Der neue Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie, dffb, Ben Gibson - Foto: Stephan Rabold - Copyright: DFFB
Audio: Inforadio | 09.02.2016 | Beitrag von Nadine Kreuzahler

Deutsche Film- und Fernsehakademie - Produzent Ben Gibson nimmt auf dem DFFB-Chefsessel Platz

Harun Farocki, Detlev Buck und Christian Petzold - die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) hat viele berühmte Regisseure hervorgebracht. Zuletzt aber war die Filmhochschule vor allem wegen Querelen um den Chefposten in den Schlagzeilen. Nun wurde der Produzent Ben Gibson als neuer Direktor vorgestellt. Von Nadine Kreuzahler

Sonnengebräunt erscheint Ben Gibson am Montag in einem Seminarraum der DFFB am Potsdamer Platz und entschuldigt sich erst einmal dafür, noch kein Deutsch zu sprechen. Erst am Vortag sei er mit seiner Frau und den drei Kindern in Berlin angekommen, noch sei er Tourist, bevor sein Job am nächsten Montag offiziell losgehe. Dann will er vor allem erst mal zuhören und sondieren. Die DFFB sei eine der großen Institutionen der europäischen Filmkultur, sagt Gibson. "Wir werden uns erst einmal alles ganz genau angucken. Es kann ja nicht sein, dass Ben Gibson hier ankommt und sagt: 'Ich habe diese und jene Idee und mache das jetzt so und so.' Ich will mit den Studenten und Lehrenden zusammenarbeiten."

Filmhaus Berlin am Postdamer Platz (Bild: imago/blickwinkel)

Proteste, Boykott und eine zurückgezogene Kandidatur

Scheint, als wisse der 57-Jährige genau, was er zu sagen hat. Gibson tritt die Nachfolge von Jan Schütte an, der im Herbst 2014 überraschend zurückgetreten war. Bei der anschließenden Suche nach einem Nachfolger fühlten sich Studierende und viele Lehrende vom Kuratorium unter der Leitung der Staatskanzlei übergangen. Es kam zu Protesten und Boykott, zu einer Klage und einer zurückgezogenen Kandidatur. Es ging um Persönliches, aber auch um die grundsätzliche Ausrichtung der Filmhochschule - künstlerische Freiheit gegen mehr Marktorientierung. 

Konflikt: Produzent oder Regisseur an der Spitze?

Ben Gibson scheint als unabhängiger Filmproduzent auch von Low-Budget-und Arthouse-Produktionen, als Verleiher und Ex-Chef der London Film School, beides zu vereinen. Trotzdem schlägt ihm Misstrauen entgegen. "Die Leute sagen, sie haben mich nur eingestellt, weil ich Produzent bin. Man brauche aber einen visionären Regisseur, um die Filmhochschule zu leiten. Als Produzent interessiere mich doch nur der Vertrieb", fasst Gibson die Vorwürfe zusammen. Man müsse den Studenten beibringen, was ein Produzent eigentlich mache, meint er. "Und schon ist man mittendrin in der Debatte. Ich glaube, die Leute werden schnell merken, worum es mir geht."

Ben Gibson möchte die DFFB internationaler machen und den Fokus noch stärker aufs Handwerk legen, ließ er bei seiner Vorstellung durchsickern. Dabei fühle er sich der Tradition des besonderen filmischen Realismus der DFFB verpflichtet.

Was das heißt, muss der neue Direktor im 50. Jubiläumsjahr der Filmhochschule noch beweisen.

Beitrag von Nadine Kreuzahler, Inforadio

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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