Präsident der Cottbuser Karnevalisten, Frank Czepok, spricht während einer Karnevalsgala. (Quelle: Michael Helbig)

Interview | Karneval in der Lausitz - "Nuff Nuff", "Alaaf" und "Hejo" in Cottbus

Karneval bedeutet auch in Cottbus Ausnahmezustand. Chef dieses Spezialvergnügens ist der Lausitzer Karnevalspräsident Frank Czepok - eine Art Urgestein des "Zugs der fröhlichen Leute". Czepok kann viel erzählen über die anstehenden wilden Tage. Im rbb-Interview erklärt er außerdem, wie der Faschingsgruß korrekt auszusehen hat.

Herr Czepok, es ist der 25. Umzug in Cottbus nach der Wende – ein Jubiläum also. Doch was sind die Jubiläumsthemen, worüber sollen die Leute besonders lachen?

Wir lassen uns überraschen. Grundsätzlich gilt für uns: Wir mischen uns da nicht ein – jede Gruppe setzt seinen eigenen Fokus. Aus den Erfahrungen der letzten Jahre kann ich sagen, dass das ziemlich breit ist. Da wird sicher die angekündigte Kreisreform eine Rolle spielen, es gibt sicher kleine Spitzen gegen die Stadt, ebenso wie gegen die Bundespolitik, da wird auch die Kanzlerin aufs Korn genommen. Aber kontrollieren? – Das machen wir nicht.

Auch Vorgaben machen wir keine, allerdings gilt ein Grundsatz: Keine Fremdenfeindlichkeit und Terror. Wer so etwas macht, wird rausgezogen, ganz einfach.

25 Jahre Karneval sind keine besonders lange Tradition für einen Karneval – warum so kurz?

So kurz ist die Geschichte gar nicht. Seit 1873 haben wir hier den Karneval. Aber immer mit Unterbrechungen, besonders dann, wenn es Einmischungen gab. Nur 1956 zu DDR-Zeiten - da musste der Karneval erst einmal zu Grabe getragen werden: Umzüge unerwünscht. Ab da wurde der Saalkarneval immer größer, also fanden eher dezentrale Veranstaltungen statt. 1984 haben wir dann versucht, einen Stadtumzug zu organisieren. Erlaubt wurde das aber nur auf dem Außenring - nee. Kurz nach der Wende sollte der Umzug dann 1991 wieder starten, aber der wurde abgesagt - wegen des Golfkrieges. 1992 haben wir dann gesagt: Jetzt geht's los!

Genau: Absagen zu DDR-Zeiten, Absagen 1991. Warum wurde der große Spaß und die Dollerei in den vergangenen Jahren nie mehr abgesagt – Gründe wie Krisen, Krieg und Trauer gab es doch genug?

“Jetzt gerade!" heißt da unser Motto. Also auch, wenn es schwer ist. Und dabei gilt dann, dass natürlich auch die aktuellen Themen thematisiert werden. Ausschlaggebend, ob hier ein Karneval stattfinden kann, ist eher: Können wir uns das leisten? – Doch hier haben wir immer wieder Leute gefunden, die den Karneval unterstützt haben, und die halfen, die Geld gaben. Dafür sind wir immer wieder dankbar.

Wonach haben sich denn die Leute gesehnt, als sie so scharf darauf waren, nach der Wende den Karneval wieder zu aktivieren?

Man muss sagen: 18 dezentrale Saalveranstaltungen waren es immerhin auch in den 1960er Jahren. Und die Säle waren voll. Hier waren sogar die Betriebe die Förderer. Und in den Reden gab es natürlich auch Häme und Spott gegen die offizielle Politik. Allerdings musste hier immer noch ein bisschen stärker umformuliert werden: Da wurde dann eben nicht von Honecker gesprochen, sondern vom Dachdecker. Entsprechend stark war aber dann auch der Drang, nach der Wende den Karneval auch wieder richtig zu reaktivieren.

Der "Zug der fröhlichen Leute" startet in der Franz-Mehring-Straße und führt über den Brandenburger Platz und die Karl-Liebknecht-Straße zum Viehmarkt. (Quelle: rbb-online/MityaChurikov)

Sonntag - der Ablauf

Bunter Zug durch Cottbus - Der "Zug der fröhlichen Leute"

  • ab 9 Uhr sind weite Teile der Innenstadt gesperrt

  • Start um 13.11 Uhr von der Franz-Mehring-Straße, über den Brandenburger Platz bis zur Karl-Liebknecht-Straße

  • ab 16.30 Uhr "Große Narrenfete" im Festzelt auf dem Viehmarkt

Und wie hat sich der Lausitzer Karneval dann nach der Wende entwickelt – wie groß war der Umzug zunächst, wie groß ist er heute?

