Vladimir Malakhov und Beatrice Knop führen das Stück "The Old Man and Me" am 16.12.2015 im Staatlichen Kremlpalast in Moskau auf (Quelle: imago/ITAR-TASS)

Beatrice Knop beendet Tanzkarriere - Die letzte Révérence

Beatrice Knop hat als "Nikia" oder "Tatiana" an der Tanzgeschichte der Berliner Staatsballetts mitgeschrieben. Nun nimmt die Primaballerina nach 25 Jahren Abschied von der Bühne der Deutschen Oper - und freut sich vor allem auf bislang verbotene Erlebnisse. Von Vera Block

Beatrice Knop wirft den Kopf zurück, schließt für einen Augenblick die jadegrünen Augen und lächelt verträumt. Worauf sie sich wohl freut in ihrem neuen Leben ohne Spitzenschuhe und Tütü? Auf Ski fahren! "Das habe ich meine ganze Karriere vermieden und etwas, was ich jetzt erleben darf: Winterurlaub."

Doch zuvor gilt es, den allerletzten Abend als Königinmutter in Patrice Barts "Schwanensee" auf der Bühne der Deutschen Oper zu meistern. 25 Jahre liegen zwischen diesem letzten Auftritt und den Anfängen an der Staatsoper Unter den Linden. Dort wurde die Absolventin der Staatlichen Ballettschule 1991 als Solistin engagiert.

Damals, zur Wende-Zeit, passierte im Leben der Beatrice Knop viel Aufregendes. Den Mauerfall selbst hat sie zwar wortwörtlich verschlafen. Aber kurz davor gewann Beatrice Knop, ein Mädchen aus Pankow, unerwartet den wichtigsten Nachwuchs-Ballettwettbewerb Grand Prix de Lausanne/Tokio. Dafür gab es ein Telegramm von der Staatsregierung und vom Preisgeld einen Walkman, um Ballettmusik auch unterwegs zu hören.

Beatrice Knop als Königin und Michael Banzhaf als König Florestan am 12.02.2015 bei der Probe zum Tschaikowsky-Ballett Dornröschen in der Berliner Deutschen Oper (Quelle: imago/Scherf)
Vladimir Malakov und Beatrice Knop in "The old man and me"

Malachov nannte sie "Mama"

Zehn Jahre später wurde Beatrice Knop zur Primaballerina erst an der Staatsoper Unter den Linden und dann beim Staatsballett Berlin. Der erste Intendant der Compagnie, der Startänzer Vladimir Malachov, nannte sie "Mama". Das irritierte die jüngere Ballerina, doch bald fand sie die Erklärung für den Kosenamen: "Dieses Mama ist bei ihm hängengeblieben, weil in einer unserer ersten Vorstellungen war ich seine Mutter im Schwanensee, die Königinmutter, und seitdem, ab und an, kam dieses Mama bei ihm immer wieder heraus."

"Ich wäre nie gerne nur die Böse, Starke, Stolze"

Beatrice Knop tanzt zum Abschied wieder die Königinmutter im Schwanensee. Unvergessen wird aber auch ihre Doppelrolle als Schwanenprinzessin Odette/Odile bleiben. Im Laufe ihrer Karriere hat Knop alle großen Frauenrollen verkörpert. Sie tanzte oft gleich mehrere Charaktere in einer Produktion - wie das Bauernmädchen Giselle und Myrtha,  die Königin der Willis in Giselle. Oder die Sklavin Nikia und die eifersüchtige Königstochter Hamsatti in Die Bajadere. Eine Seltenheit im klassischen Ballett: "In den meisten klassischen Balletts gibt es  immer die Hauptrolle und die zweite weibliche Hauptrolle. Es geht oft um die Gute und die Böse. Aber es ist eher ungewöhnlich, dass eine Ballerina die Möglichkeiten hat, beide Rollen zu tanzen, weil eigentlich besetzt man Rollen sehr nach Typ."

Nur wollte Beatrice Knop nie ein bestimmter Typ sein. Während sie sich erinnert, fingert die Tänzerin an den Ringen ihrer rechten Hand: ein silberner und ein goldener. Das hat sie sich selbst so ausgesucht. Sie mag es eben, Unterschiede zu vereinen: "Ich wäre nie meine Karriere lang gerne nur die Böse, Starke, Stolze gewesen. Das hätte mich irgendwann gelangweilt und ich habe in mir gesehen, dass ich auch eine andere sein kann."

Eine neue Rolle für die Primaballerina

Mit 43 schlüpft Beatrice Knop nun in eine neue Rolle - die einer Ballettmeisterin. Sie mag es und sie kann es: Andere positiv zu motivieren, ihre Erfahrung konstruktiv und hilfegebend vermitteln. Das hat Beatrice Knop die letzten paar Jahre intensiv ausprobiert. Die Bühnenauftritte wurden seltener. Ballettfans munkelten, es habe mit dem neuen Intendanten Nacho Duato zu tun, dass die Primaballerina sich rar macht und nun ganz verabschiedet. Beatrice Knop schüttelt energisch den Kopf, man kenne sich seit 2002 und es war lange klar, dass sie ihren Abschied plane. "Als er als Intendant ans Staatsballett kam, habe ich ihm gesagt, dass ich langsam an den Bühnenabschied denke und aufgrund körperlicher Probleme bestimmte Sachen nicht mehr tanzen möchte. Duato meinte, das sei schade, dass er erst kommt, als ich aufhöre zu tanzen". Die Zusammenarbeit wird nun hinter der Bühne stattfinden. Beatrice Knop will Nachwuchs trainieren und in der Produktionsleitung den Alltag des Staatsballetts mitorganisieren.

Beatrice Knop tanzt in Dornröschen (Quelle: Staatsballet Berlin/ Revazov)
Beatrice Knop in "Dornröschen"

"Das wird ein sehr emotionaler Moment"

Auch räumlich bedeutet das einen Seitenwechsel: Im Staatsballett befinden sich die Tanzsäle dem Flur lang links und die Büros liegen rechts. Noch führt Beatrice Knop ihr Weg in einen Proberaum, wo Polina Semionova und Marian Walter das Schwanensee-Pas de Deux proben - für Beatrice Knops letzte Vorstellung. Die Ballerina beobachtet das tanzende Paar ohne Wehmut in den Augen. Vor eineinhalb Jahren hätte sie dabei wohl noch Herzschmerz empfunden, meint Beatrice Knop, aber jetzt nicht mehr. Zum Schluss habe sie nur noch unter Schmerzen getanzt und sei nun froh, es nicht mehr zu müssen.
Ob sie bis zum letzten Tanz gefasst bleibt, wird sich Donnerstagabend zeigen. Nach 25 Jahren auf der Bühne könnte es dann doch vielleicht noch Tränen geben, sagt Knop. "Jetzt, wo es direkt darauf zugeht, habe ich fast das Gefühl, es könnte nochmal emotional werden".

Beitrag von Vera Block

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

Das könnte Sie auch interessieren

Saal des Theaters am Kurfürstendamm (Quelle: Thomas Grünholz)

Abriss oder nicht? - Hängepartie um Kudamm-Bühnen geht weiter

Räumung und Abriss? Oder können die altehrwürdigen Kudamm-Bühnen bleiben? Der neue Investor will Theater und Komödie räumen und abreißen lassen und eine neue Bühne im Tiefgeschoss errichten. Doch ob die Klage des Investors auf Abriss zulässig ist, ist noch immer nicht geklärt.