Besucher vor den Fotos aus der Serie Uncommon Places von Stephen Shore, amerikanischer Fotograf, bei der Ausstellungseröffnung im Museum für Fotografie C/O-Galerie in Berlin. (Quelle: imago/IPON)

Shore, Wüst und Puklus in der C/O Berlin - Ikonen der Fotokunst

Die Berliner Galerie C/O ist in der Stadt bekannt für ihre spektakulären Foto-Ausstellungen. Um ihren Ruf treu zu bleiben, sind nun gleich drei Kracher im Programm: die Retrospektive von Stephen Shore, drei Serien von Ulrich Wüst und "Unsafe to Dance" von Peter Puklus. Von Jürgen Gressel-Hichert

Nichts ist vor ihm sicher. Der Blick ins Hotelzimmer, Wolkenformationen, ein Mülleimer, Fast-Food-Arrangements, eigenwillige Porträts von eigenwilligen Leuten. Stephen Shore gehört zu den bedeutendsten Fotografen der Gegenwart und das, obwohl er Fotos von so unspektakulären Motiven wie das einer Tankstelle oder einem nicht minder langweiligen Highway geschossen hat. Oder vielleicht gerade weil er dies tat und tut, ist er heute ein Fotopionier, der das Alleralltäglichste ablichtet, es zwar arrangiert, aber nicht überästhetisiert. Jeder Moment kann der fotografisch richtige sein. Von jedem Gegenstand. Andy Warhol, den er sehr verehrte, und in dessen "Fabrik" er lebte, hat ihn vielleicht zu diesem Sehen gebracht

Stephen Shore (Jahrgang 1947) hat schon früh als Kind mit dem Fotografieren angefangen, und oft war er der erste: Mit 14 bietet er - völlig unbekannt - dem damaligen Kurator des MoMA eigene Fotos an und der kauft tatsächlich drei Werke. Drei Jahre später zieht er zu Andy Warhol in die Factory, mit 24 ist er der erste lebende Fotograf mit einer Einzelausstellung im New Yorker Metropolitan Museum of Art.

Stephen Shore in C/O Berlin (Quelle: rbb/Karo Krämer)
Stephen Shore in der C/O Berlin

Die Normalität wirkt

In den 1970er Jahren reist er kreuz und quer durch seine Heimat und dokumentiert den "american way" wie er ihn sieht. Und anders als die meisten seiner Fotokünstlerkollegen arbeitet er mit der damals noch als eher kitschig, keineswegs aber künstlerisch wertvollen Farbfotografie. Seine Aufnahmen von einer Chevron-Tankstelle, seine Hotelinnenansichten und die oft wenig appetitanregenden Fast-Food-Fotos sind auch deshalb so spektakulär, weil sie es nicht sind. Der Widerspruch löst sich schnell auf, wenn man sie in ihrer Normalität auf sich wirken lässt. Live is so … interesting?

Den Sprung nach Europa hat er wohl auch dem 2007 verstorbenen Fotografenkollegen Bernd Becher zu verdanken. Er nahm 1977 an der documenta 6 in Kassel teil und wurde mehrfach in Deutschland ausgestellt. 2010 erhielt er den renommierten Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie. Zeitgleich wurde seine Ausstellung "Der Rote Bulli" eröffnet.

Etwa 300 Fotografien sind in der Ausstellung bei C/O Berlin zu sehen, einige noch nie veröffentlichte, andere schon jetzt Ikonen der Fotokunst. C/O Berlin zeigt die Retrospektive als einzige Station in Deutschland.

Ulrich Wüst

Wenn man von der Fotografie in und aus der DDR redet, darf sein Name nicht fehlen: Ulrich Wüst, geboren 1949 in Magdeburg und seit 1972 mit Berlin verbandelt, hat zunächst Städte geplant und sie dann zum fotografischen Objekt gemacht. Seine Stadtansichten dokumentieren vor allem ost-deutsche Realitäten.

In manchen seiner sehr genau komponierten Bilder scheint ein Lufthauch der Einsamkeit zu wehen, wenn er menschenleere Stadtbilder schafft oder Brachen und undefinierte Orte in Städten ablichtet. Menschen in Landschaften blicken ins Leere. Auch hier hat der Fotograf so manches Mal - kühl und dokumentarisch - eine gewisse Sinnlosigkeit eingefangen. Ein Trabi parkt am Meer und ein Mensch schaut in die Ferne. Eine Frau und zwei Männer haben am Meer ihre Hosenbeine hochgekrempelt und blicken auf das Meer, in den Händen Taschen und Koffer.
Bei C/O Berlin werden 80 zum Teil noch nie ausgestellte Fotografien und Original-Leporellos aus den Serien "Stadtbilder", "Spätsommer" und "Randlagen" gezeigt.

Peter Puklus

Es ist beim Blick auf seine Werke nicht ganz so einfach zu sagen, was Peter Puklus eigentlich ist: ein Fotograf? Ein Bildkomponist? Ein Sammler? Ein Performer? Von allem ein wenig und vor allem mit allem ein wenig. Denn Peter Puklus versucht das eigene Sehen dadurch zu hinterfragen, dass er das Gesehene anders zusammensetzt. Er kollagiert, aber nicht nur mit dem Bild, das er aufnimmt, sondern, so scheint es, auch mit der Realität. Er setzt einen antiken Skulpturenkopf anders zusammen, lässt einen Torso schweben oder spielt mit der Fantasie des Betrachtenden, der nur die Spuren einer Existenz wahrnimmt, nicht das, was vielleicht kurz vorher noch war.

Zu theoretisch? Klingt vielleicht so, löst sich aber beim Betrachten der Werke ganz von allein auf. Etwa 100 Werke des ungarischen Künstlers sind bei C/O Berlin ab dem 6. Februar 2016 zu sehen.

Infos im Netz

C|O Berlin

Stephen Shore, 6. Februar bis 22. Mai

Ulrich Wüst, 6. Februar bis 24. April

Peter Puklus, 6. Februar bis 24. April

Beitrag von Jürgen Gressel-Hichert, kulturradio

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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