Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, aufgenommen am 03.09.2015 in Berlin. Foto: dpa / Soeren Stache)
Video: rbb aktuell | 24.02.2016 | Interview mit Hermann Parzinger

Hermann Parzinger zu Museum der Moderne - "Eine große Chance für diesen schrecklichen Ort"

Die Siegerentwürfe aus dem ersten Wettbewerb für das Museum der Moderne, das bis 2022 am Kulturforum in Berlin entstehen soll, sind auf heftige Kritik gestoßen - auch beim künftigen Hausherrn. Hermann Parzinger, Mitentscheider über den Bau, verteidigt sie dennoch: Mehr könne man von einem Ideenwettbewerb nicht erwarten.

Die Kritik an den Siegerentwürfen aus dem Ideenwettbewerb für das geplante Museum der Moderne hat der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, im rbb zurückgewiesen.

Brillante Entwürfe seien in einem Ideenwettbewerb zu viel erwartet, so Parzinger im rbb. Es sei darum gegangen, überhaupt einmal zu sehen, welche Möglichkeiten es an dem Standort am Kulturforum an der Potsdamer Straße gebe.

Die zehn noch anonymen Entwürfe, die aus insgesamt 460 eingereichten ausgewählt wurden, wurden vom Großteil der Kritiker verrissen: zu mutlos, zu demütig.Vor allem wurde bemängelt, dass viele der Entwürfe unterirdische Geschosse vorsehen und sich nur wenige etwa mit einem kleinen Turm in die Höhe wagen. Kritik gab es außerdem daran, dass der Bau an der Potsdamer Straße entstehen soll. Am von der Politik verworfenen Alternativstandort direkt hinter der Nationalgalerie wären viel mutigere Entwürfe möglich gewesen. Nur ein Entwurf, der kleinteilig ist und im Außenbereich Freiräume lässt, kam bei den Kritikern an.

Parzinger: "Den Ort heilen"

Parzinger hingegen erklärt jetzt: "Man sollte das nicht so negativ sehen." Vom Realisierungswettbewerb sei mehr zu erwarten als vom Ideenwettbewerb. "Die zehn ausgewählten fügen sich ein, sehen die städtebauliche Aufgabe zwischen der Philharmonie und Mies van der Rohe, aber auch zwischen der Staatsbibliothek und der Piazetta an der Gemäldegalerie", so Parzinger. "Ich glaube schon, dass man hier den Ort heilen kann." Der Standort stehe fest, betonte er. "Es ist eine große Chance für diesen Ort, für diesen schrecklichen Ort, für diesen unfertigen Ort." Darauf könne Berlin sich freuen.

Kritik: "da muss noch mehr gehen"

Das Museum der Moderne soll 2022 auf 14.000 Quadratmetern am Berliner Kulturforum eröffnet werden – zwischen der Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe und der Philharmonie von Hans Scharoun. 200 Millionen soll der Neubau kosten.

Der Architekturkritiker Nikolaus Bernau etwa monierte im rbb, der Ideenwettbewerb hätte "viel mehr Freiheit zulassen" sollen. Auch der ehemalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann äußerte sich im rbb kritisch: Am Standort Potsdamer Straße festzuhalten, gehe nur, wenn der Bau direkt an die Neue Nationalgalerie anschließe und damit die Sigismundstraße aufgegeben werde.

Auch der Direktor der Nationalgalerie und künftige Hausherr des Museums der Moderne, Udo Kittelmann, scheint nicht zufrieden mit den Ergebnissen des Ideenwettbewerbs. Für den nächsten Schritt, den Realisierungswettbewerb, forderte er im rbb: "Lassen Sie mich das etwas salopp formulieren: Da muss noch etwas mehr gehen." Es solle "etwas Prägnantes für unsere Zeit" geschaffen werden, anknüpfend an die Architektur Mies van der Rohes mit der Nationalgalerie und Hans Scharouns mit der Philharmonie. Er kritisierte, dass viele Entwürfe auf unterirdische Geschosse setzen: "Ich glaube nicht, dass wir gut beraten sein werden, die größten Teile des Museums nicht auch öffentlich zu haben, sondern erst einmal in den Untergrund gehen müssten, um die prächtigen Kunstschätze zu sehen." Er hoffe, es gelinge wieder Architekturgeschichte zu schreiben, wie es in Berlin vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Fall gewesen sei. 

Alle 460 Entwürfe des Ideenwettbewerbs können zwischen 26. Februar und 13. März im Kulturforum besichtigt werden. Ende des Jahres soll echter Siegerentwurf gekürt werden.

Mit Informationen von Boris Hermel

Ideenwettbewerb "Das Museum des 20. Jahrhunderts"

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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