1992  – auch wenn das dann erst der erste Umzug war, war er schon recht groß: 29 Vereine nahmen mit ihren Gruppen teil und 30.000 Menschen kamen. Und am Sonntag nun? - Wir rechnen mit 100.000.

Woher kommen denn die größten Fans des Cottbuser Karnevals?

Das Interesse ist hier durchaus überregional. Wir haben Hamburger, die kommen, Mecklenburger und natürlich die Berliner. Sogar aus Köln kommen einige. Die Sachsen sind stark vertreten. Es hat sich ganz einfach herumgesprochen, dass der Karneval in Cottbus ein Spaß ist. Bei uns geht vieles, was woanders nicht möglich ist.

Gibt es da besonders aktive Ortsgruppen, die Sie hervorheben würden?

Nein, ich will da keinen herausstellen. 50 Vereine, 67 Startergruppen sind beim Umzug dabei. Aber wichtig ist, es gibt einen neuen Trend, den wir unterstützen: Weg vom Wagen! Es soll ein Volksfest sein, also eher Gruppen, die mit eigener Choreografie durch die Stadt ziehen - das sorgt für Stimmung. Karneval - das ist ein Volksfest. Nur einfach das Rumwerfen von Kamelle vom Wagen - nee! Wir freuen uns auf mehr Aktion. 3.000 Aktive sind es hier, die für Unterhaltung und Spaß sorgen. Aber konkrete Absprachen gibt es keine - wir lassen uns überraschen.

Mehr Aktionen also und nicht nur das Rumwerfen von Süßigkeiten - gibt es da unterschiedliche Angebote für die unterschiedlichen Altersgruppen?

Wir sind sehr stolz auf unseren Nachwuchs, der dann auch beim Umzug dabei ist. Das ist natürlich für die Kinder am Straßenrand interessanter. Später dann nach dem Umzug im Festzelt präsentieren sich die Vereine noch einmal. Da gibt es auch für die etwas Älteren eine Diskothek. Schluss ist hier dann zwischen eins und drei.

Die Geschichte von Karneval ist immer auch die Geschichte von Prinzen und Prinzessinnen – wie steht es um die Kondition der beiden Hoheiten, also diesmal ist es "Seine Tollität Olaf“ und "Ihre Lieblichkeit Meike“?

Das Prinzenpaar, genauso wie ich, wir sind jeden Tag unterwegs, drei bis vier Termine können das schon 'mal am Tag sein. Aber unsere Auftritte sind getrennt, ab und zu treffen wir uns und tauschen uns aus. Und von daher kann ich sagen: Es läuft.

Sie machen das schon 25 Jahre und waren auch vorher schon schwer faschingsbegeistert. Worauf freuen Sie sich genau, wenn es alljährlich im Herbst los geht mit dem 11.11. und den Vorbereitungen?

Mit dem Karneval ist es wie mit dem Leben: eine Sinuskurve, also Höhen und Tiefen. Und für uns gibt es da eine Regel: Karneval – das ist Brauchtum und Brauchtum braucht Pflege. Höhepunkte gibt es da in jedem Jahr. Mir fällt es schwer, etwas herauszugreifen. Das Schönste ist, dass alle, die zum Karneval kommen, den Alltag vergessen, den Stress. Jeder arbeitet jeden Tag, und wenn man dann zum Karneval geht, dann hat man tagelang etwas zu erzählen.

Und zum Abschluss vielleicht eine grundlegende Info für alle, die neu sind beim Karneval in Cottbus - wie sagt man denn nun eigentlich in Brandenburg - da existiert doch dieses "Nuff Nuff!“ und ebenso das "Helau!" - oder ist "Alaaf!" der richtige Gruß?

Da gibt es keine einheitlichen Rufe – "Alaaf" "Nuff Nuff" – da geht vieles. Das mit dem "Nuff Nuff" kommt aus Golzen, das hat mit der Jagd dort zu tun… Wildschweine und so weiter. Jeder, fast jeder Verein hat da seinen eigenen Schlachtruf. Die Narrenweiber aus Cottbus sagen "Schlips ab". “Cottbus-Helau“ geht genauso, und ein bisschen weiter gefasst auch: “Brandenburg – Helau“ und natürlich "Berlin-Hejo" – weil die ja auch dabei sind.

Das Interview mit Frank Czepok führte Stefan Ruwoldt.  

Impressionen von 2014

Beitrag von Stefan Ruwoldt

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

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