Interview | Bernhard Henrich könnte "Oscar" gewinnen - "Und wir sind jetzt auch mal dran"

Der 28. Februar könnte ein großer Tag für Bernhard Henrich werden. Der Berliner Filmdekorateur könnte nämlich in Los Angeles einen Oscar gewinnen. Nominiert wurde er für sein Setdesign zu "Bridge of Spies". Den Preis mit nach Hause zu bringen wäre Lohn für viele fleißige Hände in den Babelsberger Filmstudios, sagt Henrich im Interview.

Herr Henrich, erstmal schon Glückwunsch, die Oscarnominierung ist schon mal ein ganz schöner Schritt. Wie ist Ihr Grundgefühl jetzt im Moment?

Ich bin schon aufgeregt - natürlich - und glücklich. Irgendwie ist das Ganze für mich sehr surreal. Ich habe immer das Gefühl: Ich stehe außen und beobachte jemand anderen.

Wie war das? Sie sitzen nett zuhause auf dem Sofa, dann kommt der Anruf aus Los Angeles und Sie schreien 'Yippie!'. Aber so ist es aber gar nicht, in Ihrer Szene weiß man ein paar Dinge schon

Ja,  es gibt die sogenannten Rankings von "Variety", "Hollywood Reporter" und vielen anderen Magazinen. Da wird dann immer eingeschätzt: 'Wer wird nominiert, wer nicht?'. Und diese Infos hatte ich schon in der Vergangenheit bei anderen Filmen wie "Monuments Men" und "Valkyrie" immer gelesen. Kollegen schicken diese Rankings auch zu und sagen: "Oh, wir sind ja ziemlich weit vorne!". […] Dieses Mal wurden in Los Angeles die Nominees präsentiert und es kam so alles Mögliche, erst die normalen Sparten und dann die Hauptsparten. Und dann kam "Achievement of Production Design". Die ersten waren wir und dann stand mein Name da. Unser Alltag ist ja schon, dass man mit bekannten Größen viel zu tun hat und man ist schon relativ cool, es kann einen nichts schocken. Aber das hat mich dann doch irgendwie von den Socken gehauen.

Sie haben schon Menschen wie Tom Cruise und Matt Damon gearbeitet. Wie sind die so als Arbeitskollegen?

Das ist unterschiedlich, ich bin ja als Setdesigner nicht ständig mit den Schauspielern zusammen. Aber ich muss sagen: Ich finde die amerikanischen Schauspieler sind wahnsinnig professionell. Ich habe nie irgendwie groß Trouble erlebt. Es mag sein, dass die mit ihren Managern vorher alle Bedingungen klären. Aber sie können ihren Text, sie meckern nie, auch wenn sie stundenlang am Set warten müssen. Das finde ich schon toll. Und viele der großen Stars, zum Beispiel Tom Cruise, über den man viele Geschichten erzählt, habe ich ein wahnsinnig aufmerksamen Menschen kennen gelernt. Der auch wirklich alles behalten hat. Der hat mich ständig gefragt: 'Na wie ist denn das gelaufen? Hast du jetzt das gefunden?' George Clooney auch. Und es gibt viele. Andere sind halt ein bisschen zurückhaltender und da hat man wenig Kontakt.

Sie müssen Sachen überlegen wie: Was für Tapeten will ich, welche Ausstattung will ich? Wie machen Sie das, damit es im Film dann alles richtig aussieht?

Vielleicht erkläre ich erstmal den Team-Aufbau […]. Es gibt den Production Designer, auf Deutsch Szenenbildner. Der entwickelt das Grundkonzept des Films, also den Look des Films, in Absprache mit dem Regisseur. Die überlegen sich: Wie legen wir das an? Und ich fange dann oft zu dieser Zeit damit an, meine Auszüge anhand des Drehbuches zu machen. Auszüge heißt: Alles, was in der Szene passiert, schreibe ich mir in eine Datenbank damit man sieht, in welchem Motiv welche Szenen spielen. Dann weiß ich auch, was ein Motiv können muss. Und mache auch schon Recherchen. Dann sitzen wir zusammen und ich muss dann ein Konzept liefern: Wie soll die Ausstattung aussehen? Das sind nicht nur die Bauten, sondern auch Straßen. Vorschläge, wie Grundrisse und Möbel aussehen könnten. Dann muss ich das Ganze auch budgetieren und mit einem Team umsetzen.

