Auf der griechischen Insel Lesbos werden am 02.02.2016 Rettungswesten verladen, die der chinesische Künstler Ai Weiwei in Berlin für ein Mahnmal für ertrunkene Flüchtlinge benutzen will. (Quelle: dpa)

Rettungswesten sollen an Ertrunkene erinnern - Ai Weiwei plant Mahnmal für Flüchtlinge in Berlin

Fast 700 Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr auf der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland ertrunken. Ihnen will der chinesische Künstler Ai Weiwei nun ein Mahnmal errichten - in Berlin, wo er derzeit eine Gastprofessur hat. Von der griechischen Insel Lesbos hat er dafür tausende Rettungswesten bekommen.

Der chinesische Künstler Ai Weiwei will in Berlin ein Mahnmal zum Gedenken an die auf ihrem Weg nach Europa ertrunkenen Flüchtlinge errichten. Es soll aus 14.000 Rettungswesten bestehen. Diese hat er von der griechischen Insel Lesbos erhalten, wie die Behörden am Dienstag mitteilten. Das Kunstprojekt soll demnach auf das "Verbrechen" aufmerksam machen, "das Tag für Tag von skrupellosen Menschenschmugglern in der Ägäis verübt wird".

Nahe dem Hauptort Mithymna liegen zehntausende Rettungswesten, die Flüchtlinge nach der Überfahrt an den Stränden von Lesbos zurückgelassen hatten. Oft handelt es sich um Billigwesten aus der Türkei, die bei einem Bootsunglück völlig nutzlos sind.

Ai hatte bereits im Januar angekündigt, auf Lesbos ein Mahnmal für Flüchtlinge errichten zu wollen. "Viele Menschen haben in den Wellen ihr Leben verloren, wir brauchen ein Denkmal", sagte er damals der Nachrichtenagentur AFP. Er habe bereits ein Atelier auf Lesbos eingerichtet, das sich an "verschiedenen Projekten" beteiligen werde.

Ai Weiwei stellt Bild von ertrunkenem Flüchtlingsjungen nach

Kürzlich erst sorgte der Künstler mit einem Porträt für kontroverse Diskussionen. Er stellte das Foto des ertrunkenen syrischen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi nach, indem er sich am Strand von Lesbos selbst bäuchlings auf die Steine legte und sich dabei von dem Fotografen Rohit Chawla ablichten ließ. Das Bild, das für ein Interview des indischen Magazins "India Today" gemacht wurde, war am Wochenende auf der Kunstmesse "India Art Fair" in Neu Delhi zu sehen. "Künstler sollten eher menschlich als politisch sein", sagte Ai Weiwei laut "India Today" auf der Messe.

Zahlreiche Twitter-Nutzer nannten das Bild am Montag  "überwältigend" und "tief bewegend", einige kritisierten es aber auch. Auf der Flucht Richtung Griechenland war der dreijährige Aylan im September 2015 zusammen mit seinem fünfjährigen Bruder und seiner Mutter vor der türkischen Küste ertrunken. Das Foto des toten an den Strand gespülten Jungen ging als tragisches Symbol der Flüchtlingskrise um die Welt.

Ai Weiwei unterstützt verschiedene Flüchtlingsprojekte und setzt auch selbst immer wieder politische Zeichen. Vergangene Woche hatte er aus Protest gegen die verschärfte Asylpolitik der dänischen Regierung eine Schau mit seinen Werken in Kopenhagen gestoppt.

Der Künstler hat zur Zeit eine Gastprofessur an der Universität der Künste in Berlin inne. Anfang November 2015 hielt er dort seine Antrittsvorlesung.


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