Die Untertitelungsanlage der Komischen Oper Berlin. (Quelle: Komische Oper/Gunnar Geller)

Kosten haben sich verdoppelt - Berliner Staatsoper bekommt keine Untertitel

Die Untertitel im Sitz des Vordermanns - in der Komischen Oper Berlin ist das Standard. Auch die Berliner Staatsoper sollte solch ein System bekommen, für knapp eine Million Euro. Inzwischen ist klar, die Untertitelungsanlage würde fast doppelt so viel kosten - zu teuer. Ganz ohne Titel müssen Opernbesucher trotzdem nicht auskommen.  

In der Oper genießt man zwar am besten die Musik. Trotzdem kann es nicht schaden auch zu verstehen, was da vorne auf der Bühne gesungen wird. In den richtig schicken Opernhäusern gibt es daher Untertiteleinblendungen – vorstellen kann man sich das wie im Flugzeug.

Die neue Bestuhlung mit integrierter Übersetzungsanlage in der Komischen Oper in Berlin. (Quelle: dpa)
Die Untertitelungsanlage in der Komischen Oper Berlin.

Ein Display im Vordersitz, oder in der Brüstung, auf dem der gesungene Text eingeblendet wird. In Berlin gibt es das z.B. schon in der Komischen Oper, der Besucher hat sogar die Auswahl zwischen verschiedenen Sprachen.

Geplant war dieses Untertitelungssystem auch für die Berliner Staatsoper, die im Moment saniert wird. Daraus wird aber nichts. Schon im Mai vergangenen Jahres war klar: die sogenannte UTA soll nicht realisiert werden, so der Regierende Bürgermeister gegenüber der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Das geht jetzt aus einer Antwort des Abgeordnetenhaus auf die schriftliche Anfrage des Piraten Wolfram Prieß hervor.       

Grund dafür: zu hohe Kosten. Innerhalb von fünf Jahren, hatten sich diese fast verdoppelt. Waren ursprünglich 1,2 Millionen Euro für die UTA angesetzt, stand der Kostenpunkt 2013 schon bei 1,6 Millionen. Anfang letzten Jahres war dann klar, die UTA wird 2,15 Millionen Euro kosten - zu teuer. Laut Abgeordnetenhaus wurde zwar noch mehrfach darüber diskutiert, die fest installierten Displays durch tragbare Pads zu ersetzen, der Gedanke wurde aber schließlich auch verworfen, "aufgrund der Störungen des Aufführungsbetriebes durch bewegte und unkontrollierte Lichtemissionen und einen hohen Aufwand im Betrieb für Wartung." Fest steht also: "Die UTA wird nicht mehr realisiert."  

Ganz ohne Betitelung wird die Berliner Staatsoper – wenn sie fertig ist – dann aber nicht bleiben. Statt der UTA soll die ÜTA kommen, eine Übertitelungsanlage, bei der der Text auf einem großen Display oberhalb der Bühne eingeblendet wird. Eine ÜTA hatte die Staatsoper bereits vor der Sanierung.

Kosten für die gesamte Sanierung doppet so hoch

Die Sanierung der Berliner Staatsoper sollte eigentlich schon 2013 abgeschlossen sein, inzwischen wurde der Eröffnungstermin auf Herbst 2017 gelegt. Auch die Kosten für den Umbau des Gebäudes nach den Vorgaben des Denkmalschutzes, wurden anfangs falsch eingeschätzt. Eigentlich sollten es 239 Millionen Euro sein, inzwischen liegen die Kosten bei etwa 400 Millionen Euro.

Darsteller stehen bei der Fotoprobe zur Oper "Le nozze di Figaro" 03.11.2015 in der Staatsoper im Schiller Theater in Berlin auf der Bühne. (Quelle: dpa)
Darsteller stehen in "Le nozze di Figaro" in der Staatsoper im Schiller Theater in Berlin auf der Bühne.

Baudirektorin: Zeitplan von Anfang an zu knapp

Um die Konsequenzen und Verantwortung für die Misere aufzuklären, hat das Berliner Abgeordnetenhaus bereits im vergangenen Jahr einen Untersuchungsausschuss eingesetzt. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher bemängelte darin, dass der Zeitplan von Anfang an ohne zeitliche Puffer gerechnet war. Es habe keine Kapazität für Unvorhergesehenes gegeben, da seien Probleme programmiert.

Das Ensemble der Staatsoper gastiert bis zur Fertigstellung des Hauses im Schillertheater in Charlottenburg. Was die Betitelung angeht dürfte der Umzug zurück in die Staatsoper dann nicht allzu viele Anpassungsschwierigkeiten mit sich bringen. Im Schillertheater gibt es auch nur eine Übertitelungsanlage.

Hinter den Bauplänen der Staatsoper

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