel mehr um die Emanzipation der Hauptprotagonistin von ihrer Familie und von ihrem Übervater. Sie hätte also auch in der Wirtschaft spielen können", erläutert der ehemalige Landesregierungschef.  

In der Serie muss die Kandidatin einige ihrer Ideale aufgeben, um erfolgreich zu sein. Auch das, sagt Wowereit, sei realistisch. "Der Kompromiss gehört zur Politik."

Auf Schritt und Tritt beobachtet

Gut skizziert findet Berlins Ex-Stadtoberhaupt die Figur des Wahlkampfmanagers, der die Schwangerschaft der Hauptfigur im Wahlkampf zu instrumentalisieren versucht. "Dass das Private bei Politikern in die Öffentlichkeit getragen wird, ist der Preis den man zahlen muss", so Wowereit wörtlich. Politiker hätten keine Privatsphäre. "Man ist eine öffentliche Person. Jedes Wort, jeder Tritt und Schritt, wird beobachtet. Und alle warten nur darauf, dass ein Fehler passiert", sagte er dem SWR.

Der Wille zum Erhalt der Koalition ist da

Die aktuelle reale Koalition im Berliner Senat sieht Wowereit auf gutem Wege. Der Wille sei da, noch bis zum Ende der Legislaturperiode zusammen zu arbeiten, sagte er dem rbb. Die wichtigsten Punkte der gemeinsamen Regierungszeit von SPD und CDU seien erledigt, etwa der Doppelhaushalt. Jetzt müsse man aufpassen, dass die Flüchtlingsproblematik nicht im Wahlkampf instrumentalisiert werde, mahnte er an.  Problemlösungen für Berlin stünden im Vordergrund. Wahlkampf könne man nebenher machen.

Transparenz und Ehrlichkeit auf dem Prüftstand

"Die Stadt und die Macht" ist eine sechsteilige ARD-Miniserie. Im Zentrum der Handlung steht die engagierte Rechtsanwältin Susanne Kröhmer, gespielt von Anna Loos. Eigentlich will sie mit ihrem Lebensgefährten eine Familie gründen. Da erhält sie die Chance, Bürgermeisterkandidatin von Berlin zu werden.

Dabei gerät sie in Konflikt mit ihrem eigenen Vater, der als Fraktionsführer der Konservativen durch dunkle Machenschaften mit dem Regierenden Bürgermeister Degenhardt verbunden ist. Susanne muss – unterstützt von ihrem Jugendfreund, dem Journalisten Alex – eine Reise in die eigene Vergangenheit unternehmen, um den Vergehen ihres Vaters auf die Spur zu kommen. Dabei merkt sie, dass sich Wahlkampfwerte wie Transparenz und Ehrlichkeit in der politischen Arena, die sie betreten hat, nicht so leicht verteidigen lassen.

Nur knapp drei Millionen Zuschauer zum Auftakt

Der Auftakt der neuen Miniserie fiel am Dienstagabend vom Zuschauerinteresse her allerdings enttäuschend aus. 2,91 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 8,8 Prozent) verfolgten ab 20.30 Uhr die erste Episode des Sechsteilers. Die zweite Folge verfolgten ab 21.15 Uhr dann noch 2,72 Millionen Menschen (8,6 Prozent).

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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