Die katholische St.-Hedwigskathedrale an der Südostecke des Bebelplatzes (Quelle: dpa)

Entscheidung des Diözesanrats - Berliner Katholiken wollen die Hedwigs-Kathedrale umbauen

Ob die Bischofskirche im Erzbistum Berlin nur saniert oder auch umgebaut werden soll, ist seit langem umstritten. Erzbischof Heiner Koch hatte die Spitzengremien des Bistums aufgerufen, Stellung zu beziehen. Die oberste Laien-Vertretung hat sich nun für die Umgestaltung ausgesprochen. Rechtlich bindend ist das allerdings nicht.  

Das oberste Laiengremium der Katholiken im Erzbistum Berlin hat sich mehrheitlich für einen umfassenden Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale ausgesprochen. Auf einer Vollversammlung des Diözesanrats zur umstrittenen Umgestaltung der Bischofskirche stimmten am Samstag 46 der anwesenden 60 Mitglieder dafür. Es gab 13 Gegenstimmen und eine Enthaltung, wie der Geschäftsführer des Diözesanrates, Hans-Joachim Ditz, im Anschluss in der Bundeshauptstadt mitteilte.

Der Diözesanrat mit insgesamt 93 Mitgliedern ist ein Zusammenschluss von Vertretern der Dekanatsräte und von katholischen Christen aus Gruppen, Verbänden und Arbeitskreisen sowie weiteren Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft im Erzbistum Berlin. Er ist die höchste Laienvertretung der mehr als 400.000 Katholiken im Erzbistum Berlin, Brandenburg und Vorpommern. Die zentrale Bischofskirche des Erzbistums liegt etwas versteckt in der Nähe der Staatsoper Unter den Linden.

Großes Gewicht für die Entscheidung des Bischofs

Der Beschluss ist nicht rechtlich bindend, wie Ditz erläuterte. Für die anstehende Entscheidungsfindung von Erzbischof Heiner Koch hat er jedoch großes Gewicht. Koch war auch selbst auf der Vollversammlung anwesend. Er hatte die Spitzengremien des Erzbistums aufgerufen, zu dem Projekt Stellung zu beziehen. Bis zum Sommer will er die endgültige Entscheidung treffen.

Nach Angaben eines Bistumssprechers stehen nach der Entscheidung des Diözesanrats noch zwei weitere Voten aus: Am 4. März soll Koch die Meinung des Priesterrats einholen, es fehlt auch noch das Votum des Pastoralrats.

Altar anstelle der Bodenöffnung

Das Votum des obersten Laiengremiums stützt die Umbaupläne von Leo Zogmayer und Peter Sichau, deren Entwurf Mitte 2014 in einem Wettbewerb zur Umgestaltung der Kirche als Sieger ausgewählt worden war. Ihr Vorhaben, das zusätzlich zu einer Sanierung einen umfassenden Umbau vorsieht, ist vor allem wegen der geplanten Schließung der Bodenöffnung in der Kathedrale mit Treppe zur Unterkirche umstritten.

Die Öffnung entstand beim Wiederaufbau der Kathedrale nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Düsseldorfer Architekten Hans Schwippert (1899-1973) und symbolisiert die enge Verbindung der Gottesdienstgemeinde mit ihren verstorbenen Bischöfen und Hitler-Gegnern wie dem selig gesprochenen Dompropst Bernhard Lichtenberg (1875-1943). Der Umbauentwurf sieht vor, anstelle der Öffnung den Altar ins Zentrum der Kirche zu setzen.

Umbau geht auf Kochs Vorgänger Wölki zurück

Die Bodenöffnung teilt die Gottesdienstgemeinde in zwei Teile und hält sie auf Distanz zu den Priestern. Ein gemeinsames Feiern im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils sei so nur schwer möglich, argumentieren die Umbau-Befürworter. Kritiker der Umgestaltungs-Pläne monieren unter anderem die hohen Kosten. Auch Denkmalschützer gehören dazu. Die Alternative zu den Umbau-Plänen ist, den ältesten katholischen Sakralbau in der Bundeshauptstadt lediglich gründlich zu sanieren. Die Idee einer Umgestaltung geht auf Kochs Vorgänger Rainer Maria Woelki zurück.

Für beide Varianten haben zwei Architekturbüros im Auftrag des Erzbistums die möglichen Kosten ermittelt. Demnach wird eine bloße Sanierung mit knapp 17 Millionen Euro veranschlagt, Sanierung und Umbau mit etwa 43 Millionen Euro. Nach Kirchenangaben stehen öffentliche Fördermittel in Millionenhöhe in Aussicht.  

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