Ich habe vor kurzem eine Produktion gesehen, die in Berlin spielte. Die Autos hatten alle falsche Nummernschilder – was mich geärgert hat. Wie sehen Sie Filme

Ich sehe Filme immer als Zuschauer. Ganz ehrlich. Das ist komisch, ich werde so oft gefragt:  'Siehst du das? Guckst du darauf?' Wenn es ein blöder Film ist, ist es ein blöder Film, wenn er gut ist, übersieht man auch mehr. Aber ja: Fehler passieren immer wieder. Ich könnte auch bei mir Fehler sagen, die passiert sind.

Was war denn der schlimmste Fehler?

Naja, da war ich nicht die Ursache. An der Berliner Messe wurde 2007/ 2008 für "Operation Walküre" mit Tom Cruise gedreht und alle 130 Flaggen an den Masten waren falsch. Das waren diese Messefahnen, die gab's nie zu der Zeit. Es war - auch mit mir - abgesprochen, dass die Flaggen seitlich hängen und im Wind wehen. Gut, es war die Second Unit, die immer so ein bisschen ein Stiefkind ist. Und dann waren irgendwelche Motivbesichtigungen, alle fanden, dass es toll aussieht. Keiner hat den Fehler bemerkt. Mich haben schon Leute angerufen, die Tapete wäre in der Zeit nicht gewesen, aber das was nun wirklich ein Riesenbild war und total falsch - da hat sich keiner gemeldet.

Dreharbeiten zu einem Film über die Nazi-Zeit in Berlin (Quelle: imago)
Dreharbeiten zu "Operation Walküre" in Berlin

Können wir Sie am 28. Februar bei der Oscarverleihung in Los Angeles im Smoking sehen?

Nächste Woche fliege ich zum ersten Mal rüber, da gibt es das Luncheon mit allen Nominees. Und das sind wir nur alleine, da werden auch die Gruppenfotos gemacht und so weiter. Und da werde ich auch einen Anzug tragen. Zur richtigen Verleihung ist ‚Black Tie‘ angesagt. Und da hat mit eine namhafte deutsche Firma geholfen, indem sie gesagt hat: 'Dann werden Sie erstmal ordentlich angekleidet'. Da bin ich schon gut mit einem Smoking ausgestattet.

Haben Sie das Gefühl, jetzt auch mal dran zu sein mit einem Oscar - weil Sie gute Arbeit geleistet haben?

Ich muss ehrlich sagen, eine Ehrung ist etwas Tolles. Wir haben so viel gearbeitet und es sind ja die ganzen Teams dahinter. Und wir sind jetzt auch mal dran. Früher wurde man schon mal von Ausländern für Filme ins Ausland geholt. 1993 ging es dann hier in Babelsberg los mit "Unendliche Geschichte". Stück für Stück kamen immer mehr Produktionen hierher und es haben sich Teams zusammengestellt. Ich hatte das Glück dabei zu sein, weil ich schon viele ausländische Geschichten gemacht habe, auch bei US-Filmen schon als Set Decorator arbeiten konnte. Stück für Stück erreichen wir es nun, dass wir von hier auch in so einem Ami-Schinken drin sind. Es gab vor zwei Jahren die Lisy Christl als Kostümbildnerin, die auch für einen Oscar nominiert wurde bei Emmerichs Film ("Anonymus" von Roland Emmerich, Anm. d. Red.). Langsam trägt es Früchte, dass hier auch Leute so ausgebildet sind, dass sie international arbeiten können. Und dann ist es natürlich schön, wenn das ein bisschen belohnt wird.

Das Interview mit Bernhard Henrich führte Ingo Hoppe für radioBerlin 88,8. Dieser Text ist eine gekürzte Fassung des Gesprächs.

Hollywood in der Hauptstadt

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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