Schauspieler Sebastian Rudolph während einer Probe zur Schaubühnen-Inszenierung Borgen (Quelle: Schaubühne/Arno Declair)

Dänische Erfolgserie "Borgen" feiert Theater-Premiere - 30 Stunden Fernsehen auf der Berliner Schaubühne

Drei Staffeln mit je zehn Folgen. Das ist die bisherige Bilanz der dänischen Erfolgsfernsehserie "Borgen". Die Schaubühne Berlin will sie nun auf die Bühne bringen. Wie die 30 Stunden Fernseh-Stoff im Theater funktionieren sollen, hat Schauspieler Sebastian Rudolph dem rbb Kulturradio berichtet.

Die dänische Fernsehserie "Borgen" hat Menschen in Dutzenden Ländern begeistert. Es geht darin um eine idealistische Politikerin, die unerwartet Ministerpräsidentin wird. Ab diesem Zeitpunkt muss sie sich mit Intrigen in der Politik und mit Problemen privater Natur herumschlagen. Mithilfe eines Spindoctors, der sie als Idealistin stilisiert, bleibt sie an der Macht.  

Alle Mitwirkenden an Grenzen gestoßen

Regisseur Nicolas Stemann hat die dänische Fernsehserie für das Theater bearbeitet. Am Samstag gibt es das Ergebnis als Premiere in der Berliner Schaubühne zu sehen. Stemanns Inszenierung untersuche, was die Machttechniken der Politiker mit den Problemen der Gesellschaft zu tun haben, kündigte die Berliner Schaubühne die Produktion an.

Schauspieler Sebastian Rudolph ist Mitwirkender in diesem Vier-Mann-Schauspiel. Im Gespräch mit dem rbb Kulturradio sagte er, die Proben seien ein Learning-by-doing-Prozess gewesen. Dabei seien auch Regisseur, Dramaturg und die Schauspieler immer wieder an Grenzen gestoßen, die Rudpolph an die Überforderung von Politikern erinnere.

Sebastian Rudolph, Stephanie Eidt, Regine Zimmermann und Tilman Strauß in der Schaubühnen-Inszenierung "Borgen" (Quelle: Schaubühne/Arno Declair)
Sebastian Rudolph, Stephanie Eidt, Regine Zimmermann und Tilman Strauß in der Schaubühnen-Inszenierung "Borgen"

Rudolph hätte aber durchaus einen Erkenntnisgewinn aus den Vorbereitungen für das Bühnen-Borgen gezogen. Man verstehe wie Politiker arbeiten. Überhaupt habe die Serie ja dazu beigetragen, dass viele Menschen wieder an die Politik glaubten, sagte er weiter. Der Schauspieler sieht damit sogar das geflügelte Wort "Demokratie ist die schlechteste Staatsform - abgesehen von allen anderen, die wir ausprobiert haben" bestätigt.  

Könnte Brigitte Nyborg aus Marine Le Pen sein?

Das Ensemble habe beim Herantasten an den Stoff viele verschiedene Richtungen ausprobiert. So sei der Einfluss von Spindoctoren im Stück "sehr toll herausgearbeitet". Dieser sei auch "in Wirklichkeit so, wird aber gar nicht hinterfragt". Der Spindoctor in Borgen braucht Brigitte Nyborg als Idealistin, damit sie Ministerpräsidentin werden könne. Nach Ansicht von Rudolph könnte das im "wahren Leben ebenso eine Marine Le Pen sein". Sie sei eben eine Frau, die sich anders verhält und dem eingefahrenen Politikbetrieb etwas entgegensetzt.  

Borgen-Dramaturg Bernd Stegeman sagte der "Berliner Zeitung", dass sich die Theaterversion auf die ersten beiden Staffeln beschränken werde. Die Folgen würden natürlich kürzer erzählt, sagte er weiter. Für ihn ist es logisch, dass Regisseur Stemann, der auch als Meister des Epischen gilt, sich dem großen epischen Format unserer Zeit annehme, eben der Fernsehserie. Das Spinddoctor-Prinzip der Serie werde auf die ganze Inszenierung angewendet, indem die Vorgänge hinter den Vorgängen sichtbar gemacht werden sollen.

Trial and Error als gängige demokratische Praxis

"Politik ist auch ein Spiel von Trial and Error", wird er zitiert. Genau so agiere die zu Beginn noch recht naive Ministerpräsidentin Nyborg auch. Später würden Inszenierungsmechanismen gesucht, die sie handlungsmächtiger wirken lassen. Laut Stegeman ist dies die derzeitige demokratische Praxis. "Es scheint oft so, als würde etwas, das man selber noch nicht versteht, nur darum gewollt, weil es einem erst einmal die Position sichert."

Stephanie Eidt spielt in der Theater-Version von Borgen die Ministerpräsidentin Brigitte Nyborg (Quelle: Schaubühne/Arno Declair)
Stefanie Eidt spielt in der Schaubühnen-Inszenierung "Borgen" die anfangs naive Ministerpräsidentin Brigitte Nyborg

Die realen Bezüge im Stück zur deutschen aktuellen Politik seien enorm. Das Ensemble habe sich zur Vorbereitung auch mit Spindoctoren getroffen. Insgesamt bleibe das Stück aber stark bei der Serie und schweife nicht zu sehr ab, so Rudolph weiter. Nach einem Bericht des "Tagesspiegel" benutzt Stegemann für Borgen Teleprompter, von denen die Schauspieler ablesen. Dies sei ein Mittel, dass aus dem politischen Alltag gut bekannt ist.

Stück wird womöglich noch einmal umgeschmissen

Rudolph hat mit Regisseur Nicolas Stemann schon mehrmals zusammengearbeitet. Was der vielfach ausgezeichnete Schauspieler an Stemann schätzt, ist dass der sich ständig hinterfrage, was er da eigentlich tue, sagte Rudolph im rbb. Es könnte also sein, dass auch noch zwei Tage vor der Premiere nochmal komplett geändert werde. "So stelle ich mir Theater vor", so der gebürtige Berliner, der festest Ensemble-Mitglied am Thalia-Theater in Hamburg ist.

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